Corona und die Folgen

Arbeitslose in Hamm: 2020 endet „günstig“ - Jahreszahlen dramatisch

Arbeitsagentur gibt Zahlen bekannt
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Die Arbeitsagenturen hat heute die aktuellen Zahlen für Dezember bekanntgegeben. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Am Ende eines beispiellosen Jahres hielt die günstige Entwicklung der letzten Monate in der Stadt Hamm mit einem weiteren leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit an. Klar ist aber auch: Das Jahr 2020 markierte das Ende der guten Arbeitsmarktentwicklung der Vorjahre.

Hamm - Die Zahl der Arbeitslosen nahm im Dezember in Hamm um exakt 33 auf 8443 ab, wie die Arbeitsagentur am Montag mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb bei 9,0 Prozent; vor einem Jahr waren es 7,7 Prozent. Insgesamt gibt es somit in der Stadt Hamm 1199 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr (plus 16,6 Prozent). Der beträchtliche Abstand zur Vorjahresarbeitslosigkeit sei in den letzten Monaten erfreulich kleiner geworden, heißt es.

„Trotz des anhaltenden zweiten Lockdowns ist das Jahr 2020 in Hamm mit belebter Kräftenachfrage und sinkender Arbeitslosigkeit günstig zu Ende gegangen“, bewertet Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm, den Jahresabschluss. Die gute Herbstbelebung habe noch bis zum Jahresende angehalten, was sogar besser gewesen sei als vor zwölf Monaten. Helm dämpft möglichen Optimismus jedoch direkt wieder: „In den nächsten Monaten wird sich die Arbeitsmarktlage auf jeden Fall saisonal verschlechtern. Die weiteren Folgen der Pandemie sind derzeit noch nicht abschätzbar.“

Arbeitslosigkeit in Hamm: Kurzarbeit im Corona-Dezember

Im Dezember haben in Hamm 150 Unternehmen für 1800 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt, was gegenüber den Vormonaten wieder einen Anstieg bedeutete, aber nicht die Dynamik hatte wie im ersten Lockdown. Seit dem Beginn der Pandemie haben damit insgesamt nahezu 1800 Unternehmen aus fast allen Branchen Arbeitsausfälle für über 22.000 potenziell betroffene Arbeitnehmer angezeigt.

Erst nach Ablauf von mehreren Monaten zeige sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums Kurzarbeit nachträglich abrechnen. Für Juli lägen inzwischen Hochrechnungen für die Stadt Hamm vor. Danach wurde für den vierten vollständigen Monat nach Beginn der Corona-Phase Kurzarbeitergeld an 440 Betriebe für rund 5100 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt - schon deutlich weniger als im April, dem Monat mit der stärksten Kurzarbeit-Zuwachsrate.

Arbeitslosigkeit in Hamm: Bewertung des Corona-Jahres

Das Jahr 2020 markierte das Ende der guten Arbeitsmarktentwicklung der Vorjahre in der Stadt Hamm, heißt es im Bericht der Arbeitsagentur. Der erste Lockdown ab Mitte März und die Folgen ließen die Gesamtzahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich um 944 Menschen auf jahresdurchschnittlich 8512 (plus 12,5 Prozent) ansteigen. Die Arbeitslosenquote lag im Jahresschnitt bei 9,1 Prozent nach 8,1 Prozent in 2019. Die Unterbeschäftigung stieg gegenüber dem Vorjahr um 5,7 Prozent auf 11.366, die Unterbeschäftigungsquote im Jahresdurchschnitt um 0,5 Punkte auf 11,7 Prozent.

Für alle Personengruppen stieg die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt spürbar an. Bei Langzeitarbeitslosen (plus 289), jungen Menschen unter 25 Jahren (plus 98), Schwerbehinderten (plus 41), Älteren über 50 (plus 247) und Ausländern (plus 341) wurden höhere Werte als im Durchschnitt verzeichnet.

Die unterjährige Entwicklung der Arbeitslosigkeit verlief in der Stadt Hamm Pandemie-bedingt im Frühjahr und Sommer untypisch schlecht. Der starke Anstieg in wenigen Monaten sorgte für ein auf das ganze Jahr gesehen deutlich höheres Gesamtniveau der Arbeitslosigkeit. Der Jahrestiefstwert war mit 7,9 Prozent bereits im Januar - dem Kalendermonat, der üblicherweise die höchste Arbeitslosigkeit mit sich bringt. Dies allein mache schon sehr deutlich, welche gravierenden Auswirkungen Corona auf den Arbeitsmarkt 2020 hatte, heißt es im Bericht weiter.

Dies sei auch bei der Kurzarbeit zum Ausdruck gekommen, die 2020 auch in der Stadt Hamm als wirksames Instrument zur Erhaltung von Arbeitsplätzen von größter Bedeutung war. Mit Beginn der Pandemie-Maßnahmen im März erlebten die durch die Betriebe angezeigten Arbeitszeitausfälle einen nie gekannten Anstieg: Allein bis Mai waren es über 1400 Anzeigen für 16.700 potenziell betroffene Arbeitnehmer.

Bis zum Jahresende zeigten insgesamt nahezu 1.800 Unternehmen aus fast allen Branchen Arbeitsausfälle für über 22.000 mögliche Kurzarbeiter an, rund doppelt so viele wie während der Wirtschafts- und Finanzkrise im gesamten Jahr 2009. Die tatsächlich realisierte Kurzarbeit in Hamm sei letztlich deutlich geringer ausgefallen. Der bisher ermittelte Höchststand hierbei waren im April fast 1000 Betriebe mit knapp 8900 Kurzarbeitern. - WA

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