„Dankbar dass ich noch lebe“ (Teil 2 unserer Serie)

Corona und seine Schicksale in Hamm - Heute: Franzis Schwarz

Franzis Schwarz „war auf den Tod vorbereitet“, sagt sie.
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Franzis Schwarz „war auf den Tod vorbereitet“, sagt sie.

Franzis Schwarz (78),Vorsitzende des Seniorenbeirates der Stadt Hamm, fällt nach ihrer Infektion mit dem Coronavirus das Treppensteigen schwer.

Hamm - Täglich lesen Sie auf WA.de die aktuellen Corona-Fallzahlen. Hinter den Ziffern für die akut Infizierten, die Neuinfektionen, die Patienten im Krankenhaus und den Genesenen stecken jeweils echte Schicksale. Wir wollen daher die Menschen hinter den Zahlen sichtbar machen – und haben mit neun Hammern über ihre Corona-Infektion und die Auswirkungen gesprochen, die teilweise bis heute spürbar sind. Ihre Geschichte lesen Sie seit dem 30. Dezember täglich auf WA.de. Heute geht es um Franzis Schwarz:

Franzis Schwarz hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet. „Ich war auf den Tod vorbereitet“, sagt die 78-Jährige. Als gläubige Christin habe sie keine Angst gehabt, dennoch sei sie nun froh, ihre Corona-Erkrankung überlebt zu haben. „Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich wieder gesund geworden bin und so viele liebe Menschen um mich hatte, die sich um mich gekümmert haben“, sagt sie gut drei Monate nach überstandener Krankheit.

An den Spätfolgen leidet sie immer noch. Treppensteigen fällt ihr schwer. 14 Stufen sind es vom Erdgeschoss zu ihrer Wohnung. An manchen Tagen gleicht das Treppensteigen einer anstrengenden Bergtour. „An schlechten Tagen muss ich mich alle paar Stufen ausruhen und verschnaufen“, sagt sie. Aber: Es wird von Tag zu Tag besser. Franzis Schwarz macht langsam Fortschritte, fährt inzwischen schon wieder mit dem Auto und macht alleine Besorgungen.

Mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus

Dass es ihr inzwischen wieder so gut geht, damit war vor drei Monaten nicht zu rechnen. Mitte September plagte sie ein kräftiger Husten. Von Tag zu Tag ging es ihr schlechter. „Ich war müde und schlapp, nachts konnte ich aber nicht schlafen, wälzte mich im Bett und fand keine Ruhe, obwohl es mir immer schlechter ging“, erinnert sie sich. Hunger hatte sie auch keinen, nahm binnen weniger Tage mehrere Kilo ab. Schwarz: „Auch meine Familie machte sich große Sorgen.“

Schließlich ging es nicht mehr. Franzis Schwarz wurde mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. Dort kam sie erst auf ein normales Krankenzimmer. Nach einem Corona-Test wurde sie schnell isoliert und lag alleine in einem Krankenzimmer. „Das war mir dann spätestens klar, dass ich an Corona erkrankt bin.

Jeden Tag wurde es ein wenig besser

Zehn Tage dauerte der Krankenhausaufenthalt. „Ich habe dort sehr liebevolle Schwestern und Pfleger kennengelernt“, sagt sie. Auch wenn diese nur vermummt in das Zimmer durften, vernahm sie am Leuchten der Augen und an der passenden Wortwahl, dass sie gut aufgehoben war und die Pflegekräfte ihren Beruf lieben. „Dafür bin ich sehr dankbar“.

Als sie nach zehn Tagen das Krankenhaus verlassen durfte, kehrte sie Schritt für Schritt ins Leben zurück. „Das hat gedauert und ich brauchte sehr viel Geduld. Jeden Tag wurde es ein wenig besser. „Von kleinen Rückschlägen habe ich mich nicht aus der Bahn werfen lassen“, sagt sie. Geholfen habe ihr auch, dass sie in ihrem Umfeld ein „gutes Miteinander erfahren durfte“.

9 Corona-Schicksale in Hamm - unsere Serie:

Claudia Winter (53) ist eine der beiden Menschen aus Hamm, bei denen das Coronavirus als erstes nachgewiesen wurde. (Teil 1)

Weitere Teile folgen täglich.

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