Digitales Lernen

Weinende Schüler am Telefon: So leiden Familien unter der Corona-Situation

Digitales Lernen in Zeiten von Corona stellt Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen vor hohe Hürden. Viele leiden unter der Situation.

  • Immer wieder müssen in Hamm wegen der Corona-Pandemie Schüler in Quarantäne.
  • Das Lernen auf Distanz läuft besser als beim Lockdown im Frühjahr, aber es gibt immer noch Verbesserungsbedarf.
  • Eltern und Kinder leiden gleichermaßen unter der Situation.

Hamm - Seit Montag befinden sich viele Hammer Schüler wieder im Distanzunterricht. Vor allem die Schüler der Sophie-Scholl-Gesamtschule und die der Josefschule sind betroffen. An der Scholl-Schule sind alle Klassen betroffen, an der Josefschule der dritte und vierte Jahrgang. Die Hoffnung, am kommenden Montag wieder mit Präsenzunterricht zu starten, ist groß.

StadtHamm
Fläche226,3 Quadratkilometer
Bevölkerung179.397

Corona/Schule: Lernen auf Distanz schwierig

„Wir hoffen sehr, dass es am Montag wieder normal weiter geht“, sagt Bärbel Gröpper-Berger, Schulleiterin der Scholl-Schule. In Absprache mit der Stadt und der Bezirksregierung sei die Schule diesen Schritt gegangen, da sich die positiven Tests in der Schülerschaft häuften.

Die Schüler der Josef-Grundschule sind nicht alle im Distanzlernen. Der Grund: „Das Lernen auf Distanz ist an Grundschulen etwas schwieriger“, sagt Susanne Lehwald, Schulleiterin der Josefschule. Mehrere Kinder seien zuvor positiv getestet worden, genau wie zwei Lehrkräfte. Aus diesem Grund mussten viele Schüler und Lehrer in Quarantäne. Ein normaler Präsenzunterricht sei aufgrund des Personalmangels an der Grundschule aktuell nicht möglich. Bei der Freiwilligentestung am Sonntag habe es laut Lehwald bisher nur negative Testergebnisse gegeben. „Deshalb hoffen wir, dass wir nächste Woche wieder in der Schule unterrichten können.“ Die Weihnachtsferien in NRW beginnen schon nach dem 18. Dezember: Darauf hatten sich die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel beim Bund-Länder-Treffen geeinigt.

Schule/Corona: Schüler und Eltern weinen am Telefon

Das digitale Lernen stellt die Beteiligten vor unterschiedliche Hürden: Viele Schüler der Josefschule haben noch kein eigenes Endgerät, deshalb erhalten sie Lernpakete per Post und stehen laut Lehwald im ständigen Kontakt mit Klassenlehrern. Ein virtuelles Klassenzimmer stehe dennoch zur Verfügung.

„Das Lernniveau im Distanzunterricht leidet“, sagt Gröpper-Berger von der Scholl-Schule. Die ständig wechselnden Verordnungen seien für alle Beteiligten eine große Strapaze. Vor allem die Quarantäne und die damit einhergehenden Beschränkungen belastet viele Familien. „Wir haben immer wieder weinende Schüler und Eltern am Telefon. Sie leiden darunter“, sagt Gröpper-Berger. Der ständige Wechsel vom Präsenz- in den Distanzunterricht setzt den Beteiligten zu. Durch den Distanzunterricht soll der Lernstoff weiterhin vermittelt werden. Doch als Dauerlösung sieht das Gröpper-Berger nicht: „Der beste Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzten.“ Der persönliche Kontakt zwischen Schülern untereinander und mit Lehrern sei zu wichtig. Allerdings habe sich der Kontakt im Vergleich zum ersten Distanzlernen verbessert.

Die Klassenzimmer bleiben leer: Alle Schüler der Sophie-Scholl-Schule lernen auf Distanz. Bei der Schulleiterin melden sich immer wieder weinende Schüler und Eltern, die unter der Situation leiden. 

Schule/Corona: Digitales Lernen klappt besser

Das bestätigen auch die Schülersprecher Neele Hansen und Batol Tayeb. Laut Schülerschaft habe sich das digitale Lernen an der Schule verbessert. „Die Schulleitung hat Lehrer angeregt, uns Schülern mehr zu erklären und das tun sie nun auch“, sagt Tayeb. Es gebe mehr Videokonferenzen über die Lernplattform IServ, sodass Schüler und Lehrer im engeren Austausch stehen. Bei technischen Problemen können Schüler zudem Beratungen mit fachkundigen Lehrern in Anspruch nehmen. „Wir wissen dieses Mal besser mit der Situation umzugehen“, sagt Hansen.

Die Scholl-Schule habe laut Gröpper-Berger beim Thema digitales Lernen einen großen Schritt nach vorne gemacht und sei auf einem guten Weg. „Aber es gibt definitiv noch Verbesserungspotenzial“, sagt die Schulleiterin und geht unter anderem auf ausbaufähiges WLAN und fehlende Endgeräte ein.

Schule/Corona: Mehr infizierte Schüler, aber weniger in Quarantäne

Noch immer werden nicht alle Schüler und Lehrer auf digitalem Wege erreicht. Vielen fehlt es an technischer Ausstattung. Die Stadt Hamm wartet immer noch auf einen Liefertermin für die insgesamt 6200 bestellten mobilen Endgeräte aus dem Sofortausstattungsprogramm. Rund 2,7 Millionen Euro kosten die iPads und Notebooks, die aus dem Sofortausstattungsprogramm finanziert werden. Die Endgeräte werden an den Schulen dringend benötigt, betont Schulleiterin Gröpper-Berger: „Wir warten immer noch auf die angekündigten Tablets. Dieses Versprechen kommt bei den Schulen aber nicht an.“

Insgesamt sind (Stand: Mittwoch, 2. Dezember) 60 Schüler und fünf Lehrkräfte an 22 Schulen in Hamm infiziert. Aus der Statistik fallen alle Lehrkräfte, die nicht in Hamm leben. 600 Schüler befinden sich in Quarantäne. Laut Stadtverwaltung gebe es an den meisten Schulen einige wenige Einzelfälle. An vier Schulen gebe es mehr als fünf Infektionen, keine im zweistelligen Bereich. Vor einer Woche waren noch knapp 740 Schüler in Quarantäne, dabei war die Zahl der Infizierten geringer: bei 53 Schülern und sechs Lehrern an insgesamt 23 Schulen.

Schule/Corona: Weihnachtsferien wegen Corona vorverlegt

An diesen Schulen gibt es aktuell Coronafälle: Wilhelm-Busch-Schule, Talschule, Sophie-Scholl-Gesamtschule, St.-Franziskus-Berufskolleg, Schillerschule, Realschule Heessen, Overbergschule, Märkisches Gymnasium, Konrad-Adenauer-Realschule, Karlschule, Kettelerschule, Josefschule, Johannesschule, Hermann-Gmeiner-Schule, Galilei Gymnasium, Friedrich-List-Berufskolleg, Friedensschule, Stein-Gymnasium, Erich-Kästner-Schule, Elisabeth-Lüders-Berufskolleg, Carl-Orff-Schule, Arnold-Freymuth-Schule.

Um die Corona-Gefahren in den Schulen zu reduzieren, will die Stadt Hamm 48 Klassenräume mit mobilen Lüftungsgeräten und vier weitere mit Ventilatoren ausstatten.

Rubriklistenbild: © Rother

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare