In den Praxen wird es voll

Corona-Sorgen: Hammer Schulen schicken hustende Kinder zum Arzt

Auch ab einem Alter von 12 Jahren sind Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll. Foto: Soeren Stache / dpa
+
In den Hammer Kinderarztpraxen herrscht Hochbetrieb – obwohl die eigentliche Erkältungszeit noch gar nicht begonnen hat.

Mit laufender Nase oder lockerem Husten in den Unterricht? Viele Eltern sind sich angesichts der Corona-Schutzmaßnahmen unsicher, wann sie ihr Kind zur Schule schicken können. In den Kinderarztpraxen herrscht Hochbetrieb – obwohl die eigentliche Erkältungszeit noch gar nicht begonnen hat.

Hamm – Schüler mit Schnupfen sollen einen Tag lang zur Beobachtung zu Hause bleiben, heißt es in einer Handreichung des Schulministeriums, bei Husten und Fieber soll das Kind in jedem Fall zum Arzt; der kläre dann ab, ob ein Corona-Test notwendig ist. Dass ernsthaft erkrankte Schüler zuhause bleiben, ist unstrittig. Nicht klar formuliert hat das Ministerium allerdings, unter welchen Umständen Schüler mit Bagatellerkrankungen wieder in den Unterricht zurückkehren können.

Vor den Kinderarztpraxen stehen deshalb hüstelnde Schüler, begleitet von Eltern, die nach Attesten fragen, um ihre Kinder wieder zur Schule schicken zu können. Von einer „erhöhten Inanspruchnahme durch banale Infekte“ bei Schul- und Kindergartenkindern spricht Hendrik Staender, Sprecher des Kinderärzte-Netzwerks „Päd Regio“, nach einer Umfrage unter Kollegen.

Bescheinigungen würden restriktiv vergeben, sagt Staender. Attestieren lasse sich Coronafreiheit nicht. Lediglich den Arztbesuch als solchen könne man bescheinigen, was im Gegensatz zu einem Attest über den Gesundheitszustand auch kostenfrei sei. Ob eine Bescheinigung überhaupt notwendig ist, wird von den Schulen unterschiedlich ausgelegt. Den meisten reicht nach dem Arztbesuch eine formlose Entschuldigung. Die Frage nach einem Schriftstück aus der Arztpraxis ist eher die Ausnahme.

Corona und Kinder: Lehrer sind sensibilisiert

An der Wilhelm-Busch-Schule beispielsweise brauchen Kinder keine Bescheinigung über den Arztbesuch. Wer hustend in den Unterricht zurückkehre, werde aber gegebenenfalls wieder nach Hause geschickt, sagt Rektorin Viola Wagner. Die Lehrer seien sensibilisiert, der Kontakt mit den Eltern eng. Letztlich zähle der gesunde Menschenverstand.

So hält es auch das Beisenkamp-Gymnasium. Direktorin Andrea Behm-Brachmann mahnt, Augenmaß zu halten und vertraut den Eltern: „Die kennen ihr Kind.“ Eine normale Entschuldigung wie nach jeder Fehlzeit reiche deshalb aus. Auch Friedensschul-Direktor Leon Moka betont die Absprache mit den Eltern, Probleme habe es bisher nicht gegeben. Daniel Tümmers, Rektor der Martin-Luther-Schule, hätte nach der Konsultation eines Arztes schon gerne eine Bescheinigung, hält das aber für bisher unproblematisch.

Corona und Kinder: Lage für Kinderärzte angespannt

Für die Kinderärzte bleibt die Lage angespannt. Weil bereits milde Husten-Symptome laut Ministerium ärztlich abgeklärt werden sollen, dürften die Sprechstunden weiter voll sein. Grundsätzlich müssten Patienten sich telefonisch anmelden, um den Zustrom steuern zu können, erklärt „Päd-Regio“-Sprecher Staender am Beispiel seiner eigenen Praxis. Er trennte infektiöse und nicht-infektiöse Patienten zeitlich und räumlich.

Für Ärger sorge in den Praxen, dass die Politik mittlerweile Corona-Tests bei Erziehern und Lehrern bezahle, so Staender weiter. Für das Personal in Arztpraxen, das täglich mit symptomatischen Patienten konfrontiert sei, lasse eine solche Regelung immer noch auf sich warten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare