In der St.-Barbara-Klinik

Besuchsregeln in Kliniken weiter streng - Sohn nicht zu schwer dementem Vater durchgelassen

Vor der Tür: Der Sohn des dementen Seniors wartete vergeblich darauf, zu seinem Vater in die Notaufnahme durchgelassen zu werden.
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Vor der Tür: Der Sohn des dementen Seniors wartete vergeblich darauf, zu seinem Vater in die Notaufnahme durchgelassen zu werden.

„Mit Sicherheit herzlich willkommen!“ Mit diesen Worten wirbt die St.-Barbara-Klinik auf ihrer Internetseite darum, bei Notfällen und zu Behandlungen ins Krankenhaus zu kommen. Die niedrigen Inzidenzen bedeuteten eine hohe Sicherheit, die Impfquote der Mitarbeiter liege bei über 90 Prozent. Nur: Die Besuchs- und Begleitregeln sind – wie in den anderen Hammer Kliniken – weiter streng. Darunter zu leiden hatte jetzt ein schwer dementer Mann im Alter von über 80 Jahren.

Hamm – Der war von dem Seniorenheim in dem er wohnt mit dem Krankenwagen in die Notaufnahme der Barbara-Klinik gebracht worden. Sein vorsorgebevollmächtigter Sohn kam fast zeitgleich dort an, wurde aber nicht zu seinem Vater durchgelassen. Und auch auf vehementeres Drängen und Bitten sei ihm gesagt worden, dass eine Begleitung in die Notaufnahme nicht möglich sei. (News zum Coronavirus in Hamm)

Corona in Hamm: Sonderregelung in der Barbara-Klinik

Tatsächlich ist das eine Sonderregelung der Barbara-Klinik, wie Sprecherin Alexandra Janiel bestätigt. „In der Zentralen Notaufnahme ist es naturgemäß meist sehr voll. Hier treffen viele Menschen aufeinander, bei einigen Notfallpatienten ist darüber hinaus von einer Gefährdungssituation durch eine eingeschränkte Immunabwehr auszugehen.“

Die „Corona-Grundregeln“ einzuhalten werde schwieriger, je mehr Personen auf engem Raum sind. Die Notaufnahme sei während der laufenden Baumaßnahmen im Haus außerdem deutlich räumlich begrenzt. Das werde sich nach der Inbetriebnahme der neu gebauten Notaufnahme in zwei Jahren wesentlich verbessern.

Dementer Patient: Doppelt Geimpfte Angehöriger wird abgewiesen

Dem Sohn des Demenzpatienten nutzte das nichts. Auch als er mit einem leitenden Arzt vom Empfang aus telefonieren durfte, wurde ihm erklärt, nicht herein zu können – obwohl er doppelt geimpft ist. Er fuhr letztlich nach Hause und entschied sieben Stunden später, seinen Vater nach den Untersuchungen in der Barbara-Klinik selbst wieder ins Seniorenheim zu bringen. Eine geplante Verlegung ins St.-Josef-Krankenhaus blies er ab, weil man ihm nicht habe zusagen können, dass sein Vater dort noch angemessen pflegerisch versorgt werde.

Das sei auch in der Barbara-Klinik nicht leistbar gewesen, sei ihm spät am Abend am Telefon gesagt worden. Tatsächlich sei der Vater nach der Ankunft im Heim dehydriert, entkräftet und verwirrt gewesen, schildert der Sohn. Er wolle sich nicht ausmalen, wie der Aufenthalt sich für seinen Vater anfühlte, der sich nicht mehr richtig artikulieren kann – auch nicht bei Schmerzen. Und auch nicht, wie es ähnlichen Patienten ergehe.

