Handwerksbetriebe im Lockdown

Corona-Selbsttests im Handwerk: Kreishandwerkerschaft verschickt Pakete auch nach Hamm

Bereit für die Auslieferung: Die Selbsttests gehen an die Handwerkbetriebe der Region.
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Bereit für die Auslieferung: Die Selbsttests gehen an die Handwerkbetriebe der Region.

Schnelltests und Selbsttests sollen der neue große Baustein in der Bekämpfung der Pandemie sein. In Schulen und vielen anderen Einrichtungen kommen die Stäbchen zum Einsatz, immer häufiger auch im heimischen Wohnzimmer. Und im Handwerk? Hier gibt es nun einen Vorstoß. Doch wie kommt der an?

Hamm – Rund 4.000 FFP2-Masken und ebenso viele sogenannte Corona-„Lollitests“ für die Selbsttestung werden derzeit von der Kreishandwerkerschaft an die Handwerksbetriebe der gesamten Region versandt. Dazu gehören die Stadt Hamm sowie die Kreise Soest und Unna.

„Damit unsere Innungsunternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überall nachweisen können, dass sie gesund zum Kunden ins Haus kommen“, erläutert Simone Musial, die für den Versand zuständig ist. Während vielerorts Selbsttests aktuell gar nicht zu bekommen seien, würden so die Mitgliedsbetriebe der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe zeitnah unterstützt. (Kostenlose Corona-Schnelltests gibt es hier in Hamm.)

Die Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe ist die Dachorganisation des Handwerks in den Kreisen Soest und Unna sowie der Stadt Hamm – eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie ist die Geschäftsstelle von 39 Innungen und so Ansprechpartner für alle rund 2400 Innungsmitglieder der Region.

Monteure

„Generell finde ich das gut“, sagt Cristina Wegner von Türen Wegner in Ostwennemar. Aber: Sie und ihre Mitarbeiter brauchen für ihre Arbeit auf den Baustellen keinen Schnelltest. „Wir haben dort eigentlich keinen Kontakt mit anderen Handwerkern oder Kunden“, erklärt sie. Sie schreibe die Kunden vorher an, um zu regeln, dass sie und ihr Team vor Ort kontaktfrei arbeiten können. „Jeder muss sich auch selbst kümmern“, meint die Handwerkerin, die schon vom ersten Tag der Corona-Krise in ihren Ausstellungsräumen auf Desinfektionsmittel setzte – als das noch gar nicht vorgeschrieben war.

„Meine Jungs haben auch Latexhandschuhe im Bulli liegen. Masken gehören immer auch dazu“, so Wegner – schließlich sei sie auf gesunde Mitarbeiter angewiesen. Der Handwerksbetrieb konnte auch zu Lockdownzeiten arbeiten.

Automechaniker

Detlef Frank, der seine Kfz-Werkstatt am Römerberg schon seit über 30 Jahren betreibt, hält die Aktion der Kreishandwerkerschaft für eine nette Geste. Aber: „Mein Kollege und ich haben kaum Kundenkontakt. Und die Fahrzeuge werden abschließend gut gelüftet.“ In seiner Stammkundschaft habe es im Coronajahr nur einen einzigen Infektionsfall gegeben. Und der Kontakt zum Büro finde für die Kunden nur über ein Fenster mit zwei Metern Abstand statt.

Friseurin

„Wir selber würden einen Schnelltest machen, aber nicht bei Kunden durchführen“, sagt Friseurmeisterin Nicole Schaeffer, die ihren Salon in Bockum-Hövel mit großen Hygiene- und Schutzmaßnahmen betreibt. Allerdings ist nach ihrer Meinung jeder Selbsttest nur eine kurze Momentaufnahme.

Es müssten für ständige Testungen dann auch größere Mengen von Testpäckchen zur Verfügung stehen. Kunden zu testen, da sei das Risiko etwas falsch zu machen, zu groß. Wer einen gültigen Test besitzt, kann ihn bei ihr gerne vorlegen. Testungen durch Friseure, wie es derzeit in Österreich ist, würden mit Testzeiten um die 25 Minuten dazu führen, dass pro Tag fünf bis sieben Kunden weniger bedient werden könnten.

Elektriker

„Wenn die Kunden darauf bestehen, dass wir einen Selbsttest machen, würden wir das tun“, sagt Christina Kuhlmann, Chefin von C. Kuhlmann Elektrotechnik in Rhynern. Bei den FFP2-Masken sei das oft schon so. Sie findet die Aktion der Kreishandwerkerschaft gut, ist aber unsicher, wie viele Tests dann letztlich auf einen Betrieb entfallen. Sie hat in ihrem Unternehmen mit 18 Mitarbeitern schon einen Vorrat an Schnelltests, die sie zuletzt auf eigene Rechnung besorgt hat.

Auf vielen Baustellen sei mit Masken und Abstand auch viel Sicherheit, allerdings gebe es im Bereich Ladenbau schon Situationen, wo mehrere Gewerke vor Ort aufeinandertreffen können. „Ich glaube schon, dass das Testen auf Dauer kommen wird“, sagt die Handwerksmeisterin auf WA-Nachfrage. Das sei aber auch eine Frage des Preis-Leistungsverhältnisses. Bisher habe sie in ihrem Betrieb noch keinerlei Schnelltests durchgeführt, eine Premiere soll es in den nächsten Tagen geben, geplant ist eine interne Schulung: „Und da werden wir vorher testen.“

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