„Wir waren brave Urlauber“ (Teil 1 unserer Serie)

Corona und seine Schicksale in Hamm - Heute: Claudia Winter

Claudia Winter gehört zu den ersten Corona-Infizierten in Hamm.
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Claudia Winter gehört zu den ersten Corona-Infizierten in Hamm.

Claudia Winter (53) ist eine der beiden Hammer, bei denen das Coronavirus als erstes nachgewiesen wurde. Die Krankheit hatte zunächst einen milden Verlauf, aber sie fühlt sich auch heute noch gelegentlich matt und schlapp.

Hamm - Täglich lesen Sie auf WA.de die aktuellen Corona-Fallzahlen. Hinter den Ziffern für die akut Infizierten, die Neuinfektionen, die Patienten im Krankenhaus und den Genesenen stecken jeweils echte Schicksale. Wir wollen daher die Menschen hinter den Zahlen sichtbar machen – und haben mit neun Hammern über ihre Corona-Infektion und die Auswirkungen gesprochen, die teilweise bis heute spürbar sind. Ihre Geschichte lesen Sie ab heute täglich auf WA.de. Den Anfang macht Claudia Winter:

„Das Virus hat nun auch unsere Stadt erreicht.“ Diese Worte des damaligen Oberbürgermeisters Thomas Hunsteger-Petermann klangen am Spätnachmittag der am 12. März 2020 in einer spontan einberufenen Pressekonferenz wie Donnerhall. Zwei Corona-Fälle hatte der OB auf seiner Liste – eine der Betroffenen war, wie wir jetzt wissen, Claudia Winter.

„Aerosole damals noch kein Thema“

Die 53-jährige Hammerin war drei Tage zuvor aus dem Skiurlaub in Südtirol zurückgekehrt. Mit ein paar Freundinnen hatte sie vier Tage im Schnee verbracht und war Teil einer 30-köpfigen Busreisegruppe gewesen. „Wir waren ganz brave Urlauber, waren nur ein einziges Mal für kurze Zeit in einer Après-Ski-Hütte.“ Doch dieses eine Mal war vielleicht das berühmte eine Mal zu viel. „Aerosole waren damals noch kein Thema. Wir hatten alle unsere Desinfektionsmittel dabei und haben unsere Hände eingesprüht.“

Möglichkeit zwei des Infektionsorts – und die deutlich wahrscheinlichere – war die zehnstündige Rückreise mit dem Bus. Einige der aus ganz NRW stammenden Skiurlauber hatten sich offenbar erkältet. Winters Freundinnen (wohnen außerhalb Hamms) wurden später allesamt positiv getestet – und ebenso auch viele weitere Reiseteilnehmer. Kurz nachdem der Bus losgefahren war, wurde Südtirol abgeriegelt.

Auch Ehemann und Sohn infiziert

Zwölf Stunden nach ihrer Ankunft in Hamm setzten erste Beschwerden in Form eines hartnäckigen Hustens ein. Claudia Winter hatte sich da schon in freiwilliger Quarantäne befunden. „Wir hatten unser Haus sofort in zwei Bereiche aufgeteilt. Ich habe meinen Mann erst gar nicht in den Arm genommen.“ Aber es wurde gemeinsam an einem Tisch gegessen und sich hin und wieder auch unterhalten. Aerosole waren eben noch kein Thema. Resultat: der Ehemann und auch der damals 16-jährige Sohn steckten sich an.

Claudia Winter rief am 10. März – einen Tag nach Ankunft in Hamm – ihren Hausarzt an und erklärte, dass sie Symptome habe. Am nächsten Tag bekam sie einen Test, den sie selbst bei sich vornahm. Am 12. März stand das Ergebnis fest.

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