Eigentlich dürfen hilflose Patienten begleitet werden

Janiel betont indes, dass es trotz des grundsätzlichen Verbots eigentlich dennoch gestattet ist, hilflose Personen in die Notaufnahme zu begleiten. „Patienten, die auf eine Begleitung angewiesen sind, dürfen auch begleitet werden – ohne wenn und aber“, sagt sie. „Wenn dies versäumt worden ist, kann ich mich nur in aller Form dafür entschuldigen. Das ist eine Auslegung der grundlegenden Regeln, die so von uns nicht gewollt ist. Leider macht es die geschilderte Situation nicht besser, das tut uns sehr leid!“ Warum im aktuellen Fall nicht so gehandelt wurde wie sonst ihrer Schilderung nach üblich, sei nur schwer aufzuklären.

Auch die Mitarbeiter im Pflegedienst hätten ihren definierten Bereich eigentlich umfassend und engmaschig im Blick. „Die Betreuung von hilflosen Patienten mit erhöhtem Betreuungsbedarf ist elementarer Bestandteil der Tätigkeit in einer Zentralen Notaufnahme. Die Personalbesetzung ist grundsätzlich darauf ausgerichtet“, erklärt Janiel.

Besuchsregeln strikt, um Viruseintrag zu verhindern

Insgesamt gesehen sei es nicht möglich, die Besuchs- und Begleitregeln aktuell zu lockern. „Die Regeln dienen der möglichst vollständigen Vermeidung eines unkontrollierten Infektionseintrags in die Klinik“, betont die Sprecherin. Gleiches war auch aus den anderen Hammer Krankenhäusern zu hören, die immer gemeinsam über Lockerungen oder Verschärfungen entscheiden. Janiel: „Da wir viele Patienten haben, deren Immunsystem geschwächt ist und die damit ein höheres Risiko haben, sich eine Infektion zuzuziehen und einen schweren Krankheitsverlauf zu entwickeln, müssen wir zu deren Schutz weiterhin entsprechende Regeln aufstellen.“

Deshalb seien die Regeln in Krankenhäusern auch weiterhin strenger als anderswo. Das hänge also auch nicht von der Auslastung mit Covid-19-Patienten ab. „Wir sehen momentan auch in Deutschland wie erwartet wieder steigende Infektionszahlen. Damit steigt auch das Risiko des Eintrags in die Krankenhäuser“, so Janiel.

Besuche im Krankenhaus: Ausnahmen in Einzelfällen

Nach der kompletten Abschottung mit Besuchsverboten seien die Krankenhäuser sehr schnell wieder eingeschränkt geöffnet worden. Besonders in speziellen Situationen wie bei palliativen, sterbenden oder betreuungsbedürftigen Patienten im Rahmen einer jeweils individuellen Entscheidung durch die behandelnden Ärzte.

„Das ist uns in der sehr herausfordernden Zeit, in der wir uns alle auf vollkommen neue Verhältnisse einstellen mussten, nicht immer so gelungen, wie es hätte sein sollen“, gesteht Janiel ein. „Es waren damals viel Unsicherheit und Ängste mit im Spiel, inzwischen sind wir – eigentlich – deutlich weiter.“

Krankenhäuser in Hamm: Die aktuellen Besuchsregeln

Seit dem 16. Juni können Patienten in den Hammer Krankenhäusern wieder täglich einen Besucher empfangen – auch an jedem Tag eine andere Person. Der Aufenthalt ist zwischen 14 und 20 Uhr ohne zeitliche Begrenzung möglich. Besuche müssen einen Tag im Voraus telefonisch angemeldet werden. Gäste müssen einen Fragebogen ausfüllen und sich am Empfang registrieren lassen. Die bekannten Hygienevorschriften wie Handdesinfektion, Abstand halten und das Tragen medizinischer Masken haben Bestand.

Ein Besuch ist nur möglich, wenn keine Krankheits- oder Corona-Symptome vorliegen und die Person die „3G“-Voraussetzungen erfüllt. Also entsprechend geimpft, genesen oder getestet ist und das nachweisen kann. Bei Sterbefällen oder Geburten gibt es gesonderte Regeln, die auf den Internetseiten der Krankenhäuser nachzulesen sind.

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