Mit Beteiligung aus Hamm

Saubere Luft: Revolutionärer Corona-Luftreiniger könnte schon bald auf dem Markt sein

Für saubere Luft: Mit Beteiligung aus Hamm entsteht derzeit ein revolutionärer Corona-Virenkiller namens IAF 3. Die „Sensation“, wie Mitentwickler Dirk Bruse das Gerät nennt, könnte bald Marktreife erlangen.

Hamm/Rietberg – Nichts ist in diesen Tagen so kostbar wie Luft – saubere Luft. Wohl dem also, der ein Gerät entwickelt, das jede Art von Virus eliminieren kann. Mit Beteiligung aus Hamm will genau dies der „Dornier New Technologies GmbH“ mit Sitz in Rietberg (Ostwestfalen) gelungen sein. Deren Mitinvestor Dirk Bruse spricht von einer Sensation – und die ist es wohl auch. Sorgenfreies Atmen in Flugzeugen, U-Bahnen, Autos oder Klassenzimmern: Der neue, Corona-bedingte Menschheitstraum könnte schon sehr bald in Erfüllung gehen. (News zum Coronavirus)

StadtHamm
Fläche226,43 km²
Einwohner179.916 (Stand: 31. Dez. 2019)

Saubere Luft: Revolutionärer Corona-Virenkiller könnte bald für sorgenfreies Atmen sorgen

IAF 3“ heißt der Protoyp der Wundermaschine, die in der Versuchszentrale in Rietberg steht. Das Gerät ist nicht einmal doppelt so groß wie ein Schuhkarton und mit zwei grünen Leisten auf der Oberseite versehen. Zwei von diesen schlichten Filter-Kisten sollen genügen, um einen Airbus A 320 mit 150 Passagieren virensicher zu machen.

Vor drei Wochen wurde die vorerst letzte wissenschaftliche Hürde des Projekts genommen. Begleitet vom virologischen Institut der Universität Bonn wurden 380 Millionen Corona-Viren durch den „IAF 3“ gejagt. Am Ende – und das ist die „Sensation“, von der Dirk Bruse spricht – überlebte nicht eine einzige das Experiment. Im zertifizierten Prüfbericht vom 19. Mai wird dokumentiert, dass die Filterleistung bei Viren nach einem einmaligen Durchlauf des Systems bei 99,9999999974 Prozent liegt.

Das Gerät (zu erkennen an den beiden grünen Leisten) an der Teststation.

Luftfilter gegen Corona mit Beteiligung aus Hamm: Sechs Patente und Millioneninvestitionen

So genannte Hepa-Filter werden auch heute schon in sensiblen Umgebungen wie zum Beispiel in Flugzeugen zur Luftreinigung eingesetzt. „Aber das Problem ist, dass Partikel, die kleiner als 0,3 Mikrometer sind, von ihnen nicht erfasst werden können“, sagt Bruse. Beispielsweise Coronaviren fielen bisweilen unter diese kritische Grenze.

Mit einem Wirkungsgrad von 99,4 Prozent werde heute mit den herkömmlichen Filter-Anlagen schon ein Großteil der (Corona)-Viren ausgemerzt. In absoluten Zahlen ausgedrückt, sehe das aber anders aus. Ein an Covid erkrankter Mensch verbreite 100.000 Viren pro Minute. Das habe zur Folge, dass von diesem Patienten in einem Flugzeug 600 Viren pro Minute nicht vom Lüftungssystem eliminiert werden. 600 Viren pro Minute reichten aber problemlos aus, um zwei, drei Menschen im Umfeld des Infizierten krank zu machen, so Bruse.

Das Revolutionäre an der neuen Technik ist, dass es gelungen ist, durch ein Ionisierungsverfahren elektrische Spannungen aufzubauen und kleinste Partikel wie Viren miteinander zu verklumpen. Die Oberfläche vervielfacht sich, so dass auch kleinste Teilchen von einem nachgeschalteten Filter aufgefangen werden. Auch das Bonner Uni-Team sei begeistert gewesen. Hätte es diese Technologie schon vor eineinhalb Jahren gegeben, wäre die Corona-Pandemie lediglich eine Epidemie geworden, sei den Entwicklern gesagt worden.

Dirk Bruse

Auch andere Konzerne forschten nun an dieser Technik, deshalb sei Eile geboten, um sie als Erster auf den Markt zu bringen, sagt Bruse. Zwei Millionen Euro steckten bislang an Entwicklungskosten in dem Projekt. Sechs verschiedene Patente seien angemeldet, bis zum 21. August greife zunächst noch der Erst-Ideenschutz. Mindestens für die USA, Europa und Japan soll in den nächsten Tagen der Patentschutz angemeldet werden – die wichtigsten Nationen will das Unternehmen abdecken.

Parallel dazu laufen Gespräche mit weiteren Investoren auf Hochtouren. Seit der Uni-Zertifizierung sei auch in dieser Hinsicht der Turbo-Lader gezündet worden. Interessenten gebe es von mehreren Seiten des Globus’, sagt Bruse.

Luftfilter gegen Corona: Heimgerät für Schulen und Büros

Sollte das System Marktreife erlangen, würde es etwa 40.000 Euro kosten, einen Airbus damit auszustatten. Allein die Zertifizierung für diesen einen Flugzeugtyp hat laut Bruse bislang 1,2 Millionen Euro verschlungen. Für ein Heimgerät, wie es beispielsweise in einer Schulklasse aufgestellt werden würde, müsste mit 3500 bis 5000 Euro gerechnet werden.

Ein eigentliches Abfallprodukt der Erfindung, ein Luftprüfgerät, soll nun ebenfalls zur Marktreife gebracht werden. „AirSpy“ wurde dieses getauft und soll in der Anschaffung 800 Euro kosten. In München sollen in Kürze die ersten Prototypen in der Gastronomie zum Einsatz kommen.

Corona-Virenkiller - Die Köpfe hinter dem Projekt

Irén Dornier, Erfinder, Flugzeugkonstrukteur und ein Enkel des weltbekannten Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier, ist einer der drei Köpfe, die die „Dornier New Technologies GmbH“ anführen. Der Münchener hatte die Idee für das Verfahren, umgesetzt wurde sie letztlich von Johannes Pradler, einem Maschinenbauer und Elektrotechniker aus Rietberg.

Dritter im Bunde ist Dirk Bruse. Bruse (54) ist Hammer, Testpilot und auch Geschäftsführer der privaten Luftfahrtgesellschaft „Luxaviation“. Er besuchte bis zur zehnten Klasse das Galilei-Gymnasium, lernte das Fliegen beim Luftsportclub Hamm und machte zunächst in Hamm eine Ausbildung zum Heizungsbauer. Bei der Bundeswehr war er Kampfschwimmer, auf dem zweiten Bildungsweg holte er das Abitur nach, studierte Flugzeugbau in Aachen. Die „Elbe Air“ war mit Anfang 30 seine erste eigene Fluglinie, mit der er Promis und Politiker um den gesamten Globus flog. Der 54-Jährige, dessen Eltern einst die Zoohandlung Bruse an der Südstraße hatten, lebte bis vor wenigen Jahren in Hamm und ist heute in Salzkotten zu Hause.

Deutschlandweit rutschte der Corona-Inzidenzwert am Freitag unter die 30er-Marke. Auch in Hamm geht es weiter abwärts - und zwar auf allen Ebenen.

Rubriklistenbild: © Bruse

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