"Ostern ohne die ausdeutenden Gottesdienste feiern zu müssen, stimmt traurig"

Pfarrer bleiben allein zu Haus: Wie feiern wir Ostern ohne Gottesdienst?

+
Bernd Mönkebüscher darf seine Gemeinde an Ostern nicht in der Kirche St. Agnes empfangen.

Die Karwoche ist in diesem Jahr völlig anders als sonst. Hammer Pfarrer geben Tipps, wie sich Christen trotz aller Einschränkungen miteinander und mit ihrem Glauben verbunden fühlen können.

Hamm - Die Karwoche – in der katholischen Liturgie Heilige Woche – bildet den Höhepunkt des Kirchenjahres. Es wird des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi gedacht. Die Kartage beginnen mit Gründonnerstag. Die Karwoche endet am Abend des Karsamstags mit der Feier der Osternacht, die Ostergottesdienste schließen sich an. Dieses Ostern müssen Gläubige allerdings auf die besonderen Gottesdienste verzichten. 

Im Zeichen der Corona-Krise fallen alle Feiern aus. „Es wird in diesem Jahr vieles anders sein“, sagt Pfarrer Bernd Mönkebüscher. Er hat Verständnis dafür, dass die Kirchen geschlossen bleiben müssen. Er rät, die Kar-und Ostertage bewusst zu feiern – auch ohne Kirchbesuch.

Er selber werde zu den Öffnungszeiten in der Kirche sein und viel spazieren gehen. Dass keine Eucharistiefeiern stattfinden, sei sehr schade. Aber: „Wenn ich die Not in den Ländern sehe, in denen die Krematorien Tag und Nacht brennen, verstummt meine Klage darüber, dass wir zu Ostern nicht Eucharistie feiern können.“ Jetzt sei ein anderer Gottesdienst gefragt und gefordert: der des Tröstens, des Ermunterns, des Mittragens, des solidarisch seins. Darüber hinaus gebe es Möglichkeiten, sich etwa im Fernsehen Übertragungen von Gottesdiensten anzusehen.

"Wie beieinander sein, ohne zueinander zu kommen?"

Auch für den Bockum-Höveler Pfarrer Robert Winschuh ist die Situation „einmalig“ und er sei auch ein Suchender. „Ostern ohne die ausdeutenden Gottesdienste feiern zu müssen, stimmt traurig“: Es dränge sich die Frage auf: „Wie können wir beieinander sein, ohne zueinander kommen zu können?“

Eine Möglichkeit sei das Glockenläuten aller Kirchen abends um 19.30 Uhr. „Ich stehe am offenen Fenster, höre bei brennender Kerze das Glockenläuten, bete das „Vater unser“ und weiß mich mit vielen Menschen verbunden, die das auch so halten. Das tröstet. Auch bei all den schwierigen Nachrichten dieser Zeit.“

Mit anderen Gläubigen verabrede er sich am Telefon oder in den sozialen Medien zum Fernsehgottesdienst, „über den wir dann digital oder telefonisch ins Gespräch kommen“, sagt Winschuh. Das alles sei kein Ersatz für eine gemeinsame Eucharistiefeier, aber schaffe Gemeinsamkeit.

In vielen Gemeinden werden Andachten vorbereitet, die die Gläubigen an Ostern online abrufen können – so auch die Osterandacht mit Pfarrer Haitz mit dem Posaunenchor Hamm-Westen. Unter der Adresse kirchenkreis-hamm.de ist dieses Video abrufbar.

In der Bockum-Höveler Heilig-Geist-Gemeinde versuchen die ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter die Menschen zu erreichen unter der Überschrift „Ostern ist nicht abgesagt – Ostern kommt nach Hause“. Da fließe Kreativität vieler Menschen hinein. So wurden kleine Videobotschaften, Briefe und Osterboxen mit Palmzweig, Kerze und Gottesdienstentwurf gestaltet. Tagsüber sind die Kirchen geöffnet und laden zu Gebet und Andacht ein. Winschuh: „Ostern anders – das wird eine Herausforderung, ganz gewiss. Aber im Wissen umeinander, kriegen wir das hin.“

Österliche Freude über den Sieg des Lebens

Auch im Evangelischen Kirchenkreis Hamm wird in diesem Jahr anders Ostern gefeiert. Die Kirchen sind geschlossen, Gottesdienste finden nicht statt. Am Karfreitag läuten um 15 Uhr – zu Jesu-Sterbestunde – die Glocken aller Kirchen. Dann schweigen sie bis zum Ostersonntag. Am Ostersonntag, 12. April, werden in den evangelischen und katholischen Kirchen von 9.30 bis 9.45 Uhr die Glocken läuten. Das ökumenische Geläut soll gerade in Zeiten der Corona-Krise die österliche Freude über den Sieg des Lebens zum Ausdruck bringen. Nachdem keine regulären Gottesdienste möglich sind, sei dieses gemeinsame Zeichen am höchsten christlichen Fest umso wichtiger, so Pfarrer Tilmann Walther-Sollich vom Evangelischen Kirchenkreis Hamm.

Am Ostersonntag lädt die Kirche zudem zu einem Flashmob ein: Zuhause am Fenster, auf dem Balkon, im Garten, im Wald, auf dem Hof oder auf der Straße mit dem Trichter oder der Stimme gegen den Wind. Oder an den Orgeln bei weit geöffneten Kirchenfenstern und -portalen im großen Instrumenten-Tutti soll das Kirchenlied „Christ ist erstanden“ (EG 99) lautstark erklingen und die Osterfreude ausdrücken.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare