2.744 Arbeitslose

Corona wirkt sich aus: Zahl der Arbeitslosen in Hamm sinkt erstmals nach fünf Monaten - Details zu Kurzarbeit

Zahl der Arbeitslosen sinkt: Die Agentur für Arbeit in Hamm stellte den Monatsbericht vor.
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Zahl der Arbeitslosen sinkt: Die Agentur für Arbeit in Hamm stellte den Monatsbericht vor.

Für den Arbeitsmarkt in der Stadt Hamm standen die Signale im September überwiegend auf „grün“. Die einsetzende Herbstbelebung relativierte laut Agentur für Arbeit die pandemiebedingten Folgen der letzten Monate.

Hamm - Die Zahl der Arbeitslosen sank erstmals nach fünfmonatigem Anstieg und Stagnation im August aktuell um 191 oder 2,1 Prozent auf 9.079. Die Arbeitslosenquote verringerte sich dabei um 0,2 Punkte auf 9,7 Prozent. Trotzdem erhöhte sich der Abstand zur Vorjahresarbeitslosigkeit. Damals waren es 1.774 oder nahezu ein Viertel weniger Arbeitslose bei einer Quote von nur 7,8 Prozent.

Weiterhin junge Menschen betroffen

„Nach einem halben Jahr entwickelt sich der heimische Arbeitsmarkt erstmals wieder spürbar besser. Dieser saisonale Effekt ist für einen September normal und natürlich nicht stark genug, um die seit Mitte März unter Corona gestiegenen Arbeitslosenzahlen zu kompensieren“, so Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm. „Wir bewegen uns jetzt auf einem anderen Niveau als noch vor einem Jahr, die Zahl der Arbeitslosen ist fast 1.800 oder rund ein Viertel höher. Positiv ist aktuell, dass deutlich mehr Menschen wieder eine Arbeit aufnehmen konnten.“

Eine Auswirkung der Pandemie hielte aber auch im September weiter an: Die für die Jahreszeit völlig untypisch steigende Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen. Sie sei durch verspätete Prüfungen und Meldungen von Auszubildenden bedingt, die aber nur kurz auf Arbeitssuche seien. Bei den jungen Arbeitslosen gab es im Vormonatsvergleich einen Rückgang um 68 (6,9 Prozent) auf 916 Jugendliche. Im September 2019 waren es hier 276 Arbeitslose weniger. Somit nahm die Jugendarbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich um 43,1 Prozent zu.

Doppelt so viel Kurzarbeit wie in der Finanzkrise

Im September kamen in Hamm nur noch acht geprüfte Kurzarbeitsanzeigen der Unternehmen für rund 250 potentiell betroffene Arbeitnehmer hinzu. Seit dem Beginn des Shutdown haben damit insgesamt 1.500 Unternehmen aus fast allen Branchen Arbeitsausfälle für rund 18.900 potentiell betroffene Arbeitnehmer angezeigt. Das ist rund doppelt so viel wie während der Wirtschafts- und Finanzkrise im gesamten Jahr 2009.

Erst nach Ablauf von mehreren Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit nachträglich abrechnen. Für April, dem Monat mit der stärksten Kurzarbeit-Zuwachsrate, liegen inzwischen Hochrechnungen für die Stadt Hamm vor. Danach wurde für den ersten vollständigen Monat nach Beginn der Coronaphase Kurzarbeitergeld an fast 1.000 Betriebe für rund 9.200 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.

„Bei der Kurzarbeit gibt es keinen besonderen Anstieg mehr. Die Abrechnung des bereits enorm hohen Bestandes bleibt trotzdem noch für längere Zeit eine große Herausforderung“, sagt Helm.

9.079 Arbeitslose in Hamm

Nach einer Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt meldeten sich im September 470 Personen neu arbeitslos, neun weniger als im August und 87 (15,6 Prozent) weniger als vor zwölf Monaten. Gleichzeitig meldeten sich in der Stadt Hamm 473 Personen in Beschäftigung ab, 57 (13,7 Prozent) mehr als im Vormonat und elf oder 2,4 Prozent mehr als vor genau einem Jahr.

Nach dem Ende der Ferienzeit war auch der fünfmonatige Anstieg der Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung zu Ende. 2.744 Arbeitslose waren bei der Agentur für Arbeit Hamm Ende September gemeldet, genau 76 Personen oder -2,7 Prozent weniger als im August. Gleichzeitig waren es 1.040 oder 61,0 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Wieder mehr Stellen gemeldet

Die Kräftenachfrage blieb auf dem Vormonatsniveau. Die Unternehmen meldeten im September 386 neue Stellen, fünf oder 1,3 Prozent weniger als im August, zugleich 105 Stellen oder 21,4 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Der Bestand an insgesamt gemeldeten Arbeitsstellen stieg um 48 Stellen (2,7 Prozent) auf 1.819. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren dies 374 Stellen oder 17,1 Prozent weniger.

Nennenswerten Kräftebedarf, wobei hier noch einiges an Steigerungspotential vorhanden sein dürfte, hatten im Vormonatsvergleich insbesondere die Zeitarbeit (185 neue Stellen), das Gesundheitswesen (55) und der Bereich Erziehung und Unterricht (18). Weitere kleine Schwerpunkte, allerdings mit nachlassender Tendenz, bildeten der Handel (29), das Baugewerbe (10)und das Verarbeitende Gewerbe (7).

Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Hamm stellt fest, dass das Interesse der Betriebe an Qualifizierungen der bereits vorhandenen Mitarbeiter branchenübergreifend weiter zunimmt. Der Agenturchef gibt einen Ausblick: „Für Oktober rechne ich vorerst noch mit einer Fortsetzung der günstigen saisonalen Entwicklung, auch wenn man in diesem Jahr mit Prognosen vorsichtig sein muss.“

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