Ärger am Zapfhahn

Widersprüchliche Aussagen: Gastwirt fehlt Klarheit in Hygiene-Regelung

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Markus Pankalla muss an seinem Tresen in der Kneipe „Zur Theke“ auf Gäste verzichten – trotz Barriere an der Bar.

In der Gaststätte "Zur Theke" gibt es aktuell Ärger am Zapfhahn. Die widersprüchlichen Aussagen zu Verboten und Verpflichtungen von Stadt und Land in der Corona-Zeit setzen Gastwirt Markus Pankalla schwer zu.

Hamm – Die Gaststätte „Zur Theke“ an der Oststraße 40 ist eine gepflegte, klassische Kneipe. Wirt Markus Pankalla bietet mit seinem Team den Gästen dort normalerweise Getränke und kleine Häppchen an, es wird gewürfelt und sich angeregt unterhalten. Derzeit sind die Jalousien jedoch unten, der Wirt mit seinen Nerven ebenso. „Ich verstehe ja, dass gegen Corona etwas getan werden muss und die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert wird“, sagt Pankalla. Seine Mühen, den Kampf gegen das Virus zu unterstützen, werden allerdings wenig honoriert. Im Gegenteil.

Zunächst schloss Pankalla am 19. März seine Gaststätte, meldete seine Mitarbeiter ab und suchte sich schnell einen Job. Als es dann am Mittwoch, 6. Mai, hieß, dass die Gastronomie unter Einhaltung der Schutzbestimmungen wieder öffnen dürfe, war seine Freude groß: Am Tag drauf holte er sich aus dem Internet die Hygiene-Verordnung des Landes und arbeitete sie Punkt für Punkt ab. So beschaffte er Desinfektionsmittel, sorgte für die geforderte heiße Spülung der Gläser, maß alles aus und markierte, wo gesessen werden darf, schulte sein Team zur Masken- und Handschuhpflicht, trennte den Tresen- vom Thekenbereich mit einer transparenten Folie ab. Er kümmerte sich in alle Richtungen, um schnellstmöglich wieder Gäste begrüßen zu können.

Gesundheitsamt verweist auf Landesverordnung

„Ich habe auch noch beim Ordnungsamt angerufen, um mir alles absegnen zu lassen“, sagt Pankalla. Insbesondere die Nachricht, dass ein grundsätzliches Verbot der Bedienung am Tresen speziell in Hamm herrsche, hatte ihn zuvor verunsichert. Die Antwort habe gelautet, dass man sich über die Umsetzung derzeit noch nicht ganz schlüssig sei und sendete ihm die Landesverordnung zu. Dann rief er beim Gesundheitsamt an. Dort sei ihm mitgeteilt worden, dass bei Einhaltung der Landesverordnung keine Probleme zu erwarten seien. So kündigte er seinen „Zwischen-Job“ und öffnete am 11. Mai wieder seine Kneipe.

Auch hygienisch hat Markus Pankalla vorgesorgt.

Alle fühlten sich sicher, die Gäste kamen frohen Mutes zurück – bis am 14. Mai erneut zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes vorbeischauten. Im Sechs-Augen-Gespräch in der Küche sei ihm dann mitgeteilt worden, dass er zu schließen habe. Aber warum? Pankalla ging mit ihnen die Verordnung durch: Die Vorwürfe lauteten, der Abstand könne nicht eingehalten werden und der Betrieb am Tresen sei nur mit zusätzlichen Barrieren möglich. Sein Verweis auf die ausgemessenen Abstände und die angebrachte Plane wurden von den Ordnungshütern bestritten.

"Abstände nicht einmal nachgemessen"

„Die Abstände wurden nicht einmal nachgemessen und bei der Plane hieß es, dass Plexiglas verwendet werden müsse“, so Pankalla. Dabei stehe in der Verordnung ganz deutlich, dass zum Beispiel Plexiglas wie im Einzelhandel verwendet werden könne. Also jenes Glas oder ähnliches. Und im Zweifel stehe die Landesverordnung vor der Kommune.

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In einer Stellungnahme bestätigt die Stadt das Bemühen des Wirts. In ihr heißt es, dass es dem Ordnungsdienst speziell um die Sitzplätze an der Theke gegangen sei. Diese würden vom Land ausdrücklich nicht gewünscht. Zu dem schreibt die Stadt, dass man nicht in der Lage sei, für jede Gastronomie individuelle Handlungsanweisungen zu erstellen. Dazu steht in der Verordnung allerdings unter Punkt 6. b: „Unmittelbar vor der Theke sind Sitzplätze nur mit zusätzlichen Barrieren zulässig (z.B. Plexiglas wie im Einzelhandel)“.

Jeder geschlossene Tag zerrt an Existenz

„Da sind wir wieder beim Beispiel Plexiglas und der Plane“, ärgert sich Pankalla. Er wolle nur Regelkonform arbeiten, doch sehe er sich momentan auch nicht in der Lage bei all den widersprüchlichen Aussagen Sicherheit herzustellen. „Am 25. Mai soll die Hygieneverordnung ja wieder geändert werden. Wer weiß, was dann kommt“, so der Wirt. Sicher sei nur, dass jeder geschlossene Tag an seiner Existenz zehre.

Über die aktuelle Entwicklung in Sachen Gastronomie in NRW zu Corona-Zeiten berichten wir hier ständig aktuell. Und hier können Sie sich die Hygiene- und Infektionsschutzstandards für die Gastronomie in NRW durchlesen.

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