Kampf gegen britische Virusvariante

Gefährliche Mutante in Hamm: Nach Großeinsatz 80 Menschen isoliert

Dramatischer Einsatz in Hamm: Kräfte der Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamts am Montagabend.
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Dramatischer Einsatz in Hamm: Kräfte der Polizei und Mitarbeiter des Ordnungsamts am Montagabend.

In Hamm wurde erstmals die hochansteckende britische Mutation des Coronavirus nachgewiesen. Mit einem Großeinsatz versuchte die Stadt am Montagabend einen ersten starken Schritt gegen die mögliche Ausbreitung. Ob er wirksam war?

Hamm - Bei einem im Stadtteil Herringen lebenden Mann wurde am Montag die tückische Variante B1.1.7 entdeckt. Mit einem Großeinsatz an mehreren Orten der Stadt rückte die Stadt Hamm am Montagabend in die Wohnungen potenzieller weiterer Virusträger und -überträger vor: Vier Wohnhäuser wurden aufgesucht, rund 80 Personen unter Quarantäne gestellt. (News zum Coronavirus in Hamm)

Nach Angaben der Stadt befindet sich der mit B1.1.7 infizierte bulgarische Montage-Arbeiter mit seiner Ehefrau und einer weiteren Familie seitdem in häuslicher Isolation. Die Mehrfamilienhäuser an vier verschiedenen Standorten der Stadt wurden vorerst abgeriegelt. Vier mobile Testteams sind unterwegs, um möglichst bei allen infrage kommenden Bewohnern und Kontaktpersonen PCR-Testungen vorzunehmen, die dann wiederum auf die britische Variante untersucht werden sollen.

Stadtsprecher Detlef Burrichter berichtete, am Montag seien bis zur Nacht bereits 79 PCR-Tests durchgeführt worden. Mit einem besonderen Analyse-Verfahren (Sequenzierung) werde nun untersucht, ob weitere Fälle der englischen Virus-Variante nachgewiesen werden können.

Coronavirus-MutationVariante B1.1.7
ZeitpunktSeit September 2020 in Großbritannien
Besonderheitenleichter von Mensch zu Mensch übertragbar, höhere Reproduktionszahl
SterblichkeitLaut RKI gibt es erste Hinweise, dass die Mutation mit einer erhöhten Fallsterblichkeit einhergehen könnte

Der bereits an Covid-19 erkrankte Montage-Arbeiter und dessen Ehefrau sowie eine weitere ebenfalls erkrankte Familie im selben Wohnhaus seien in unterschiedlichen Wohnungen isoliert worden, ergänzte Burrichter. Zunächst hieß es, bis zu 140 Menschen der bulgarischen Community könnten derzeit in den vier betreffenden Wohnhäusern leben. Es seien aber nur 80 Personen angetroffen worden. Bei den übrigen dort Gemeldeten geht die Stadt davon aus, dass sie sich derzeit im Ausland aufhalten.

Britische Corona-Mutation in Hamm: Großeinsatz am Montagabend

Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm nachgewiesen: Großeinsatz am Montagabend
Britische Corona-Mutation in Hamm: Großeinsatz am Montagabend

Oberbürgermeister Marc Herter zog am Dienstagmittag im Rathaus der Stadt eine erste vorsichtig positive Bilanz der Vorgänge. Man müsse zwar davon ausgehen, dass es zu weiteren Ansteckungen gekommen sei, doch hoffe man zugleich, dass dem Virus mit der Aktion „die Verbreitungswege abgeschnitten“ wurden, sagte der OB.

Bei der Überwachung der Quarantäne von Personen, die in Hamm bei einem Großeinsatz auf die britische Virusmutation B.1.1.7. getestet wurden, gab es eine Panne. Das führte zu einer Nachtestung am Dienstag.

Eindrücke aus der Pressekonferenz zum Nachlesen:

13.10 Uhr: Der weiter unten genannte 2-Personen-Haushalt ist der des Infizierten Bulgaren, bei dem die Mutante festgestellt wurde.

13.08 Uhr: Nachtrag: „140 Personen, weil davon ausgegangen wurde, dass zwei Aufgänge betroffen waren, dem war aber nicht so. Es wurden 80 Menschen angetroffen, bei anderen gehen wir davon aus, dass sie sich im Ausland aufhalten.“

12.54 Uhr: Herter: „Rechtliche Möglichkeiten Sicherheitskräfte: Sie können verhindern, dass ein Bewohner die Liegenschaft verlässt, eigentlich ist es aber nur ein Hinweisen, da der Quarantäne-Bescheid schon die rechtliche Grundlage darstellt. Aktuell erleben wir die Bewohner aber als sehr kooperativ.“

12.52 Uhr: Herter: „Es sind mehrere Arbeitgeber im Münsterland betroffen, eine genaue Kontaktverfolgung läuft noch.“

12.50 Uhr: Herter: „Lebensmittel werden kontaktlos vor die Tür gestellt. Jeder einzelne wird mit Unterstützung von Dolmetschern angerufen und über die Versorgungssituation befragt. Bei wem sie nicht sichergestellt werden kann, hilft die Stadt.“

12.48 Uhr: Herter: „Die Wohnverhältnisse sind unübersichtlich, deshalb konnte nicht sichergestellt werden, dass es nicht zu Ansteckungen kam. Dazu fahren die Arbeiter gemeinsam in einem Bulli zur Arbeit, was ein weiterer Ansteckungspunkt sein kann.“

OB Herter gibt Auskunft zum Großeinsatz am Montagabend. Neben dem WA und der Lippewelle waren einige überregionale Medien anwesend.

12.45 Uhr: Herter: „Wir stellen über die Corona-Teams die Versorgung und Überwachung sicher. Es wird sichergestellt, dass zu jedem Zeitpunkt klar ist, wie der Stand ist und dass die Versorgung sichergestellt ist.“

12.41 Uhr: Herter: „Die Bewohner haben sich äußerst kooperativ gezeigt. Anders hätten wir es nicht schaffen können, den Einsatz um 0.30 Uhr zu beenden.“

12.40 Uhr: Herter: „Wir haben keine Anzeichen, dass Schulen oder Kitas betroffen sein könnten, denn alle Kinder, die dort wohnen, waren in den vergangenen Wochen nicht in Schule oder Kita.“

12.39 Uhr: Fazit von Herter: „Die Maßnahme könnte erfolgreich durchgeführt werden. Wir hoffen, dass wir dem Virus darüber die Verbreitungswege abgeschnitten haben“

12.38 Uhr: „Die Bewohner der 4 Gebäude sind noch in der Nacht unter Quarantäne gestellt worden. Die Polizei wird jetzt abgelöst von einem Wachdienst.“

12.36 Uhr. Herter: „Wir haben zwei infizierte Haushalte: ein 2-Personen und ein 4-Personen Haushalt. Die sind gestern Abend direkt noch umgezogen. 80 Menschen sind getestet worden, die Proben sind jetzt in den Laboren. (...) Dabei ist noch nicht klar, ob es sich um den britischen Stamm handelt.“

12.33 Uhr: Herter: „Aufgrund der besonderen Arbeits- und der unübersichtlichen Lebens-, Wohn- und Meldeverhältnisse der Community erschien es uns angezeigt, dass wir die Liegenschaften im Ganzen testen müssen, wenn wir ein klares Bild haben wollen. Ansteckungen sind wahrscheinlich. Wir haben eine Reihentestung aller dort lebenden Personen durchgeführt.“

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