Zusätzliche Impfdosen vom Land

Brennpunkt-Impfungen im Hammer Norden - auch Obdachlose und Flüchtlinge auf dem Zettel

In Hochhaussiedlungen verbreitet sich das Coronavirus offenbar besonders schnell. Deshalb setzt die Stadt Hamm in solchen Großwohnlagen auf Schwerpunktimpfungen.
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In derartigen Hochhaussiedlungen verbreitet sich das Coronavirus nach Ansicht von Experten besonders schnell. Deshalb setzt die Stadt Hamm in solchen Großwohnlagen auf Schwerpunktimpfungen.

Die Stadt Hamm startet am Samstag mit Schwerpunkt-Impfungen in Großwohnsiedlungen. In der kommenden Woche sollen mehrere Hunderte Dosen für weitere Impfungen in Brennpunkten nach Hamm geliefert werden.

Hamm - Hamm steht auf einer Liste von 15 Kommunen, denen die Sonderkontingente vom Land NRW aufgrund der sozialen Struktur der Bevölkerung und hoher Inzidenzwerte zugeteilt werden. Rund 950 Dosen Johnson & Johnson sollen dadurch in einem ersten Schritt voraussichtlich in der kommenden Woche zusätzlich nach Hamm kommen. (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
BundeslandNordrhein-Westfalen
Einwohner179.111 (2019)

Schwerpunktimpfungen starten im Hammer Norden

Quasi im Vorgriff auf die Lieferungen des Landes startet die Stadt schon am Samstag die erste Schwerpunktimpfung im Hammer Norden. In den zurückliegenden Tagen sei der Sozialdienst in dem ausgewählten Gebiet unterwegs gewesen und habe die Anwohner entsprechend über das Angebot informiert. „Damit, dort Briefe einzuwerfen, erreicht man gar nichts“, sagte Oberbürgermeister Marc Herter.

Der OB hofft auf viel Zulauf und mehrere Hundert Impfungen. „Jeder Anwohner, der kommt, wird auch geimpft. Der Impfstoff wird uns sicher nicht ausgehen.“ Im Hammer Norden kommt am Samstag allerdings noch nicht Johnson & Johnson sondern das Präparat von Astrazeneca zum Einsatz.

Geimpft wird im Ärztezentrum Hamm Norden am Sudetenweg 6 in den Zeiten von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr. Eine Terminvereinbarung ist nicht notwendig. Mitgebracht werden muss ein Personalausweis oder Reisepass und ein Impfausweis (falls vorhanden).

Herter: „Das könnten wir locker überzeichnen“

Die 950 bislang zugesagten Dosen des Landes reichen bei Weitem nicht aus, um alle Brennpunkte in Hamm abzudecken. „Das könnten wir locker überzeichnen“, sagte Herter mit Blick auf andere Großwohnlagen im gesamten Stadtgebiet. Weil Hamm aber schon eine größere Menge bekomme als der Stadt prozentual zustehe, sei er damit erst einmal zufrieden.

Die ausgewählten Kreise und kreisfreien Städte sind aufgefordert worden, dem Ministerium bis Dienstag ein Kurzkonzept zu den geplanten Maßnahmen vorzulegen. Für dieses Kurzkonzept sollen am Samstag erste Praxiserfahrungen gesammelt werden. Vor allem hinsichtlich der Impfbereitschaft und der Organisation solcher Schwerpunktimpfungen.

Auswahl durch Mindestsicherungsquote

 „Wir kommen mit dem Sonderkontingent dem Wunsch der Kreise und kreisfreien Städte nach, gezielt in vulnerablen Sozialräumen mit einer hohen 7-Tages-Inzidenz impfen zu können. Unsere Impfkontinente sind allerdings sehr begrenzt, sodass wir eine Auswahl treffen mussten”, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Die folgenden Kreise und kreisfreien Städte wurden auf Grundlage der Mindestsicherungsquote - also dem prozentualen Anteil der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen an der Gesamtbevölkerung - und der 7-Tages-Inzidenz ausgewählt: 

  • Hagen
  • Dortmund
  • Gelsenkirchen
  • Krefeld
  • Leverkusen
  • Wuppertal
  • Herne
  • Bielefeld
  • Duisburg
  • Hamm
  • Köln
  • Kreis Mettmann
  • Solingen
  • Oberhausen
  • Remscheid

Obdachlose und Flüchtlinge werden geimpft

Bereits am Freitag wurden die ersten Obdach- und Wohnungslose in Hamm gegen das Coronavirus geimpft. Am 19. und 21 Mai gibt es weitere Termine für diese Gruppe, die eng mit den betreuenden Institutionen und Anlaufstellen abgesprochen seien. Zum Einsatz kommt für Obdachlose der Impfstoff von Johnson & Johnson, weil so nur eine Impfdosis notwendig ist.

In der kommenden Woche werden auch die beiden stadteigenen Einrichtungen für Flüchtlinge mit Impfstoff versorgt. Dann werden an der Schützenstraße - die dortige Unterkunft steht mittlerweile nicht mehr unter Quarantäne - und im ehemaligen Glunzdorf am Caldenhofer Weg Bewohner und Mitarbeiter geimpft.

Die Bezirksregierung Arnsberg habe inzwischen auch für die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) am Alten Uentroper Weg eine Impfstoffbestellung abgesetzt, sodass die dortigen Bewohner und Mitarbeiter ebenfalls zeitnah geimpft werden dürften.

Coronavirus: Fast 85.000 Impfungen in Hamm

Mit Stand Donnerstagabend (20 Uhr) sind in Hamm rund 84.400 Impfungen gegen das Coronavirus durchgeführt worden. 65.700 davon sind Erstimpfungen, etwa 18.700 Zweitimpfungen. Davon bei den niedergelassenen Ärzte durchgeführt wurden 16.500 und rund 840 Zweitimpfungen.

36,5 Prozent der Hammer sind damit mindestens erstgeimpft - rund 0,6 Prozent mehr als im Bund. Bei der Zweitimpfung weist Hamm eine Quote von 10,4 Prozent auf. Das ist etwas niedriger als bundesweit und liegt nach Angaben Herters am vergleichsweise späten Einstieg der hiesigen Hausärzte ins Impfgeschehen nach Ostern.

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