Reaktion auf Zulassung von Biontech für Jugendliche

Corona-Schutzimpfung für Jugendliche: Eltern und Kinderarzt skeptisch

Sollten Kinder ab zwölf Jahren schon bald eine Impfung gegen Corona bekommen? Die Ständige Impfkommission spricht sich derzeit dagegen aus und mahnt zur Vorsicht.
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Sollten Kinder ab zwölf Jahren schon bald eine Impfung gegen Corona bekommen? Die Ständige Impfkommission spricht sich derzeit dagegen aus und mahnt zur Vorsicht.

Ist es eine gute Idee, Kinder und Jugendliche gegen das Coronavirus zu impfen? Viele haben gejubelt, als der Impfstoff Biontech für Kinder ab 12 Jahren zugelassen wurde. Doch in Hamm reagieren viele skeptisch.

Hamm – In der vergangenen Woche wurde der Biontech-Impfstoff für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben – die Diskussionen über diesen Schritt verklingen damit aber nicht. Auch in Hamm herrscht Verunsicherung rund um die Immunisierung von Minderjährigen. Skepsis gibt es sowohl bei Müttern als auch bei einem Kinderarzt.

StadtHamm
Einwohner180.793 (Stand: 31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterMarc Herter (SPD)

Coronavirus in Hamm: Jeder Sechste in Hamm vollständig geimpft

Mehr als 31.000 Hammer sind bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft. In der nächsten Woche soll die Impfpriorisierung aufgehoben werden. Dann könnten neben Erwachsenen auch Kinder mit dem Biontech-Impfstoff geimpft werden.

Kathrin Schäfer, Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft, fiebert aktuell ihrer zweiten Impfung entgegen. „Es wäre schön, wenn das viele in Anspruch nehmen“, sagt sie. So ließe sich vielleicht verhindern, dass sich das Virus in Schulen verbreitet – und künftigen Schulschließungen entgegen gewirkt werden.

Impfung einer 14-Jährigen: Impfung könnte Normalität bringen

Schäfers Tochter wird in diesen Tagen 15 Jahre alt und hat bereits angekündigt, dass sie sich impfen lassen möchte. „Wir versprechen uns davon Normalität“, sagt Schäfer. Ihr Eindruck ist, dass viele Kinder von der Pandemie erschöpft sind. „Die sind platt. Die stehen morgens auf und merken: Es ist immer noch Corona. Jetzt hoffen wir, dass es durch die Impfung besser wird“, sagt Schäfer.

Kinderarzt Hendrik Staender sieht die Freigabe des Impfstoffs für Kinder eher kritisch, denn über die möglichen Risiken der Impfung bei Kindern sei noch nicht genug bekannt. „Die Zulassungsstudie wurde mit nur 2000 Kindern gemacht. Das ist nicht viel. Man muss bei Kindern schon damit rechnen, dass sie stärker oder anders auf Impfstoffe reagieren. Deshalb verabreicht man andere Impfstoffe bei Kindern auch in einer geringeren Dosis. Das ist hier bisher nicht geplant“, so der Arzt.

Mutter ist skeptisch: „Mein Sohn wird nicht der Erste sein“

Auch Mutter Simone Rhein steht der Impfung noch etwas skeptisch gegenüber. „Ich werde mich auch impfen lassen, aber es ging ja schon alles sehr schnell.“ Trotzdem soll auch ihr 14-jähriger Sohn die Corona-Impfung bekommen. „Allerdings wird er nicht der Erste sein. Ich möchte gerne abwarten, wie die anderen Jugendlichen den Impfstoff vertragen. Dann wird er geimpft“, sagt sie.

Noch etwas mit der Impfung der Kinder zu warten, ist auch aus Sicht des Kinderarztes eine gute Idee: „Wir sind noch lange nicht mit den Risikogruppen durch, es sollten zuerst alle geimpft werden, die wirklich ein Risiko haben, sich anzustecken und einen schweren Verlauf zu haben. Bei Kindern ist das ja eher niedrig.“

Sollte ein Kind Vorerkrankungen haben, die es zum Risikopatienten machen, werde er natürlich impfen. Ein paar Anfragen hat er auch schon bekommen. „Allerdings wollen viele die Impfung ja eher aus sozialen Gründen. Um in den Urlaub fahren zu können, oder mit gutem Gewissen ins Restaurant zu gehen“, sagt Staender.

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