Frust-Folgen in Hamm

Corona-Sperrstunde für Wirte fast wie ein neuer Lockdown

Sperrstunde 23 Uhr. Was bedeutet das für die Gastronomie? Insbesondere für die klassischen, länger geöffneten Feierlokalitäten, die schon bisher mit Alkoholverbot ab Mitternacht leben mussten, kommt die neue Regelung fast einem Lockdown gleich.

Hamm – „23 Uhr ist hier eigentlich der normale Beginn“, sagt Karsten Plaß vom „Pirates“ in Hamm. Zwar öffnet er mittwochs, freitags und samstags schon um 21 Uhr, doch das Ausgehverhalten der Menschen habe sich über die Jahre auf einen späteren Zeitpunkt eingependelt.

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,43 km2
Einwohner179.916 (Dezember 2019)

Sperrstunde wegen Corona: Für Gastronomie ist die neue Regel in Hamm fast wie ein neuer Lockdown

„Wäre die Sperrstunde um Mitternacht, käme es mit früherer Öffnungszeit ab 20 Uhr auf einen Versuch an. Das wäre besser als ein erneuter Lockdown. Aber bei der Sperrstunde um 23 Uhr bezweifle ich ernsthaft, dass sich ein Öffnen überhaupt lohnt. Ohne Biergarten wie im Sommer hat das für mich wenig Sinn.“ Vor der bisherigen Regelung mit der Schließung um 1 Uhr in Hamm hielt Plaß seine Gastronomie am Wochenende je nach Besuch bis 4 oder 5 Uhr geöffnet. Am Studententag mittwochs blieb es bei 1 Uhr wie üblich.

Allerdings griff am vergangenen Mittwoch bereits die neue Regelung des Alkoholverbots ab Mitternacht. Natürlich halte er sich daran, und einem Alkoholausschank auf Vorrat quasi um „fünf vor zwölf“ erteilt er eine Absage. „Da wird keine Kiste Bier mehr über den Tresen gehen. Man muss das schon mit Augenmaß handhaben. Wer sich noch zehn Minuten vor Ende ein Bier bestellen und bis Ladenschluss in Ruhe austrinken will – okay. Aber ansonsten sollte man die Kirche im Dorf lassen“, sagt er.

Einer frühen Sperrstunde in Hamm steht er auch aus anderen Erwägungen kritisch gegenüber. „Ein kontrolliertes Ausgehen und Trinken mit Sicherheitskonzept, Hygienemaßnahmen und Security hat seit dem Sommer gut funktioniert. Je früher die Sperrstunde, desto mehr wird sich in den privaten Bereich verlagern. Und dort ist eine Kontrolle wesentlich schwieriger“, meint Plaß.

Sperrstunde wegen Corona in Hamm: Gefahr der Verlagerung

Ähnlich äußert sich auch Erik Gielen, Betreiber des Enchilada: „Ich sehe die Gefahr, dass sich das verlagert. Bei uns oder in anderen Gaststätten und Kneipen in Hamm halten sich alle an die Vorgaben. Jetzt kann es sein, dass die Leute im Untergrund oder in Partykellern zusammenkommen und auf die Abstandsregeln pfeifen.“ Die Sperrstunde sei zumindest in einer Stadt wie Hamm sinnfrei.

Feierabend um 23 Uhr: Die Sperrstunde ist vor allem für alle Lokalbetreiber der Hammer Meile eine harte Nachricht – hier geht es erst ab Mittagnacht richtig rund.

Die neue Regelung tue auch ihm weg, die finanziellen Einbußen seien enorm. „Unter der Woche ist das vielleicht nicht so hart. Am Wochenende drei Stunden eher zu schließen dagegen sehr bitter. Auch die Aushilfskräfte kommen so ja gar nicht auf ihre Stunden“, so Gielen. Die Öffnungszeiten als Reaktion auf die Sperrstunde in Hamm nach vorne zu verlegen sei keine Option. „Wir sind einfach kein Tagesbetrieb. Dazu passt unser Angebot an Speisen und Getränken nicht. Wir werden ganz normal weiter um 17 Uhr öffnen.“

Sperrstunde wegen Corona in Hamm: Hoffen auf Gerichte

Die vergangenen Wochen und warmen Sommermonaten habe er zwar ähnlich wie Plaß durch den Biergartenbetrieb gut überstanden. „Das war schon ganz ordentlich“, sagt Gielen. „Jetzt kam passend zu Corona aber auch noch das schlechte Wetter.“

Die einzige Hoffnung, die den Wirten aus Hamm bleibt, ist, dass die Sperrstunde von Gerichten schnell wieder gekippt wird. Düsseldorfer Gastronomen haben bereits gegen die neue Regelung der NRW-Landesregierung geklagt.

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek

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