Mechtild Goddemeier vom TuS 59 Hamm

Mit 88 Jahren zum Video-Star? Die Corona-Krise macht's möglich!

Wie man sich zuhause fit hält, das will Mechtild Goddemeier gerade in der Krisenzeit ihren Kursteilnehmern nicht vorenthalten.
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Wie man sich zuhause fit hält, das will Mechtild Goddemeier gerade in der Krisenzeit ihren Kursteilnehmern nicht vorenthalten.

Mit 88 Jahren zum Video-Star? Die Corona-Krise macht es möglich. Dabei wusste Mechtild Goddemeier bis vor Kurzem gar nicht, dass zwei Filme von ihr, in denen die Übungsleiterin des TuS 59 Hamm Übungen unter dem Titel „Sitzgymnastik – Tanz“ präsentiert, auf der Internet-Plattform „Youtube“ zu finden sind.

Hamm – „Einer meiner Söhne hat mich angerufen und gefragt, ob ich eigentlich weiß, dass ich im Internet zu sehen bin“, sagt die Hammerin lachend. „Und ich sach: nö.“ Mit den modernen Medien hat sie es nicht so, räumt sie ein. Mit Sport aber schon. Drei Kurse gibt die Übungsleiterin derzeit, zwei beim TuS 59 und einen im Seniorenheim St. Agnes. Rund 50 Menschen im Alter zwischen 70 und 90 Jahren haben ihr Angebot regelmäßig angenommen – vor der Krise. „Und das mit einem Eifer, den man sich gar nicht vorstellen kann“, sagt Goddemeier stolz. Als dann die Kontaktsperre kam, hat sich die Rentnerin Gedanken gemacht, wie sie ihre Senioren weiter erreichen und mit ihrem Sportangebot versorgen kann. „Ich habe dann beim TuS angerufen und gefragt, ob sie das realisieren können“, sagt sie.

Beim TuS 59 lief sie mit ihrer Idee offene Türen ein. „Sie hat sich ins Auto gesetzt und ist zu uns gekommen, hat ihren Plattenspieler mitgebracht, und ein Kollege hat die Übungen fotografiert, die wir dann auf ein Plakat gedruckt haben“, sagt TuS-Geschäftsführerin Tina Wilke. „Und da wir schon für andere Kurse ein paar Videos gedreht haben, haben wir das für ihre auch gemacht und diese ins Internet gestellt – auch wenn wir wissen, dass es die Problematik gibt, dass viele Senioren das technisch nicht so gut umsetzen können.“

Entsprechend war für die Übungsleiterin das Plakat wichtiger, auch wenn sie weiß, „dass darauf ja nur ein paar Übungen zu sehen sind. Das kann ja das Kursangebot einer ganzen Stunde gar nicht abbilden. Aber es ist eine Gedächtnisstütze.“ Mit dem fertigen Plakat unterm Arm vereinbarte die 88-Jährige vor gut vier Wochen einen Termin mit ihren Kursteilnehmern beim Roten Kreuz. „Um zehn Uhr morgens war ich da und habe die Plakate verteilt“, sagt Goddemeier. „Das ging super. Innerhalb einer Viertelstunde waren 17 Leute da. Und bei St. Agnes habe ich den Leuten die Plakate dann in die Briefkästen geworfen.“

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Sitzgymnastik vor 14 Jahren gestartet

Vor 14 Jahren hat die Hammerin mit ihrem Kursangebot zur Sitzgymnastik beim TuS begonnen, das sofort große Resonanz fand. „Die Älteren haben mich bombardiert mit Fragen, was wir machen können“, erinnert sie sich. Das ist bis heute so geblieben. Dienstags und donnerstags gibt sie in der Brüderstraße Kurse, dazu im St. Agnes. Der Ablauf ist genau strukturiert. Körperschule von Kopf bis Fuß, Hirnjogging, Yoga-Handarbeit, Turnen mit einem Gerät – „und zum Abschluss gibt es immer ein Tänzchen und ein Lied.“

Damit sie ihre Choreografien nicht vergisst und selbst nicht einrostet, turnt sie ihr Programm täglich selbst durch. Und ist sich sicher, dass ihre Teilnehmer das auch tun. Was wichtig ist, damit „wir auf dem alten Niveau starten können, wenn es wieder losgeht“, hofft auch Wilke, dass die Senioren bei der Stange bleiben.

Goddemeier selbst, die 20 Jahre am Hammonense-Gymnasium Sport unterrichtet hat und als Übungsleiterin schon „1000 Dinge gemacht“ hat, kennt in Corona-Zeiten weder Angst noch Langeweile, hält sich aber an die Regeln. Einkäufe erledigt sie trotz Hilfsangeboten der Nachbarn lieber selbst. Mit gebotener Vorsicht. „Abstände halten, ja. Und wenn jetzt der Mundschutz kommt, macht man, was gefordert wird. Ob man dazu steht oder nicht, ist wurscht“, betont sie. „Ansonsten mache ich meine Wege, gehe mit einer Bekannten durch den Kurpark bis zur Uentroper Schleuse.“ Zuhause liest sie gern Sportliteratur, hört oder macht Musik. Und hofft, dass sie bald mit ihren Senioren wieder losturnen kann. „Ich wünsche mir, dass es mit den Kursen noch ein Stück in dem Stil weitergehen kann. Aber wir werden zu allerletzt drankommen – da mache ich mir nichts vor.“ Daher hat sie sich vorgenommen, den einen oder anderen Kursteilnehmer mal wieder anzurufen. „Das wird denen guttun – und mir auch.“

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