Maharani, Reinhardt's und viele mehr

Corona: Viele Restaurants und Imbisse haben umgestellt

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Die Stühle sind hochgestellt, die Türen verschlossen: Hamms Gastwirtschaften sind Corona-bedingt in einer behördlich verordneten Zwangspause. Die Wirte haben ihre Angestellten nach Hause geschickt und Überbrückungshilfen beantragt. Gut zwei Dutzend von ihnen versuchen es mit Außer-Haus-Verkäufen – um die Verluste etwas zu mildern und die Kunden zu halten. An ein schnelles Ende der Krise glaubt niemand.

Hamm – Alex Wahi steht am Fenster seines indischen Restaurants und reicht das Essen nach draußen, das Desinfektionsmittel immer in Reichweite. Seit zwei Wochen kann man im „Maharani“ außer Haus bestellen, zwischen 10 bis 20 Portionen gehen pro Tag raus. Trotzdem, sagt Wahi, bleibe ein Umsatzverlust von bis zu 75 Prozent. Er rechnet vor: Im Restaurant gebe ein Gast bei ihm durchschnittlich 35 Euro aus, beim Außer-Haus-Verkauf sei es weniger als die Hälfte. Vor- und Nachspeisen fallen oft weg, Getränke sowieso. Zwei Festangestellte sind in Kurzarbeit, Wahi steht jetzt mit seinem Vater am Herd. Die staatliche Unterstützung habe enorm geholfen, sagt Wahi. Und die Abhol-Gerichte würden häufiger geordert, als er sich das vorgestellt habe. Es kämen auch Leute, die der indischen Küche bisher distanziert gegenübergestanden hätten.

Auch Eva Reinhardt zeigt sich erst mal optimistisch. Ihr „Reinhardt‘s“ liefere bis nach Hause, und das funktioniere gut. Sie nehmen jetzt weniger ein als im normalen Restaurantbetrieb, sagt sie. Aber über die Unterstützung der Stammkunden habe sie sich sehr gefreut.

Für die Küche sei die Umstellung auf Außer-Haus-Verkauf eine Herausforderung gewesen, sagt die Gastronomin. Welche Gerichte sind transportgeeignet, welche Verpackungen braucht man, in welchem Radius kann man liefern?

Im Fährhaus bleibt die Küche kalt

Olaf Weber hat sich genau die gleichen Fragen gestellt. Der Pächter des „Alten Fährhauses“ hat andere Schlüsse als die Reinhardts gezogen und lässt die Küche kalt: Die Gefahr, dass die Steaks matschig auf den heimischen Teller kommen, sei ihm zu groß gewesen.

18 Mitarbeiter sind im Fährhaus betroffen. Die Gastronomie werde zur ungünstigsten Zeit getroffen, sagt Weber. An den Ostertagen wäre sein Restaurant voll gewesen. Doch jetzt würden sogar Reservierungen und Hochzeiten im Mai und Juni abgesagt. Und eine Zusage für Staatshilfen habe er noch nicht bekommen. Am Sonntag, sagt Weber, wolle er es doch mal mit einem Außer-Haus-Verkauf versuchen: nachmittags Kuchen und abends Schnitzel.

Hartmut Weiß setzt fürs Wochenende auf „pulled pork“, ein Barbecue-Gericht zum Mitnehmen. Der „Hardy‘s“-Wirt hatte die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und sämtliche Frische-Vorräte an die Hammer Tafel gespendet. Jetzt bereitet er den kleinen Außer-Haus-Verkauf vor, auch um überhaupt aktiv zu bleiben. Den Getränkeumsatz, der ihm fehlt, wird das „pulled pork“ nicht ausgleichen.

André Krawczyk ohne persönliche Sorgen

André Krawczyk nutzt die Zwangspause derweil, um den Biergarten auf Vordermann zu bringen. Mit seinem Kompagnon Frank Raulf betreibt er „Andre‘s Dinner“ und „Andre‘s Restaurant“. Er verzichte auf Außer-Haus-Geschäfte, sagt er. Um die Kontakte zu minimieren.

Akute Sorgen um den Betrieb macht er sich derweil aber nicht. Der Grund: Kredite seien schnell bewilligt worden.

Aber die weitere Entwicklung der Gastronomie sieht Krawczyk trotzdem mit Sorge: Auch wenn die Gaststätten wieder öffnen dürfen, würden die Gäste sich zunächst wohl noch zurückhalten. Eva Reinhardt rechnet damit, dass die Zwangspause so ähnlich endet, wie sie begann, mit reduziertem Öffnungszeiten und eingeschränktem Sitzplatzangebot. In anderen Branchen, sagt Alex Wahi, könnten Verluste in Krisenzeiten durch höhere Einnahmen danach wettgemacht werden. Doch in der Gastronomie gebe es solche Nachholeffekte nicht.

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