Situation hier anders als in anderen großen Städten

Westfleisch, Altenheime, Todesfälle: Rätsel um Corona-Situation in Hamm

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Die Corona-Massentests bei Westfleisch in Uentrop erregten weit über Hammer Stadtgrenzen hinaus Aufmerksamkeit (rechts im Bild Theo Hesse von der Stadt Hamm). Ihre Ergebnisse werden mit Spannung erwartet.

Unter 1850 Hammern hat rechnerisch aktuell einer das Coronavirus in sich. Das ist nicht viel, entspricht einem Prozentsatz von etwa 0,05 Prozent. Und doch entwickeln sich in anderen (Groß-) Städten in der Umgebung die Zahlen deutlich günstiger.

Hamm – 96 akut Infizierte wurden am Dienstag in Hamm registriert, in Münster waren es gerade einmal 20. Und im viel größeren Dortmund ebenfalls nur 40. Ebenso verhält es sich mit den Corona-Toten: 36 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen worden war, sind in Hamm gestorben. In Münster gibt es hingegen bislang nur 13 solcher Todesfälle, in Dortmund sind es derer vier.

Woran liegt das in Hamm? Erklärungsansätze

Nun, in Hamm grassierte das Virus in bislang in zwei Seniorenheimen. Dort gab es viele Infizierte und auch eine Häufung von Todesfällen. Weitere Hotspots können am heutigen Mittwoch hinzukommen, wenn die Stadt die Testergebnisse von drei weiteren Altenheimen und erste der Westfleisch-Mitarbeiter präsentieren wird. Das sollte eigentlich am Dienstag schon passieren, wurde aber vertagt. Massentestungen von rund 1700 Bewohnern, Pflegekräften und Schlachthofarbeitern wurden am Wochenende vorgenommen.

Weiterer Erklärungsansatz: In anderen Städten war die Corona-Welle mit 14-tägigem Vorsprung eingeschlagen. Aus Hamm waren verhältnismäßig wenig Menschen in den Skiurlaub gefahren, ziemlich bald schon ließen sich die Infektionsketten hier aber nicht mehr nachvollziehen. Der Shutdown erfolgte dann für alle Städte in NRW zeitgleich. Das Virus konnte sich in Hamm folglich bis zu den einschneidenden Maßnahmen schneller verbreiten als andernorts.

Hamm kein gutes Vorbild für Lockerungen

Hamm ist damit jedenfalls kein gutes Beispiel, um die seit Wochenbeginn geltenden Lockerungen zu begründen. Während im NRW-Schnitt mittlerweile 38 Tage vergehen, ehe sich die Infektionszahlen verdoppeln, dauert dies in Hamm weiterhin nur 15 Tage. Noch zwei Zahlen: Im gesamten Kreis Soest liegt die Zahl der Akutfälle inzwischen unter 30, im Kreis Warendorf sind dies um die 50.

Weitere Lockerungen werden ab Donnerstag in den Kindertagesstätten umgesetzt. Dann kommen Kinder aus den Bereichen Bildung und Teilhabe hinzu. Probleme mit der Kinderbetreuung stellen sich derweil aber auch bei vielen „Berufsrückkehrern“ ein. Wohin mit den Kindern, wenn nun auch die Mütter wieder zur Arbeit gehen?

Die Stadt kündigte an, die Fälle auch über die systemrelevanten Berufsgruppen hinaus prüfen zu wollen. Sollten tatsächlich Notlagen bestehen, werde man auch eine Lösung finden, sagte ein Stadtsprecher. Allerdings müsse es sich auch wirklich um Notlagen handeln.

Krankenhäuser in Hamm vorbereitet

Die Krankenhäuser könnten auf einen möglichen Corona-Anstieg nach den Massentests zügig reagieren, teilte die Verwaltung mit. Derzeit würden noch 30 bis 50 Prozent der Betten freigehalten, die Intensivbetten würden langsam reduziert. Elektive OPs gibt es wieder.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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