Hammer Kino zehrt vom Erfolgsjahr 2019

Corona und Kino: Darum geht dem Cinemaxx noch nicht die Puste aus

Kino im Hotspot Hamm: Die Besucher kämen trotzdem, heißt es vom Cinemaxx.
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Kino im Hotspot Hamm: Die Besucher kämen trotzdem, heißt es vom Cinemaxx.

Spätestens mit der Verschiebung des James-Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ aufs Frühjahr 2021 haben sich die Hoffnungen für viele Kino-Betreiber pulverisiert, die Kassenlage zumindest etwas besser zu gestalten. Das Cinemaxx in Hamm kann sich trotzdem über Wasser halten. Wir blicken auch nach Ahlen und Werne.

Hamm - Auf etwa 60 Prozent werden die finanziellen Einbußen der Kinos nach dem Lockdown geschätzt. Im Schnitt nur jeder dritte Platz kann besetzt werden. Das Cinemaxx Hamm zeigt nach dem Lockdown seit dem 30. Mai wieder Filme. Anlass genug, im Kino-Betrieb nachzufragen, wie sich die Situation entwickelt hat – vor allem auch unter dem Aspekt, dass Hamm Corona-Risikogebiet ist. Hier in Auszügen die Antworten von Unternehmenssprecherin Ingrid Breul-Husar (einige Fragen wurden im Paket beantwortet):

Wie ist die Entwicklung vonstatten gegangen nach der Wiedereröffnung? Haben sich die Menschen ins Kino getraut?
Ingrid Breul-Husar: Wir wussten, dass es keine großen Filme geben würde. Unser Ziel bestand einzig und allein darin, das Vertrauen unserer Kunden schnellstmöglich zurückzugewinnen. Bei allem, was wir tun, hat die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Gäste höchste Priorität. Über 85 Prozent der Kinobesucher haben ein gutes Gefühl im Kino, wie eine Marktforschung im Sommer belegte; ebenso viele Besucher waren sehr angetan von den bestehenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten.
Wie hoch ist die Auslastung?
(unbeantwortet - Anmerkung dazu: Grundsätzlich gehört es zur Unternehmenslinie, keine Besucherzahlen für Filme und Standorte zu nennen)
Um wie viele Kino-Plätze ist die Kapazität in Hamm geschrumpft?
Breul-Husar: Die aktuellen Restriktionen schränken den Kinobetrieb erheblich ein, da nur maximal 30 Prozent der Sitzplätze zur Verfügung stehen. Als Multiplex-Betreiber können wir große Filmstarts wie „Tenet“ oder „After Truth“ in einer hohen Frequenz zeigen und so die Einschränkungen durch die Kapazitätsbeschränkungen in Teilen kompensieren und dennoch dabei unser Sicherheits-Hygiene-Konzept vollends sicherstellen sowie eine deutlich höhere Programmvielfalt abbilden. Kleine Kinos stoßen hier jedoch ganz klar schneller an ihre Grenzen. Wir haben im Sinne der Branche ein hohes Interesse, dass alle Betreiber durch diese Zeit kommen. Insofern sehen wir es als zentral an, dass deutschlandweit ein gute, verantwortungsvolle Lösung mit Blick auf Mindestabstände in den Kinos sowie natürlich auch im Wesentlichen Förderprogramme gefunden wird.
Wie werden bewährte Reihen angenommen?
Breul-Husar: Gerade hat das Kinderfilmfest im Cinemaxx Hamm wie in jedem Jahr stattgefunden und das Angebot wurde sehr gut angenommen. Das VHS-Kino findet wie gewohnt mittwochs statt und erfreut sich einen treuen Gemeinde.
Wie hat sich die Situation entwickelt, seitdem Hamm Corona-Hochburg geworden ist?
Breul-Husar: Wie überall in der Stadt merkbar war, hat sich die Bevölkerung insbesondere in der ersten Woche der Überschreitung des Inzidenz-Werts in ihren außerhäuslichen Aktivitäten zurückgehalten. Dies hat sich nun aber wieder gelegt.
Wurde das Sicherheitskonzept noch einmal nachgebessert?
Breul-Husar: Unser Sicherheits- und Hygienekonzept wird, basierend auf aktuellen Veränderungen seitens der Behörden, entsprechend angepasst.
Wie wirkt sich die Verschiebung von Blockbustern wie dem neuen Bond aus? Welche Möglichkeiten gegenzusteuern gibt es noch?
Breul-Husar: Natürlich ist es eine große Herausforderung, dass ein großer internationaler Film wie Bond verschoben wurde. Wir sehen hier jedoch eine große Chance für deutsche Produktionen, dass diese die entstandene Lücke füllen. So hat beispielsweise Constantin schnell reagiert und den Start von „Contra“ vorgezogen (statt Mitte Januar 2021 nun am 23. Dezember). Als Unternehmensgruppe schätzen wir uns glücklich, nach einem Rekordjahr 2019 und einem ersten Rekordquartal 2020 generell gut gewappnet in die aktuelle Situation gegangen zu sein. Unser gegenwärtiger und künftiger Erfolg hängt von der kontinuierlichen Unterstützung der Regierung, der Film-Studios, der Vermieter und anderer Anbieter ab.
Kino 1 ist das Aushängeschild des Capitol Cinema Centers in Werne.

