Ansturm auf Hammer Friseure: Die Herren stehen Schlange

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Schlangen bildeten sich vor allem vor Barbershops, auch wenn sie keine Bärte stutzen dürfen wie sonst.

Schon am ersten Öffnungstag sind viele Friseure in Hamm auf Wochen ausgebucht. In den Salons bedienen maskierte Friseure maskierte Kunden - und zwar vor allem Männer.

Hamm – In diesen Wochen machte ein Spruch die Runde: „Wenn ihr dachtet, die Nummer mit dem Klopapier war verrückt, dann wartet mal ab, bis 40 Millionen Frauen zeitgleich einen Friseurtermin wollen ...“ Da zeigt sich, dass Klischees nette Sprüche hergeben, aber nicht immer die Realität abbilden. Sechs Wochen waren die Friseure in NRW geschlossen, um das Coronavirus einzudämmen. Am ersten Öffnungstag bildeten sich vor einigen Salons lange Schlangen. Dort warteten hauptsächlich: Männer.

So steht Viktor Maier vor dem Salon Prinz an der Weststraße, gleich hat er seinen Termin. Das graue Haar ragt ein Stück über die Ohren hinaus – doch wer ihn nicht kennt, wird kaum merken, dass seine Frisur Maier stört. „Viele Frauen haben ja lange Haare, da fällt das nicht auf, wenn die noch ein bisschen länger sind. Aber bei uns Männern – also, das geht ja gar nicht mehr“, sagt er und zeigt auf seinen Schopf. Er macht sich keine Sorgen, sich beim Friseur mit dem Coronavirus anzustecken.

Tatsächlich sind in den Friseurgeschäften alle maskiert. Vier Mitarbeiter arbeiten etwa im Salon Susanne Herboth gegenüber der Ritterpassage. Alle von ihnen tragen Mundschutz: Tücher, Masken aus der Apotheke oder durchsichtige Visiere. Auch die drei Kunden tragen einen mintfarbenen Mundschutz. Die Friseure arbeiten beim Waschen, Schneiden und Färben um ihn herum – so, wie sie sonst die Ohren freihalten würden.

Salonleitung Melanie erzählt, dass am ersten Öffnungstag derart viele Kunden angerufen haben, dass die Telefonanlage kurzfristig zusammenbrach. „Jetzt sind wir bis Anfang Juni ausgebucht.“

Für viele Kunden sei der Besuch im Salon eine Erleichterung. „Ich habe viele ältere Kunden, die ich schon seit 25 Jahren bediene“, sagt Melanie. „Sie konnten schon seit Wochen ihre Kinder und Enkel nicht mehr treffen.“ Der Friseurbesuch helfe gegen die Einsamkeit, sei ein wichtiger sozialer Kontakt.

Und was ist mit der Ansteckung? Jeder Kunde bekommt nun zuerst die Haare gewaschen. Das ist vorgeschrieben. Danach desinfiziert eine Mitarbeiterin Waschbecken und Stühle. Getränke bieten die Friseure nicht an, auch Zeitschriften liegen nicht in den Salons.

Wenn das nicht reicht und doch jemand an Covid-19 erkrankt, sollte sich feststellen lassen, wen er beim Friseur getroffen hat: Die Friseure müssen aufschreiben, wann ein Kunde den Salon betreten hat und wann er gegangen ist, sie notieren Kontaktdaten und auch, wer noch im Geschäft war.

„Im März, bevor wir wegen Corona schließen mussten, hatten viele Mitarbeiter Angst vor einer Ansteckung“, sagt Sait Bacak. Er führt zwei Friseurgeschäfte in Bockum-Hövel, die heute erstmals öffnen. Doch nun schätzt er das Risiko einer Infektion als gering ein. „Es sind alle total motiviert, sich und andere zu schützen“, sagt er – mit Händewaschen, Desinfektion, Masken.

Wie die meisten Friseure musste er während der Schließung Kurzarbeit anmelden. „Wir Friseure leben von Kasseneinnahmen“, sagt er. Die Preise will er dennoch nicht erhöhen, um die Kunden nicht zu verprellen. Lediglich die obligatorische Haarwäsche müsse man extra bezahlen. Dennoch müssen sich seine Mitarbeiter keine Sorgen um den Job machen. „Denen habe ich von Anfang an gesagt, wir stehen das gemeinsam durch. Es wird keiner gekündigt. Und jetzt, wo wir wieder aufmachen, fangen wir gemeinsam bei Null an“, sagt Bacak.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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