Corona-Schutzmaßnahmen

Lockdown trifft Eishalle Hamm ausgerechnet zum Saisonstart

Eismeister Julian Pielka fährt mit der TV-Bühne über das Eis in der Eishalle Hamm
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TV-Bühne statt Kufenflitzer: Wo sonst Hobby-Eisläufer ihre Runden ziehen, ist Eismeister Julian Pielka mit großem Gerät unterwegs.

Hamm - Ausgerechnet zum Start der Hauptsaison im November fällt die Eissporthalle erneut unter den Lockdown. Das trifft nicht nur Mitarbeiter, sondern besonders die Kufenflitzer, die die Halle sehr gut annehmen, seit sie von der Hammer Eis eG betrieben wird.

„Es sind Tränen geflossen, als klar war, dass die Eishalle ausgerechnet zum Start der Hauptsaison den ganzen November über geschlossen bleiben muss.“ Betriebsleiter Dirk Sowicki meint damit nicht die Mitarbeiter, von denen ein Teil von Kurzarbeit betroffen ist, sondern die Kids, die schon im März auf die Schaumparty zum Saisonabschluss hatten verzichten müssen. Und jetzt wurden die Kufenflitzer erneut von den Corona-Schutzmaßnahmen eiskalt erwischt.

Der November ist laut Sowicki in normalen Zeiten tatsächlich der Monat mit den meisten Besuchern zu den üblichen Eislaufzeiten. Die Einnahmeausfälle schätzt er allein für diese vier Wochen auf rund 55000 Euro – im Vergleich zum Normalbetrieb, wie er noch vor einem Jahr stattfinden konnte. Ob der Hammer Eis eG als Betreiberin 75 Prozent der Einnahmeausfälle erstattet werden, wie von der Bundesregierung in Aussicht gestellt, sei noch nicht klar: „Wir hoffen darauf, aber noch sind die Details nicht klar und auch nicht, ob wir als Genossenschaft zum Kreis der Berechtigten gehören.“

Querbelüftung in der Eishalle ist großer Vorteil

Das Betriebswirtschaftliche sei aber nur eine Seite der Medaille: „Wir betreiben die Halle nicht, um Förderung zu erhalten. Wir möchten unser Geld lieber selbst erwirtschaften.“ Was für Dirk Sowicki viel wichtiger ist, ist der soziale Aspekt, der nun mal mit einer solchen Einrichtung zusammenhängt: In der Eishalle verbringen Erwachsene, Jugendliche und Kinder einen Teil ihrer Freizeit – und gerade die Kids hätten sich vorbildlich verhalten, was das Einhalten der Corona-Schutzmaßnahmen betrifft.

Das genehmigte Schutzkonzept hatte maximal 250 Besucher auf einmal erlaubt – und das Volumen sei in der Regel ausgelastet gewesen. Dass es eine verhältnismäßig hohe Zahl war, liegt laut Sowicki auch daran, dass die aus den 80er Jahren stammende Eishalle über eine Querbelüftung verfügt: „Wir können die Luft über elf Außenschächte massiv abziehen, was ein enormer Vorteil ist.“ Beim Betreten der Halle herrsche Maskenpflicht, nicht aber auf dem Eis: „Das haben wir aber trotzdem empfohlen“, sagt Sowicki. Außerdem seien 7000 bis 8000 Euro in Schutzmaßnahmen wie Desinfektionsspender, Plexiglasabtrennungen in Bar und Umkleiden sowie in ein Online-Registrierungssystem investiert worden.

Kein Training, keine Einnahmen

Von der Schließung betroffen sind zudem zahlreiche Vereine und deren Mitglieder: Lippe Hockey Hamm (LAH) als Hauptverein mit über 300 Mitgliedern bleibe im November außen vor. „Kein Training, keine Einnahmen“ heißt die einfache Formel, weil LAH wie auch die anderen fünf regelmäßig trainierenden Hobbymannschaften lediglich Eismiete für die Dauer der Nutzung zahle: Bei einer Miete von 150 Euro pro Stunde brechen so zusätzlich über 6000 Euro weg. Natürlich ist auch die Nutzung der Bowlingbahnen verboten, die Gastronomie ist – wie überall – geschlossen. Allein dort mussten sechs Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. Trotz alledem – Dirk Sowicki ist optimistisch, wenn es bei der vierwöchigen Schließung bleibt. Als Genossenschaft sei die Hammer Eis eG „mit solidem Eigenkapital“ recht gut aufgestellt. Und schon im September habe der Vorstand ein Maßnahmenpaket für Fälle wie diesen entwickelt. Weil die Energiekosten den größten Ausgabenposten bilden, wurde angedacht, die Kälteanlage so einzustellen, dass die Eisdicke nur noch einen statt wie üblich gute vier Zentimeter beträgt.

Umgesetzt wurde diese Möglichkeit letztlich nicht, weil die Hammer Eisbären weiter im Regelspielbetrieb sind und täglich zwei Stunden trainieren. Sie sind am Freitag mit einem Heimspiel gegen die „Saale Bulls“ aus Halle in die Hauptrunde der Oberliga Nord gestartet und treffen am Sonntag, 8. November, auf die niederländischen „Tilburg Trappers“ . Die Spiele müssen ohne Zuschauer stattfinden, es gibt über www.sprade.tv allerdings einen Livestream.

Arbeitslos sind Dirk Sowicki und sein Team im November übrigens nicht: Die Zeit der Zwangsschließung nutzen sie, um die Eishalle samt Nebenräumen nach dem Wechsel des Telekommunikationsanbieters neu zu verkabeln, auch zur Lan- und W-Lan-Versorgung. Die Kälteanlage muss gewartet, Reparaturen an Bande und Zuschauersitzen durchgeführt werden: „Wir sind gut beschäftigt.“

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