Kino-Nachbarschaft Werne

Bis in die 1930er Jahre führen die Wurzeln des Capitol Cinema Centers Werne (550 Plätze, fünf Säle) als Familienbetrieb zurück. „Das Kino hat seitdem schon alles erlebt“, sagt Jutta Wagner, die das Lichtspielhaus mit ihrem Mann Wido betreibt. „Auch jetzt werden wir nach vorne schauen.“ Weil das vergangene Jahr gut gewesen sei, habe man Rücklagen bilden können. Zudem befindet sich die Immobilie im Eigentum der Familie.

Natürlich lasse es sich aber nicht auffangen, wenn aktuell im größten Saal nur 60 von 180 Plätzen zur Verfügung stehen. Zumal die Blockbustereinnahmen – Ausnahme „Tenet“ – in der Kasse fehlten. „Einige große Verleihe lassen die Kinos hängen“, sagt Wagner. „Dafür haben jetzt kleinere Verlage eher eine Chance, die sonst eher im Schatten der Großen stehen.“ Durch ein ausgefeiltes Zeitmanagement und die strikte Einhaltung des Sicherheitskonzeptes habe man die Besucher nach dem Lockdown langsam wieder zurückgewonnen, sagt Wagner. Sie hofft, dass das nun so bleiben wird.

Kino-Nachbarschaft Ahlen

Für Martin Temme, unabhängiger Betreiber des CinemAhlen (430 Plätze, vier Säle), gibt es zurzeit zwar wenig Erfreuliches in der Kino-Landschaft, kleine Lichtblicke sieht er für sein Haus aber doch. Mit einem Kinder- und Familienprogramm will er in den Ferien schon ab mittags punkten, und das gelingt laut Temme recht gut.

„Der Vorteil eines unabhängig geführten Hauses ist, dass wir autark Maßnahmen in der Geschäftspolitik und in der Programmstruktur ergreifen können.“ Angesichts der Umstände spricht Temme für sein Haus noch von „ansprechenden Zahlen“ – natürlich aber nicht im Vergleich zum Normalbetrieb. Grundsätzlich kritisiert er die – mit wenigen Ausnahmen – fehlende Planungssicherheit von Seiten der Filmindustrie. Das gelte auch für den neuen Bond, der 24 Stunden nach dem Aufruf zum Vorverkaufsstart wieder verschoben wurde. „Der Film hätte die Verluste um 5 bis 10 Prozent abgemildert“, schätzt Temme. Unter den jetzigen Bedingungen ist er sicher, dass sich größere Häuser nicht wirtschaftlich führen ließen.

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