Corona-Mutation und die Folgen

Quarantäne-Häuser in Hamm: „Situation schwer zu ertragen“

Sicherheitskräfte stehen vor einem der betroffenen Gebäude, dessen Zaun blickdicht gemacht wurde.
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Die Ruhe nach dem Sturm: Sicherheitskräfte stehen vor einem der betroffenen Gebäude, dessen Zaun blickdicht gemacht wurde.

Wenige Tage nach dem Corona-Großeinsatz in Hamm ist es ruhig geworden rund um die einzelnen Objekte, in denen Menschen ihre Quarantäne-Zeit verbringen.

Hamm – Ein einzelnes Kamerateam ist am Mittwochmittag im Hammer Westen unterwegs und dreht vor einem der Objekte einen Beitrag. Zu sehen gibt es... - nichts. Keine Bewohner im Innenhof wie tags zuvor, als die Situation unübersichtlich wurde und schließlich Nach-Testungen erfolgten. Bei einem der Bewohner war am Montag die britische Corona-Variante B1.1.7 diagnostiziert worden. (News zum Coronavirus in Hamm)

Coronavirus-MutationVariante B1.1.7
ZeitpunktSeit September 2020 in Großbritannien
Besonderheitenleichter von Mensch zu Mensch übertragbar, höhere Reproduktionszahl
SterblichkeitLaut RKI gibt es erste Hinweise, dass die Mutation mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte

Keine besonderen Vorkommnisse, sagen Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes, der 24 Stunden vor Ort ist – weder an diesem Objekt noch im Hammer Norden, wo sich ein weiteres Wohnhaus mit Quarantäne-Fällen befindet. Es seien Lebensmittel von Bekannten vor der Tür abgestellt worden, sagt ein Security-Mann, und kurze Gespräche aus dem Fenster heraus geführt worden. Der Sicherheitsdienst achtet darauf, dass sich niemand zu lange direkt vor den Objekten aufhält.

Corona-Mutation in Hamm: „Es kann jeden treffen“

„Die Situation muss schwer zu ertragen sein“, sagt ein Mitarbeiter. Am Dienstag seien Kamerateams bis direkt vor das Wohnhaus vorgerückt. Das habe man schließlich unterbunden. „Es kann jeden von uns treffen“, sagt der Mann. „Wir versuchen das hier auf eine menschliche Art zu regeln.“ Ausdrücklich lobt er die Dolmetscherinnen, die am Dienstag versucht hätten, den Menschen die Situation zu erklären. „Ich hatte das Gefühl, sie sind von den Bewohnern akzeptiert worden.“

Wichtige Rolle der „Schlüsselfiguren“

Ursprünglich waren sie beim KSD (Katholischer Sozialdienst) angestellt worden, um die Integration bulgarischer Zuwanderer zu begleiten. Jetzt, während der Quarantäne bulgarischer Familien, kommen den sogenannten „Schlüsselfiguren“ weitere wichtige Aufgaben zu. „Schlüsselfiguren“ sind sechs bulgarischsprachige Frauen, die in einem entsprechenden Projekt für die Betreuung zugewanderter Menschen als Multiplikatorinnen ausgebildet worden sind – schon vor Corona. Nun sind sie Ansprechpartnerinnen für die Menschen, die sich in Quarantäne befinden. Ihnen ist die Betreuung der einzelnen Häuser übertragen worden. Unterstützt werden sie durch Kräfte aus weiteren Migrantenprojekten.

Familien in Quarantäne können sich mit ihren Fragen in der Muttersprache telefonisch an die „Schlüsselfiguren“ wenden. Es gibt feste Zuständigkeiten. Die Mitarbeiterinnen helfen direkt weiter oder stellen Kontakte her.

Corona-Mutation in Hamm: Bewohner haben Fragen

Aus einem Dachfenster heraus unterhält sich im Hammer Westen ein Familienvater (34) mit Freunden. Die Familie gehört zu dem Personenkreis, der seit Montag in Quarantäne ist: Mann, Frau und zwei Kinder (15 und 9 Jahre). Gut erklärt worden sei ihnen die Situation nicht, sagt die 15-jährige Tochter. Es gebe Fragen, zum Beispiel: „Müssen wir hier bleiben, wenn der Test negativ ist?“ Sie habe eine Telefonnummer vom Gesundheitsamt und wolle dort für die Familie anrufen. Ob sie Angst haben, selbst infiziert zu sein? Vater und Tochter schauen sich kurz an und sagen übereinstimmend: „Nein.“

Versorgt werden sie von Bekannten, die ihnen Lebensmittel vor die Tür stellen. An mangelnde Versorgung scheint zumindest die Tochter weniger zu denken. „Es ist so langweilig hier den ganzen Tag“, sagt sie. Ironie der Situation: Weil die Eltern im Moment keine Arbeit haben, fällt zumindest die Sorge um einen Jobverlust weg.

Der Virus-Mutant B.1.1.7 ist also in Deutschland angelangt. Was das in Hinblick auf die Ansteckungsgefahr bedeutet und welche Symptome typisch sind, erfahren Sie hier

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