Britische Covid-19-Variante

Großeinsatz gegen Corona-Mutation in Hamm: Ist durch Massen-Quarantäne jetzt die Verbreitung gestoppt?

Der erste Fall der britischen Mutation des Coronavirus ist in Hamm nachgewiesen. Vier Häuser wurden im Polizei-Großeinsatz abgeriegelt.

Update vom 16. Februar, 15.01 Uhr: Nach dem ersten Fall der britischen Corona-Mutation hat der Oberbürgermeister von Hamm eine erste vorsichtig positive Bilanz gezogen. Durch den Großeinsatz von Polizei und Gesundheitsamt hoffe man, dass man „die Verbreitungswege abgeschnitten“ habe, sagte OB Marc Herter. Alle weiteren Informationen lesen Sie in unserem Ticker zur Pressekonferenz über den Großeinsatz gegen die Corona-Mutation.

Coronavirus-MutationVariante B1.1.7
ZeitpunktSeit September 2020 in Großbritannien
Besonderheitenleichter von Mensch zu Mensch übertragbar, höhere Reproduktionszahl
SterblichkeitLaut RKI gibt es erste Hinweise, dass die Mutation mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte

„Die Wohnverhältnisse sind unübersichtlich, deshalb konnte nicht sichergestellt werden, dass es nicht zu Ansteckungen kam. Dazu fahren die Arbeiter gemeinsam in einem Bulli zur Arbeit, was ein weiterer Ansteckungspunkt sein kann“, hieß es in der PK.

Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz für Polizei und Stadt

[Erstmeldung] Hamm – Die Frage, wann der hochansteckende britische Stamm des Coronavirus auch in Hamm nachgewiesen sein würde, ist beantwortet. Bei einem in Herringen lebenden Bulgaren wurde am Montag die tückische Variante B1.1.7 entdeckt. Personen aus zwei Haushalten in Hamm sind mit der Corona-Mutation infiziert, berichtet die Stadt Hamm am Dienstagmittag.

Britische Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz für Quarantäne von vier Häusern

Die Nachricht traf am Montagmittag im Gesundheitsamt der Stadt Hamm ein und war Auslöser für einen bemerkenswerten Großeinsatz, an dem diverse Behördenvertreter und eine Einsatzhundertschaft der Polizei beteiligt waren. Bis in die späten Abendstunden hinein wurden potenzielle Kontaktpersonen des Mannes getestet. Vier Wohnhäuser wurden aufgesucht – laut Melderegister lebten dort insgesamt 145 Personen. Sie alle wurden sofort unter Quarantäne gestellt. Ob sich das Virus unter ihnen bereits verbreitet hat, wird vermutlich erst in einer Woche feststehen. (News zum Coronavirus in Hamm)

Die mit großem Hochdruck organisierte und streng geheim gehaltene Aktion begann gegen 20 Uhr. Gleichzeitig fuhren vier Corona-Mobile – begleitet unter anderem von Polizei- und Rettungskräften – zu den Zieladressen in Herringen, dem Hammer Westen und dem Hammer Norden. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden. Die Ein- und Ausgänge der Objekte wurden von Polizisten überwacht. Unbedingt sollte verhindert werden, dass sich potenzielle Testkandidaten dort womöglich aus dem Staub machen würden.

Bei der Überwachung der Quarantäne von Personen, die in Hamm bei einem Großeinsatz auf die britische Virusmutation B.1.1.7. getestet wurden, gab es eine Panne. Das führte zu einer Nachtestung am Dienstag.

Britische Mutation des Coronavirus in Hamm: Aktion im Interesse aller

„Die britische Mutante des Coronavirus ist hochansteckend. Um die Ausbreitung zu verhindern, waren diese Maßnahmen das Gebot der Stunde“, sagte Oberbürgermeister Marc Herter, nachdem er sich selbst vor Ort einen Eindruck von dem Einsatzgeschehen gemacht hatte. „Das ist im Interesse aller Bürgerinnen und Bürger geschehen, ebenso aber auch im Interesse der Betroffenen selbst.“

Der aus Bulgarien stammende Virusträger hatte offenbar in der Vorwoche Symptome gehabt und sich selbstständig in ärztliche Behandlung begeben. Der positiv Getestete arbeitet als Bauarbeiter für eine Trockenbaufirma aus dem Münsterland. Er ist dort in Montage tätig und hat offenbar zahlreiche Kollegen in der Stadt.

Die Verwaltung ging am Montag jedenfalls davon aus, dass er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit Kontakte zu Kollegen hatte, die in den anderen Hammer Immobilien wohnen. Der Arbeitsschutz der Bezirksregierung Arnsberg begleitete ebenfalls die Testungen. Die betroffenen Arbeitsstätten würden unterrichtet, sobald Erkenntnisse dazu vorlägen, hieß es am Abend. Über den Großeinsatz in Hamm berichtet auch Ruhr24.de.

Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: 145 Menschen sind von dem Quarantäne-Großeinsatz betroffen.

Britische Mutation des Coronavirus in Hamm: Zechen- und Mehrfamilienhäuser

Bei den vier aufgesuchten Objekten handelte es sich um Zechen- und Mehrfamilienhäuser. 20 bis 40 Personen seien dort gemeldet – auch Kinder, wurde seitens der Stadt mitgeteilt. Der komplexe Einsatz wurde mehrfach nach hinten verschoben.

Die Bedenken, dass sich einzelne Testkandidaten der Überprüfung entziehen wollten, bestätigten sich zumindest bis Redaktionsschluss nicht. „Es läuft alles sehr ruhig und unspektakulär ab“, hieß es von vor Ort. Sperrungen seien an den Objekten nicht vorgenommen worden, Busse und Passanten hatte keine Probleme, die Bereiche zu passieren. Gleichwohl ging man auch in der Nacht auf Nummer sicher: Die Polizei sicherte die Objekte, um auszuschließen, dass sich Bewohner der Quarantäne-Anordnung widersetzen wollten. Am heutigen Dienstag soll entschieden werden, ob und wie die Häuser – womöglich von einem Sicherheitsdienst – weiter überwacht werden.

Britische Corona-Mutation in Hamm: Großeinsatz am Montagabend

Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm: Großeinsatz am Montagabend

Britische Mutation des Coronavirus in Hamm: PCR-Test

Bei allen angetroffenen Personen wurde ein PCR-Test vorgenommen. Jeder Test wird nun auch auf die britische Variante untersucht werden. Dieses Verfahren ist komplizierter und dauert bis zu einer Woche.

Das eingesetzte Gesundheitspersonal ging am Montagabend in jeden einzelnen Haushalt. Nach jedem einzelnen Test wurde die Schutzkleidung gewechselt. So sollte ein Weitertragen des Virus verhindert werden.

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Rubriklistenbild: © Bernd Thissen

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