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„Das ist doch erbärmlich“: Schulleiter und Lehrer mit vielen Zweifeln wegen Schulöffnungen

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Von: Cedric Sporkert

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Durch mehr Sauberkeit in Schulen sollen die Hygiene-Vorschriften wegen der Coronavirus-Pandemie eingehalten werden. Daran, dass das gelingt, gibt es erhebliche Zweifel. © dpa

Noch immer überwiegen bei den meisten Lehrern und Schulleitern, mit denen der WA gesprochen hat, erhebliche Bedenken darüber, dass schon ab kommendem Donnerstag wieder maximal 3500 Schüler – teilweise auf freiwilliger Basis – zum Unterricht gehen sollen. Viele von ihnen haben noch offene Fragen an die Landes- und Bezirksregierung.

Hamm - Dem WA liegt etwa eine E-Mail einer Schulleiterin vor, die deutliche Worte dafür findet, was sie von den Mitteilungen des Landes hält, in denen der Umgang mit dem Coronavirus relativ unpräzise umrissen wird. „Das ist doch erbärmlich“, schreibt die Pädagogin dazu, dass die Verantwortung für viele Dinge ganz offensichtlich den Schulleitungen überlassen wird – egal, ob zur Ausgestaltung des Unterrichts, zu Raumkonzepten oder der Einhaltung der Abstandsregeln.

Klopapier und Seife Mangelware?

Abstimmungen mit dem Schulträger klappten „doch eh nicht“. Insbesondere die Hygiene-Anforderungen seien kaum umsetzbar. In den meisten Schulen seien die vor vielen Wochen eingereichten Bestellungen von Klopapier und Seife nicht einmal angekommen. Die Stadt begeht derzeit alle Schulstandorte und will bis Donnerstag dafür sorgen, dass genug Ausstattung da ist. Wie lange das vorhält steht allerdings auf einem anderen Papier.

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Unklar ist auch, wie gut der Fernunterricht über das Internet geklappt hat. Mit welchem Wissensstand die Schüler wieder an die Schulen kommen, dürfte erst in einigen Wochen feststehen. Überprüft, ob die Hausaufgaben erledigt wurden, haben die meisten Schulen allerdings. „Ja, wir haben immer wieder Ergebnisüberprüfungen“, sagt Schulleiter Daniel Tümmers von der Martin-Luther-Hauptschule.

Wunsch der Lehrer: Klare Ansagen

„Durch den Zoom-Unterricht konnten wir schon feststellen, wer nicht mitgemacht hat. In dem Fall haben wir eingegriffen, den Schüler angerufen, Ergebnisse eingefordert oder letztlich die Eltern angerufen und informiert.“

Was genau die Schüler jetzt leisten müssen, wenn sie wieder in den Klassen sitzen, ist noch unklar. Und es dürfte wohl von Schule zu Schule unterschiedlich sein, wenn es dafür keine Vorgaben gibt. Es brauche deutliche und klare Worte, sagt eine Schulleiterin.

Abschlussprüfungen in der Kritik

Davor, schon ab dem 4. Mai weitere Klassen zurückzuholen, warnen einige Lehrer. Sie befürchten, dass zu diesem Zeitpunkt nicht seriös eingeschätzt werden kann, wie sich die ersten Schulöffnungen auf die Infektionsrate auswirken. „Wenn sich die Ausbreitung wieder beschleunigt, sollten wir schnell eine Rolle rückwärts machen. Dann können auch keine Abiturprüfungen stattfinden“, sagt ein Lehrer, der anonym bleiben will.

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Die Gewerkschaft GEW tritt ebenfalls schon jetzt dafür ein, in diesem Jahr ganz auf Abschlussprüfungen zu verzichten. Diese würden in dieser Zeit zu viele Raum- und Personalkapazitäten binden.

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