12- bis 15-Jährige

„Vertragen das ausgezeichnet“: Kinderarzt spricht sich für Covid-Impfungen von Kindern und Jugendlichen aus

Die kleine Marlene (4 Jahre) aus Hamm weiß schon, wie ein Lolli-Test funktioniert. Impfen lassen kann sie sich gegen Corona nicht.
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Die kleine Marlene (4 Jahre) aus Hamm weiß schon, wie ein Lolli-Test funktioniert. Impfen lassen kann sie sich gegen Corona nicht.

In Hamm sind inzwischen rund 400 Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren geimpft worden. Mit dem am Montag beschlossenen und teils umstrittenen Impfangebot der Gesundheitsminister, das kurzfristig mehr Möglichkeiten für diese Altersgruppe schaffen soll, dürfte die Nachfrage auch in Hamm steigen.

Hamm – Dafür, dass sich möglichst viele Hammer ab 12 Jahren impfen lassen, plädiert auch der Leiter des Impfzentrums Hamm, Prof. Dr. Lothar Reinken – selbst Kinderarzt. „Ich bin schon länger der Meinung, dass man das durchaus machen könnte und sollte“, sagt der erfahrene Mediziner. (News zum Coronavirus in Hamm)

Corona in Hamm: Reinken warnt vor Multiorgan-Syndrom

Dass Kinder und Jugendliche nach einer Corona-Infektion meistens nicht schwer erkranken sei zwar richtig. Trotzdem könne es zu einem seltenen Multiorgan-Syndrom kommen, das PIMS abgekürzt wird und schwere Spätfolgen auslösen kann. „Die Niere, das Herz, die Leber oder der Darm können betroffen sein. Damit hat das Kind dann ein Leben lang zu tun. Und das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man sagt, dass Kinder ja ohnehin nicht schwer erkranken.“

An den bisherigen Impftagen kamen jeweils zwischen 45 und 138 Kinder in Begleitung eines Elternteils ins Impfzentrum. Impfreaktionen seien keine festgestellt worden. „Von solchen haben wir auch nicht gehört“, so Reinken. „Die jungen Jugendlichen, was sie ja eigentlich sind, vertragen das ausgezeichnet.“

„Kein Druck“: Kinder entscheiden frei und selbstständig

Ganz entspannt gingen die allermeisten Impflinge den kurzen Piks an. „Die sehen das pragmatisch und sagen: Mama und Papa sind geimpft, also will ich auch geimpft werden, damit ich wieder Dinge mit ihnen unternehmen kann.“ Unter Druck werde niemand gesetzt. „Wir fragen auch, ob sie das wirklich selbst wollen. Wenn Kinder sagen, sie wollen nicht geimpft werden und sind nur wegen Mama oder Papa da, dann impfen wir sie nicht. Aber das kam bisher nicht vor“, erklärt der Mediziner.

Seit dem 21. Juli ist es in Hamm überhaupt erst möglich, dass Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren geimpft werden. Dafür ist nach wie vor ein Beratungsgespräch mit einem Kinderarzt im Vorfeld nötig. An jedem Tag mit geradem Datum im August sind die Impfungen ohne vorher vereinbarten Termin von 14 bis 18.30 Uhr möglich. Es wird geraten, etwas später am Nachmittag zu erscheinen, weil um 14 Uhr der Andrang und damit auch die Wartezeit am größten ist.

Für mehr Impfungen: Herter schreibt Brief an Eltern in Hamm

Geimpft wird mit dem für Kinder und Jugendliche zugelassenen Impfstoff von Biontech, weshalb eine Zweitimpfung nach drei bis vier Wochen notwendig ist. Wer doch einen Termin buchen möchte, kann das per Telefon über 8776210 oder per E-Mail an termine@izhamm.de machen. Im Impfbus können nur Menschen ab 16 Jahren geimpft werden.

Ziel der Impfungen sei es, neben dem Schutz der Geimpften möglichst vielen Kindern und Jugendlichen vor dem Schulstart eine Teilimmunität gegen das Coronavirus zu ermöglichen, erklärte Oberbürgermeister Marc Herter bereits am Montag. Er kündigte an, einen weitere Info-Brief an die Eltern in Hamm zu schicken. „Das ist weder eine Empfehlung noch wollen wir Druck erzeugen. Es ist lediglich die Information über das Angebot. Verbunden mit der Bitte, sich als Eltern informieren und beraten zu lassen“, sagte der OB.

Corona-Impfung: Über 20.000 Kinder sind unter 12 Jahre alt

In Hamm gibt es rund 31.000 Menschen, die unter 18 Jahre alt sind. 16- bis 18-Jährige werden bereits seit längerer Zeit genauso wie Erwachsene geimpft. 6.400 Einwohner gehören nach Angaben der Stadt zu der Gruppe der 12- bis 15-Jährigen. Zwischen 20.000 und 21.000 Hammer sind zwischen 0 und 11 Jahre alt und können auf absehbare Zeit nicht gegen das Coronavirus geimpft werden.

Das findet Reinken ebenfalls richtig. „Da gibt es aktuell noch keinerlei Erfahrungen“, sagt er. Zunächst müssten von den Herstellern aufwendige und kontrollierte Studien vorgelegt werden. „Da geht es dann auch um die Dosis, die eine andere sein wird als bei den anderen Impfgruppen.“

Die 12- bis 15-Jährigen werden unterdessen genauso wie Erwachsene mit 0,3 Millilitern des Vakzins geschützt. „Vor allem Mädchen aber auch viele Jungen sind mit 13 schon weit entwickelt. Das macht häufig keinen Unterschied mehr“, so Reinken.

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