Frage nach der Fehlerquote

Schnelltests bei „Aktivita“ in Hamm: Wie zuverlässig sind sie eigentlich?

Im „Aktivita“ an der Hafenstraße in Hamm wird ein Schnelltest auf das Coronavirus durchgeführt.
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Im „Aktivita“ an der Hafenstraße in Hamm wird ein Schnelltest auf das Coronavirus durchgeführt.

Kurz vor Silvester werden im Aktivita in Hamm noch einmal eine Menge Schnelltests gemacht. Doch wie sicher ist das Ergebnis eigentlich?

Hamm - Wie sicher sind eigentlich Corona-Schnelltests, wie sie in Hamm an der Hafenstraße angeboten und jetzt vor Silvester wieder vielfach genutzt werden? Immer wieder werden Zweifel an der Zuverlässigkeit laut. Das Stichwort lautet „Fehlerquote“. (News zum Coronavirus in Hamm)

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,3 km²
Einwohner179.916 (31. Dez. 2019)

Schnelltests bei „Aktivita“ in Hamm: Überwiegend negative Test-Ergebnisse

Die Möglichkeit, sich mit einem Schnelltest weitgehende Sicherheit über (k)eine Infektion mit dem Coronavirus am Fitnessstudio Aktivita an der Hafenstraße zu holen, haben nach Auskunft von Thomas Johannpeter seit dessen Start am 10. Dezember rund 1000 Bürger genutzt. In den deutlich überwiegenden Fällen wurden die Bürger negativ getestet. Bei „positiven“ Ergebnissen wird umgehend eine Quarantäne verhängt und das Gesundheitsamt informiert. Das schickt dann das Corona-Testmobil, um den deutlich zuverlässigeren sogenannten PCR-Test zu machen.

Dabei kann es sein, dass ein anderes Ergebnis festgestellt wird als am Aktivita. Wie hoch die Fehlerquote genau ist, darüber gibt es nach Auskunft von Stadtsprecher Detlef Burrichter keine Zahlen. Wenn das Ergebnis des Schnelltests positiv gewesen ist, falle auch das Ergebnis des PCR-Tests in der überwiegenden Zahl der Fälle positiv aus. „Selten und vereinzelt“ komme es anders.

Corona-Schnelltests in Hamm: WA-Leserin erst positiv, dann negativ

Genau das ist aber einer WA-Leserin, die ungenannt bleiben will, passiert: Sie hatte sich testen lassen, um sicherzugehen, dass sie ihre Mutter bei einem Weihnachtsbesuch nicht anstecken kann. Dass es anders kam, nimmt sie mittlerweile gelassen: Beim Schnelltest war sie „positiv“, tags drauf am Corona-Mobil dann „negativ“. Was sie ein wenig ärgert ist, dass die Quarantäne trotzdem erst nach Weihnachten vom Gesundheitsamt aufgehoben wurde. „Aber vermutlich haben die über die Feiertage nicht gearbeitet“, sagt sie.

Laut Stadtsprecher Burrichter haben die Schnelltests zwar eine hohe Verlässlichkeit, sie seien aber letztlich kein Ersatz für den viel genaueren PCR-Test. Dessen Nachteil: Es dauert rund 24 Stunden, bis ein Befund vorliegt; bei dem 40 Euro teuren, vom Kunden selbst zu bezahlenden Schnelltest dauert es nicht mehr als eine halbe Stunde.

Corona-Schnelltests in Hamm: keine 100-prozentige Sicherheit

Der umgekehrte Fall – dass also der Schnelltest ein negatives Ergebnis anzeigt, obwohl eine Infektion vorliegt - ist ebenfalls nicht 100-prozentig auszuschließen, wie Thomas Johannpeter einräumt: „Das kann vorkommen.“ Und das, obwohl am Aktivita nicht der Billig-Schnelltest aus China verwendet werde, sondern der einzige in Europa hergestellte Test – der natürlich beim Robert-Koch-Institut (RKI) gelistet ist. „Das ist schon ein Premium-Produkt“, ist Johannpeter überzeugt.

Dass es keine 100-prozentige Sicherheit beim Schnelltest gibt, liegt laut Johannpeter daran, dass der Abstrich eine Momentaufnahme sei: Das Immunsystem eines Körpers sei ständig aktiv, darum könnten die Ergebnisse unterschiedlich ausfallen, wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten gemacht wurden. Sein Beispiel: Lautet das Ergebnis im Schnelltestzentrum „positiv“, wird am Corona-Mobil am nächsten Tag ein neuer Abstrich entnommen und ins Labor gesandt. Möglicherweise habe die Person aber zu dem Zeitpunkt dann bereits eine Infektion überwunden, von der sie keine Symptome bemerkt hatte, und der PCR-Test fällt „negativ“ aus. Eher selten ist der umgekehrte Fall, in dem ein „negatives“ Ergebnis verifziert werden soll. Will man erfahren, ob man bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden hat, ist die Untersuchung einer Blutprobe auf Antikörper erforderlich.

Corona-Schnelltests in Hamm: „Diagnostische Unschärfe“ unvermeidlich

Dass es falsche Testergebnisse gibt, ist nach Auskunft von Dr. Matthias Bohle, dem Vorsitzenden des Hammer Ärztevereins, „nicht schön, aber nicht auszuschließen“. Es gebe immer eine „diagnostische Unschärfe“, die man bei Labortests in Kauf nehmen müsse. Bohle als Facharzt für Diabetologie vergleicht das mit dem Test per Blutzuckermessgerät: Wenn dem Patienten ein Wert von 100 angezeigt wird, könne die selbe Blutprobe bei der Untersuchung durch einen Messtechniker „um plus oder minus 15 Prozent“ schwanken. „Wir nennen das Ergebnis ,100 zittrig‘“, so Bohle. Dass die Quarantäne im Falle der WA-Leserin erst mit Verspätung aufgehoben worden ist, ist für Bohle unverständlich. Aber das falle in den Ermessensspielraum der Gesundheitsämter.

PCR und Schnelltest

PCR-Test: „Polymerase Chain Reaction“ (Polymerase-Kettenreaktion): Der Test wird zur Auswertung in ein Labor geschickt. Dort soll das Erbgut des Coronavirus nachgewiesen werden; das geschieht in mehreren Schritten. Das Ergebnis liegt frühestens nach 24 Stunden vor.

POC-Test: Der „Point-of-Care“-Test wird landläufig „Schnelltest“ genannt. Dabei handelt es sich um einen Antigen-Test, bei dem die Auswertung direkt vor Ort vorgenommen wird. Innerhalb von 20 bis 30 Minuten soll das Protein (Eiweiß) des Coronavirus nachgewiesen werden.

Seitens der Stadt und der Mediziner werden die meist privat betriebenen Schnelltestzentren positiv bewertet. Denn dort werden immer wieder Infektionen mit dem Coronavirus festgestellt, die sonst unentdeckt geblieben wären.

Öffnungszeiten Schnelltestzentrum

Montags bis samstags 9-18 Uhr - außer:

Silvester von 9 bis 14 Uhr, Neujahr geschlossen, 2. Januar (Samstag) 9-18 Uhr.

Anmeldungen möglich unter Telefonnummer 02381/305-7214.

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