Stadt sieht Angebot kritisch

Erste Arztpraxis in Hamm bietet Corona-Test an

Der Schnelltest kostet 70 Euro.
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Der Schnelltest kostet 70 Euro.

(Update) Eine erste Arztpraxis in Hamm bietet einen Corona-Schnelltest an. Die Frauenärztin Susanne Arrenberg will damit dem Wunsch vieler Patientinnen nachkommen. Die Stadt setzt dagegen weiter auf Labortests.

Hamm – Die Nachfrage nach einem Coronatest sei definitiv da, sagte Arrenberg. Bei den Hausärzten kämen Testwillige nicht mehr durch, „die Leute hängen in der Luft“. Deshalb biete sie einen zertifizierten Schnelltest an, der wie ein Insulintest funktioniere: Aus der Fingerkuppe werde dabei ein kleiner Bluttropfen entnommen. Für den herkömlichen Labortest ist eine Rachenabstrich erforderlich.

Die 70 Euro für den Test müssen die Patientinnen selbst zahlen; in Arrenbergs Praxis kommt das Verfahren aber nur für Menschen infrage, die keine Krankheitssymptome zeigen. Bei Fieber, trockenem Husten und Krankheitsgefühl verweist sie an Hausarzt und Gesundheitsamt. Die Öffnungszeiten ihrer Praxis hat sie Corona-bedingt bereits eingeschränkt, den Test gibt es nur nach vorheriger telefonischer Beratung.

Pauschaltest weist akute und überstandene Infektion nach

Der auf Antikörper reagierende Test stammt vom Weseler Anbieter Diaprax und ist seit Februar erhältlich. Durch das Verfahren ließen sich sowohl akute als auch abgeklungene Infektionen erkennen, sagte Produktmanagerin Daniela Gründken. Der Test sei aussagekräftig, wenn die Krankheit vorhanden und auch wenn sie überstanden sei.

Das sieht auch Dr. Frank Marquardt, Leiter der Krankenhaushygiene im St.-Marien-Hospital, so. Solche Antikörper-Schnelltests könnten im weiteren Verlauf der Erkrankungswelle noch wichtig werden, sagte der Mediziner. Derzeit komme es aber darauf an, Corona bei Infizierten zu diagnostizieren, die noch keine Symptome zeigen und keine Antiköper gebildet haben. Dafür gebe es nur den derzeit praktizierten Labortest, der auf Viren reagiere; die Auswertung dauere zwei Tage.

Von der Stadt und vom Qualitätszirkel der Hammer Gynäkologen war Arrenberg für ihr Angebot kritisiert worden. Der Vorwurf: Der Test wiege Patienten in falscher Sicherheit. Der Ärztliche Direktor der St.-Barbara-Klinik, Dr. Rainer Löb, hatte Pauschaltests eine Absage erteilt. Arrenberg beruft sich dagegen auf Hilfsersuchen aus ärztlichen Kreisen. Ärzteverein und Kassenärztliche Vereinigung (KV) hatten die Ärzteschaft aufgefordert, den Hausärzten bei der Bewältigung der Corona-Krise unter die Arme zu greifen.

Unterstützung für Diagnostikeinrichtungen

Die Hilfsaufforderung gab es tatsächlich, wie eine KV-Sprecherin bestätigte. Bereits in der vergangenen Woche habe man sich an alle niedergelassenen Ärzte in Westfalen und Lippe gewandt. Die Intention war allerdings eine etwas andere. Es sollte um Unterstützung für Diagnostikeinrichtungen gehen, also beispielsweise Tätigkeiten in Zentralen Abstrichstellen, die in einigen Landesteilen eingerichtet wurden. Bis zu 20 Ärzte hätten sich bereiterklärt beim Coronamobil mitzuarbeiten sagte Dr. Matthias Bohle, Vorsitzender des Ärztevereins.

Testverfahren wird in Hamm nicht geändert

„Warum werde ich nicht getestet?“ Das ist eine derzeit auch an die Redaktion häufig gestellte Frage. Menschen, die in einem Risikogebiet Urlaub gemacht haben, nun zurück sind und 14 Tage zu Hause bleiben sollen, melden sich beispielsweise. Einen Test bekommen sie tatsächlich nicht, beziehungsweise erst dann, wenn sie Symptome zeigen. Irritation, Unmut und der Vorwurf, die Hammer Gesundheitsverantwortlichen machten sich einen schlanken Fuß, sind die übliche Reaktionskette.

Per Abstrich wird der Corona-Test eigentlich durchgeführt.

Handlung nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts

Die Stadtverwaltung bestätigte am Mittwoch noch einmal auf WA-Anfrage, dass an der bisherigen Testpraxis festgehalten werde. Dabei handelt die Stadt tatsächlich so, wie es das Robert-Koch-Institut vorgibt. Das haben wir noch einmal überprüft. Getestet wird in Hamm, wer aus einem Risikogebiet zurückgekehrt ist oder Kontakt zu einem Infizierten hatte UND zudem Symptome zeigt. Selbst die Ehepartner von positiv Getesteten bleiben zunächst lediglich in häuslicher Quarantäne. Getestet werden diese nicht.

Hilfe bei Symptomen

Sollten Symptome auftauchen, ist der Hausarzt per Telefon zu konsultieren. Wird ein Test veranlasst, geschieht das durch die Besatzung des seit Montag in Hamm eingesetzten Coronamobils. Bislang wurden auf diese Weise 49 Proben genommen. 16 neue waren es allein am Mittwoch. „Das klappt ganz gut“, sagte ein Stadtsprecher. Sollte das Aufkommen weiter steigen, werde ein weiteres Fahrzeug angeschafft.

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Hinweis: Wir haben den Text um einen Stellungnahme der Herstellerfirma und des St.-Marien-Hospitals ergänzt.

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