Agentur für Arbeit

Corona krempelt Arbeitsmarkt in Hamm um: Viele Chancen trotz düsterer Prognosen?

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Hamm - Die Chefs der Agentur für Arbeit in Hamm geben eine düstere Prognose darüber, wie lange sich die Corona-Krise noch auf die heimische Wirtschaft auswirken wird. Sie sehen darin aber auch Chancen.

Die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt – auch in Hamm – werden nach dem Ende der Corona-Krise wohl nie wieder so strukturiert sein wie davor. Zahlreiche Betriebe – vor allem die des Einzelhandels und der Gastro-Branche – haben ernste Zukunftssorgen oder stehen vor dem Aus. In Hamm hatten allein bis Ende April mehr als 1.200 Unternehmen Kurzarbeit angezeigt. Es wird noch Monate dauern, bis sich die lokale Wirtschaft von dem „Shutdown“ erholt hat.

Auf der anderen Seite eröffnet die Corona-Krise auch neue Möglichkeiten. Firmen, die die Krise überleben, dürften ihre Organisationsstrukturen überdenken, um sich unabhängiger von globalen Einflüssen zu machen. Davon gehen jedenfalls die Experten bei der Bundesagentur für Arbeit aus.

Helm: "Globalisierung hat nicht nur Vorteile"

„In der aktuellen Situation sehen viele Menschen, dass Globalisierung uns nicht nur Vorteile gebracht hat. Dass das Virus sich so schnell um die Welt verbreiten konnte und Schäden für Familien und die Wirtschaft verursacht hat, liegt auch an der weltweit vernetzt arbeitenden Wirtschaft und dem regen Reiseverkehr“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Hamm, Thomas Helm.

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Zukunftsbranchen seien die, die im Sinne einer krisenfesteren wirtschaftlichen Grundstruktur gestärkt würden. Es sei deshalb gut möglich, sagt Helm, dass global vernetzte Firmen Produktionskapazitäten zurück nach Deutschland oder Europa verlagerten – etwa aus der Pharmaindustrie. „Teilweise werden Komponenten von Medikamenten aus Kostengründen nur in China und dort auch nur an einem Standort produziert. Sich von den weltweit verketteten Herstellungsprozessen wieder unabhängiger zu machen, wird das Ziel vieler Unternehmen sein“, ergänzt Thomas Keyen, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit.

Lohnkosten nicht mehr ausschlaggebend

Die Lohnkosten, einstmals Treiber der Internationalisierungswelle, spielten nur noch eine untergeordnete Rolle. „Durch die Digitalisierung und Robotertechnik können viele Arbeitsschritte zurückgeholt werden. Einige Betriebe haben das bislang auch nur nicht gemacht, weil die bisherigen Abläufe gut eingespielt waren“, erklärt Helm. „Jetzt wäre die Chance da.“

Der Fokus werde wohl auch stärker auf die gewerbliche Wirtschaft – also das produzierende Gewerbe – gelegt, Strukturen seien ausgedünnt worden und dadurch Arbeitsplätze verloren gegangen. Helm: „Vor zehn Jahren haben sich alle gefreut, dass wir eine Dienstleistungsgesellschaft werden. Werte schaffende Industrien und das Handwerk werden jetzt aber wieder wichtiger.“

Bessere Vergütung für systemrelevante Berufe?

Durch die Corona-Krise wurde eklatant aufgezeigt, welche Berufe systemrelevant sind. Das hatte einen massiven Imagegewinn einiger Branchen zur Folge. Für Helm und Keyen geht es jetzt darum, diesen Auftrieb zu verstetigen. „Der gesellschaftliche Wert etwa der Pflege, von Verkäuferinnen, Reinigungskräften und Handwerkern ist deutlich geworden. Unsere gemeinschaftliche Aufgabe muss es sein, das wach zu halten. Es darf nicht sein, dass das jetzt ein Strohfeuer ist“, sagt Keyen: „So gut, wie es uns ging, haben wir das Normale nicht gesehen. Die Gesellschaft hat einfach funktioniert. Durch die Krise wurde deutlich, wie brüchig das ist.“

In den systemrelevanten Berufen müsse auch über die entsprechende Vergütung gesprochen werden. Nur so könnten junge Menschen langfristig für diese Jobs begeistert werden.

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