Besuch am Impfbus

Corona-Impfung: Der Kostenfaktor schlägt durch - so ist der Stand in Hamm

Rund 50 Meter lang war die Schlange vor dem Impfbus am Freitag - trotz Schmuddelwetter.
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Rund 50 Meter lang war die Schlange vor dem Impfbus am Freitag - trotz Schmuddelwetter.

Wenn’s ans eigene Portemonnaie geht, werden auch in Hamm die Menschen munter. Lange Schlangen bildeten sich somit auch am Freitag vor dem Impfbus, der ein weiteres Mal vor dem Hauptbahnhof stand.

Hamm – Viele der Impfwilligen aus Hamm gaben an, Leistungsbezieher zu sein und dass der Kostenfaktor den Ausschlag gegeben habe, sich nunmehr doch immunisieren zu lassen. Schnelltests werden bekanntlich ab dem 11. Oktober, PCR-Tests (falls nötig, um an Veranstaltungen teilzunehmen) ab sofort kostenpflichtig. (News zum Coronavirus in Hamm)

Corona in Hamm: Meterlange Schlange vor dem Impfbus

Die Schlange am Impfbus vor dem Hauptbahnhof reichte am Freitag mindestens 50 Meter weit. Dutzende Menschen warteten geduldig auf die erhoffte Impfung. Die Wartenden hatten verschiedene Motive, sich gerade jetzt gegen das Virus impfen zu lassen und bisher noch abgewartet zu haben.

So haben einige schon Erfahrungen mit Corona gemacht. „Ich lag mehrere Tage im Koma“, berichtete ein junger Familienvater, der sich zusammen mit seiner Frau impfen lassen wollte. Da sein Status als Genesener bald ablaufe, wolle er sich nun impfen lassen – auch um die kostenpflichtigen PCR-Tests zu umgehen. Ähnliches berichtet eine junge Frau, die ebenfalls erkrankt war und sich nun impfen lassen wollte. „Ich war schon einmal damit infiziert, ich will das nicht noch einmal durchmachen müssen“, sagt sie.

Corona in Hamm: Kostenfrage für viele Impfwillige nun entscheidend

Für andere ist vor allem die Frage der kostenpflichtigen PCR-Tests der Grund, der sie bewogen hat, sich impfen zu lassen. „Ich gehe noch zur Fahrschule und ich brauche bald für die Besuche dort einen PCR-Test. Als Hartz-IV-Empfängerin kann ich mir das aber nicht mehr leisten“, erklärte eine junge Frau, die mit einer Freundin zusammen zum Impfbus gekommen war, um sich zusammen impfen zu lassen. Zwar braucht es für den Besuch einer Fahrschule auch weiterhin nur einen negativen Schnelltest, dieser wird allerdings bekanntlich auch bald kostenpflichtig.

Auf die Frage, warum sie sich erst jetzt impfen lassen wolle, obwohl die Impfreihenfolge längst aufgehoben sei, ließ ihre Freundin wissen, dass sie Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen gehabt habe. „Ich habe mir viel zu den Nebenwirkungen durchgelesen und hatte Sorge. Mein Partner wurde aber letztens geimpft, deswegen mach ich das jetzt auch.“

Auch sie beziehe Hartz-IV, weshalb sie sich wegen drohender, hoher Kosten zusätzlich dazu genötigt gefühlt habe, sich jetzt doch impfen zu lassen. Zudem sei es den beiden bei ihrer Entscheidung auch um den Schutz anderer gegangen. Jetzt, wo die Infektionszahlen wieder stiegen, sei das Risiko zu groß um nicht geimpft zu sein.

Corona-Impfung an der Friedensschule meist deutlich schneller

Dass sich jeder mittlerweile auch einfach am Impfzentrum an der Friedensschule impfen lassen könne, war vielen der im Regenwetter am Bus Wartenden gar nicht bewusst. Immer wieder wies das Personal des Impfbusses die Menschen darauf hin, dass es auch möglich sei, sich dort immunisieren zu lassen und es dort wahrscheinlich sogar wesentlich schneller gehen werde.

Ein älterer Mann, der wegen seiner zweiten Impfung zum Impfbus gekommen war, machte sofort kehrt und verließ den Platz in Richtung Friedensschule. Bis zum Mittag wurden vor dem Bahnhof dennoch 120 Impfungen durchgeführt.

Corona: Rund 1.000 Impfungen pro Tag in Hamm

Der Trend, sich nun doch impfen zu lassen, macht sich auch in den allgemeinen Hammer Impfzahlen bemerkbar. In den vergangenen vier Tagen haben sich 4.016 Menschen impfen lassen, gut die Hälfte davon (2.074) bekamen die Erstimpfung. Die Differenz zwischen Erst- und Zweitgeimpften (knapp 7.000) bleibt damit in etwa konstant. Vollständig geimpft waren am Donnerstagabend mindestens 108.843 Menschen aus Hamm.

Am Impfbus wurden in dieser Woche täglich deutlich über 200 Menschen geimpft – der überwiegende Teil holte sich die Erstimpfung ab. Im Impfcontainer, der an den weiterführenden Schulen aufgebaut wird, schwankten die Zahlen um einen Wert von 70.

Verlängerung der mobilen Angebote möglich - wenn Land mitspielt

„Die mobilen Impfangebote werden in Hamm sehr gut angenommen, und wir können uns gut vorstellen, die Angebote mit dem Impfbus beziehungsweise dem Container fortzuführen“, hieß es am Freitag aus dem Rathaus. Das Land NRW habe sich aber vorbehalten, das Impfgeschäft nach dem Auslaufen der Impfzentren über Erlasse zu regeln.

Hierauf (und damit verbunden auch auf die Klärung der Kostenfrage) müsse man warten. Sollte es laut Erlass möglich sein, mobile Impfangebote nach dem 30. September fortzuführen und die Kostenübernahme geregelt sein, würde die Stadt die Angebote „gerne fortführen“. Entsprechende Planungen hierzu liefen bereits.

Mitarbeit: Sascha-Nikolai Paschedag

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