„Ohne Test hätte ich es nicht gemerkt“ (letzter Teil unserer Serie)

Corona und seine Schicksale in Hamm - Heute: Tobias Filthaut

Damit Tobias Filthaut die Familie nicht ansteckt, bleibt er eine Woche lang allein in seinem Zimmer.
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Um die Familie nicht anzustecken, blieb Tobias Filthaut eine Woche lang allein in seinem Zimmer.

Tobias Filthaut aus Hamm, 19 Jahre, ist froh, dass er nicht unter Spätfolgen seiner Corona-Infektion zu leiden hat.

Hamm - Täglich lesen Sie auf WA.de die aktuellen Corona-Fallzahlen. Hinter den Ziffern für die akut Infizierten, die Neuinfektionen, die Patienten im Krankenhaus und den Genesenen stecken jeweils echte Schicksale. Wir wollen daher die Menschen hinter den Zahlen sichtbar machen – und haben mit neun Hammern über ihre Corona-Infektion und die Auswirkungen gesprochen, die teilweise bis heute spürbar sind. Ihre Geschichte lesen Sie seit dem 30. Dezember täglich auf WA.de. Im letzten Teil geht es um Tobias Filthaut:

Es klopft. Essen ist fertig. Tobias Filthaut wartet kurz und öffnet die Tür zu seinem Zimmer erst, als seine Eltern gegangen sind: Es ist Ende Oktober, Filthaut hat Corona. Seine Schwester und seine Eltern sind negativ getestet. Die Familie lebt gemeinsam in einem Haus. Damit Filthaut die Familie nicht ansteckt, bleibt er eine Woche lang allein in seinem Zimmer, bis er beim Gesundheitsamt der Stadt Hamm wieder als gesundet gilt. Seine Eltern versorgen ihn kontaktlos, stellen Essen vors Zimmer und gehen dann. Er nutzt als letzter das Badezimmer, danach muss gelüftet und desinfiziert werden, mehrmals täglich. (Lesen Sie unten weiter.)

9 Corona-Schicksale in Hamm - weitere Folgen unserer Serie:

Claudia Winter (53) ist eine der beiden Menschen aus Hamm, bei denen das Coronavirus als erstes nachgewiesen wurde. (Teil 1)

Franzis Schwarz (78), Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt, fällt nach ihrer Infektion mit dem Coronavirus das Treppensteigen schwer. (Teil 2)

Reinhild Rabe (53) erkrankte im April und hat lange unter den Nachwirkungen ihrer Corona-Infektion gelitten. (Teil 3)

Joachim Rind (60) merkte zunächst nichts von seiner Infektion. Erst in der dritten Woche hatte er heftige Symptome. (Teil 4)

Katharina Streubel (23) war zunächst negativ getestet worden, verspürte dann aber nie gekannte Symptome. (Teil 5)

Bernd Hackmann (51), Oberarzt für Nuklearmedizin am Marienhospital, wurde vom positiven Testergebnis ziemlich überrascht. (Teil 6)

Ravil Rubashkin (31) ist Arzt am EVK. Außer Husten und Müdigkeit hatte er keine weiteren Beschwerden. Er erkrankte Ende März. (Teil 7)

Fritz Corzilius (78) hatte zunächst einen leichten Verlauf. Die Schwierigkeiten kamen erst, als er glaubte, genesen zu sein. (Teil 8)

Dass die Erkrankung auffällt, ist einem Reihentest zu verdanken. Filthaut spielt Handball in der 2. Mannschaft des ASV Hamm. Damit das Training weiterlaufen konnte, unterzogen sich im Herbst alle Mannschaftsmitglieder einmal pro Woche einem Coronaschnelltest. Filthaut wird donnerstags getestet. „Bereits am nächsten Tag habe ich einen Anruf bekommen, dass ich positiv bin.“

Ohne Test hätte sich der Handballer nicht isoliert

Symptome hat er kaum. Kein Fieber, kein Schüttelfrost, er kann riechen und schmecken. „Ich hatte nur einen feuchten Husten, keinen trockenen, wie man sagt.“ Ohne Test hätte er sich nicht isoliert, sondern gesund genug gefühlt, um weiter zur Schule zu gehen, zum Sport und Einkaufen und einige wenige andere Menschen zu treffen.

Wo er sich infiziert hat, weiß Filthaut nicht. Das Ergebnis kommt in der zweiten Woche der Herbstferien. „Vielleicht war es beim Einkaufen? Vielleicht im Allee- Center?“ Er macht im nächsten Frühjahr sein Abitur am Elisabeth-Lüders-Kolleg. Keiner seiner Klassenkameraden ist gleichzeitig infiziert.

Wieso nicht früher auf Distanzunterricht gesetzt?

Nach einer Woche ist der Husten weg, Filthaut gilt als gesund und darf nun wieder raus. Seine Familie muss noch eine weitere Woche in Quarantäne bleiben. Obwohl sie nach dem Test alle negativ sind, dürfen sie noch nicht wieder raus.

Ob die Coronaschutzmaßnahmen sinnvoll sind? Filthaut mag sich kein Urteil erlauben. „Allerdings frage ich mich, wieso man nicht früher auf Distanzunterricht gesetzt hat.“ Schließlich wäre Filthaut ohne den Test beim Handball weiter zur Schule gegangen – und hätte das Virus womöglich verteilt.

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