„Als steckte mein Brustkorb in einem Schraubstock“ (Teil 4 unserer Serie)

Corona und seine Schicksale in Hamm - Heute: Joachim Rind

„Es gab schon Momente, in denen ich Angst um mein Leben hatte“, sagt Joachim Rind.
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„Es gab schon Momente, in denen ich Angst um mein Leben hatte“, sagt Joachim Rind.

Joachim Rind (60) aus Hamm merkte zunächst nichts von seiner Infektion. Erst in der dritten Woche hatte er heftige Symptome. Nachwirkungen spürt er noch immer.

Hamm - Täglich lesen Sie auf WA.de die aktuellen Corona-Fallzahlen. Hinter den Ziffern für die akut Infizierten, die Neuinfektionen, die Patienten im Krankenhaus und den Genesenen stecken jeweils echte Schicksale. Wir wollen daher die Menschen hinter den Zahlen sichtbar machen – und haben mit neun Hammern über ihre Corona-Infektion und die Auswirkungen gesprochen, die teilweise bis heute spürbar sind. Ihre Geschichte lesen Sie seit dem 30. Dezember täglich auf WA.de. Heute geht es um Joachim Rind:

„Es gab schon Momente, in denen ich Angst um mein Leben hatte“, sagt Joachim Rind. Dennoch entschied sich der 60-Jährige gegen einen Krankenhausaufenthalt. „Ich wollte nicht an ein Beatmungsgerät, und die meiste Zeit war es auch nicht so, dass ich nicht mehr weiter gewusst hätte.“ Rind, der zwar nicht Arzt ist, aber in einem medizinischen Beruf ausgebildet und tätig war, vertraute auf seine Einschätzung.

Das Virus wurde bei ihm Anfang April nachgewiesen. Zuvor war sein Sohn, der in einem Krankenhaus arbeitet, positiv getestet worden. Das Kuriose: Rinds Frau war negativ. Seine Schlussfolgerung war einfach. „Sie musste es schon gehabt haben, denn zwei positive und ein negativer Test wären sonst in einem Haushalt nicht möglich gewesen.“ Beim Antikörpertest sollte sich das später bestätigen.

In der dritten Quarantäne schlug Corona voll durch

Rind glaubte zunächst an einen milden Verlauf, doch dann schlug die Krankheit in der dritten Quarantäne-Woche mit aller Macht durch. „Ich war kraftlos, konnte kein Handy mehr hochheben, hatte Halsschmerzen, Schnupfen, Durchfall und das Gefühl, mein Brustkorb steckt in einem Schraubstock“, erinnert er sich. Aber Rind wollte es aus eigener Kraft schaffen. Auch sonst konsultiere er keinen Hausarzt. Aspirin, Eukalyptusbonbons und Mundspülungen hätten ihm Linderung gebracht.

Nach fünf Tagen sei der Spuk dann vorbei gewesen. „Von einem Tag auf den anderen“, sagt Rind. Insgesamt vier Wochen dauerte seine Quarantäne. Die Erkrankung hat bis heute Spuren bei ihm hinterlassen. „Beim Spaziergang bin ich schneller kraftlos“, sagt er. Die Beine machten Schwierigkeiten.

Als Genesener würde er sich mehr Aufmerksamkeit für sich und all die anderen wünschen. „Über die Frage der Immunität hört man herzlich wenig“, so Rind. „Von der Regierung kommt da nichts. Ich fühle mich aufs Abstellgleis geschoben.“

9 Corona-Schicksale in Hamm - unsere Serie:

Claudia Winter (53) ist eine der beiden Menschen aus Hamm, bei denen das Coronavirus als erstes nachgewiesen wurde. (Teil 1)

Franzis Schwarz (78), Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt, fällt nach ihrer Infektion mit dem Coronavirus das Treppensteigen schwer. (Teil 2)

Reinhild Rabe (53) erkrankte im April und hat lange unter den Nachwirkungen ihrer Corona-Infektion gelitten. (Teil 3)

Weitere Teile folgen täglich.

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