Zwei Studenten sorgen für Aufmerksamkeit

Corona-Spuck-Schnelltests: Von Hamm aus für ganz Deutschland

Corona-Schnelltests für jedermann, diese Idee hat nicht nur Jens Spahn. Zwei Jungunternehmer aus Hamm wollen die Tests an die Leute bringen. Das ist der Plan.

Hamm - Tübingen hat es vorgemacht. Testen, testen, testen, auch wenn kein Corona-Verdacht besteht. So werden Infizierte früher entdeckt. Damit das einfacher und schneller geht, plant das Bundesgesundheitsministerium, Corona-Tests für den Hausgebrauch freizugeben. Zwei Jungunternehmer aus Hamm wollen noch schneller sein. (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,3 km²
Einwohner179.916 (31. Dez. 2019)

Corona-Spuck-Schnelltests in Hamm: Große Mengen als Ziel

Friedrich Valentin Kley und Fernando Di Matteo haben den Test schon. Den dürfen sie, wie sie meinen, auch schon vor der geplanten Änderung der Abgabeverordnung an Privatleute verkaufen. Die beiden 20-Jährigen haben in Norddinker einen Online-Handel eingerichtet. Mit einer Auslieferung der ersten Spuck-Tests rechnen sie im Lauf dieser Woche.

Spuck? Der Fachbegriff heißt Sputum: Auswurf. Der normale Speichel reicht nicht. Die Testperson muss das schleimige Sekret aus der Tiefe hervorholen. Unappetitlich, aber es muss sein. Und so geht es weiter: Spucke in ein Pappbecherchen, mit einer Pipette ansaugen, ab ins Prüfröhrchen, Prüfstift herausnehmen, drei Tropfen auf die von üblichen Schnelltests bekannte Test-Kassette geben und nach wenigen Minuten zeichnet sich das Testergebnis ab – 15 Minuten Warten ist vorgegeben. Ganz einfach, wenn der Anwender die Anleitung befolgt.

Es bedarf nicht immer eines großen Plans, wie beim Tübinger Modell, um den Bedarf an Schnelltests zu erkennen. Die Erfahrung hat Kley vor Weihnachten gemacht. Er studiert in Wien „Business and Economics“. Als er nach Hause nach Norddinker fuhr, begleitete ihn das „schlechte Gewissen“, wie er sagt. „Wir haben in der Familie einen Risikopatienten.“

Hoffnung aus Norddinker: Friedrich Valentin Kley (rechts) und Fernando Di Matteo vertreiben den ersten Corona-Spuck-Schnelltest.

Corona-Spuck-Schnelltests in Hamm: Große Mengen als Ziel

Er überlegte, wie das Ansteckungsrisiko minimiert werden könnte. Testzentren waren ihm zu teuer. Und überhaupt, so einen Test brauche er ohnehin öfter. Wie wäre es, Schnelltests in großen Mengen zu ordern?

Das ist nicht so einfach. Laut Abgabeverordnung für Medizinprodukte darf zwar grundsätzlich jeder die Tests anwenden, allerdings muss man geschult sein. Seit Dezember dürfen sie auch in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen und Kitas eingesetzt werden. Das heißt, der Selbsttest für Hause ist nicht erlaubt. Auf „offiziellem Wege“ ist nicht dranzukommen. Apotheken verkaufen nur an Ärzte und Krankenhäuser oder bieten selbst Tests an. Das Bundesgesundheitsministerium plant aber die Aufhebung der Abgabebeschränkung.

Die Kriterien dafür sind den beiden Hammern bekannt. So scheiden Tests mittels Abstrichen, die von geschultem Personal genommen werden, aus. Die Handhabung muss leichter sein. Über Umwege, Recherchen und Beziehungen seien sie auf die Spuck-Schnelltests eines chinesischen Herstellers gekommen. Der bietet schon Abstrich-Schnelltests in Deutschland an. Chinesisch sprechen sie nicht, „die aber zum Glück Englisch“, sagt Kley.

Kleiner Test, große Wirkung? Dieser Spuck-Test könnte von Hamm aus wichtig werden.

Corona-Spuck-Schnelltests in Hamm: für Hausgebrauch geeignet

Was die Produkte aus China so anders macht: Die vergleichsweise neuen Spuck-Schnelltests der Firma Joinstar seien so gekennzeichnet, dass sie gemäß EU-Vorgaben auch für den Hausgebrauch geeignet seien. In Deutschland sei ihnen aber derzeit nur eine Region bekannt, in der an Privatpersonen Schnelltests verkauft werden dürften. „Wir sind die Ersten die sie deutschlandweit zugänglich machen“, meint Kley. Online sei es möglich.

In ihrer gemeinsamen Zeit am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Werries haben die beiden Jungunternehmer aus Hamm als Dienstleister erste Erfahrungen im Onlinemarketing gesammelt. Di Matteo arbeitete bis Dezember noch in Münster in dem Bereich, bevor er den Onlineshop www.parahealth.de (HIER KLICKEN) aufbaute.

Die Kritik an den Spuck-Schnelltests ist den beiden bekannt. Unter anderem geht es um die richtige Anwendung. Dafür trägt der Anwender die Verantwortung. Die Genauigkeit der Ergebnisse ist nur relativ. „Der Schnelltest ist kein Ersatz für einen PCR-Test“, sagt Kley. Wenn es aber um die Infektiosität gehe, sei der Schnelltest perfekt, meint Di Matteo. „Wer eine unausweichliche Begegnung hat und möchte auf Nummer sicher gehen, hat nicht lange Zeit, um auf ein Ergebnis zu warten.“ So geht das Bundesgesundheitsministerium davon aus, dass die Schnelltests zur Eigenanwendung durch Laien eine entscheidende Rolle bei der Eindämmung der Pandemie spielen können.

In Hamm gibt es inzwischen drei Schnelltestzentren. Das jüngste ging am Montagfrüh an den Start. Fast 40 Personen wollten sich am Montag dort testen lassen.

Rubriklistenbild: © Bruse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare