Kultur brutal getroffen

Corona-Lockdown: Musicalsängerin Jessica Maletzky aus Hamm verstummt und verstimmt

Musicalsängerin Jessica Maletzky in der West-side-Story
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Ihre Stimme ist still: Die professionelle Musicalsängerin Jessica Maletzky aus Hamm hat in diesem Jahr kaum Auftritte. Dass die Shows mit Blick auf Corona und mehr Abstand zu Kollegen und Publikum umkonzipiert wurden, wirkte sich nicht wie erhofft positiv aus – der „Lockdown light“ kam dazwischen.

„Katastrophe“ – ein Wort reicht für Jessica Maletzky, um zu beschreiben, was Corona und die aktuellen Maßnahmen für sie bedeuten. Die 41-jährige Hammerin arbeitet professionell als Musicalsängerin und hat wie so viele Künstler derzeit quasi ein Auftrittsverbot.

Hamm - „Ich bin kein Gegner der Corona-Maßnahmen. Wir müssen etwas tun, um dieses Virus einzudämmen“, macht Maletzky deutlich. Dass aber die gesamte Kulturbranche für einen Monat lahmgelegt werde, treffe absolut die Falschen. „Kultur ist kein Hotspot!“, ist die Hammerin überzeugt.

StadtHamm
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche226,3 km²
Einwohner179.916 (Dezember 2019)

Corona-Lockdown trifft Jessica Maletzky aus Hamm: „Für uns ist das Virus ist ein finanzielles Desaster“

Maletzky hat vor einigen Jahren zusammen mit Trudi Mitrop „M&M Events“ gegründet, eine Eventfirma, die sich auf Musical-Dinner spezialisiert hat. Hier gestalten die beiden zusammen mit dem Hammer Musicalsänger Tillmann Schnieders und weiteren Künstlern deutschlandweit Musical-Dinner-Shows – wenn man sie denn lässt. Denn das bisherige Erfolgsrezept, in ausgesuchten Restaurants den Gästen zwischen den einzelnen Gängen eines mehrteiligen Menüs Musical-Songs aus „Evita“, „Phantom der Oper“ und Co. zu präsentieren, steht plötzlich auf zwei wackeligen Füßen: Die Kultur ist wegen Corona momentan ebenso auf Eis gelegt wie die Gastronomie.

Am 14. März hatten Maletzky und Co. ihren letzten Auftritt vor dem ersten Lockdown, danach im September und Oktober jeweils eine Show – das war’s. „Für uns ist das Virus ein finanzielles Desaster“, gibt die 41-Jährige unumwunden zu. Doch auch emotional sei der Ausfall so vieler Shows schwer zu verkraften. „Wenn man wie wir aus Liebe und Leidenschaft singt, um vielen Menschen einen schönen Abend zu bereiten, und das jetzt nicht darf, dann tut das sehr weh.“

Corona-Lockdown trifft Jessica Maletzky aus Hamm: Shows an Regeln angepasst

Dabei habe „M&M Events“ das Konzept der Musica-Dinner-Shows extra an die jetzt geltenden Abstandsregeln angepasst. Die Zahl der Tische für die Gäste ist halbiert worden, und die Musicaldarsteller agieren nicht mehr auf Tuchfühlung zwischen den einzeln Gästen, sondern sie singen von einer Bühne. „Beim Filmmusik-Dinner habe ich als Marylin Monroe gerne einem Herrn den Arm auf die Schulter gelegt“, berichtet Maletzky von der besonderen Nähe, die eigentlich ihre Shows ausmachen.

Diese Intimität versuchen die Musicalsänger nun auch auf die Entfernung herzustellen. Und auch das funktioniert – auch wenn Maletzky aus alter Gewohnheit noch mitunter nach der Hand ihrer Gesangspartner greift – und ins Leere fasst. „Wir Künstler müssen ja auch Abstand untereinander halten und deshalb sämtliche Choreografien umstellen“, berichtet die Frau aus Hamm, die sämtliche Shows konzipiert und choreografiert.

Letzter Auftritt beim Stadtempfang

„Die Menschen sind so dankbar, wenn sie überhaupt Musik live erleben können“, weiß die 41-Jährige aus den Gesprächen nach den Shows. Sie berichtet, wie sehr sich die Zuschauer nach Kultur sehnen. In Hamm ist Maletzky zuletzt beim Stadtempfang im Februar aufgetreten – kurz vor dem ersten Corona-Lockdown. Bei der für den 30. Oktober geplanten Verabschiedung von Thomas Hunsteger-Petermann als Oberbürgermeister hätte sie auch auftreten sollen – doch die Veranstaltung unmittelbar vor dem zweiten Lockdown wurde erst einmal verschoben und die Weihnachtsmärkte gleich ganz abgesagt.

„Dass gerade die Weihnachtsmärkte ausfallen, macht mich traurig“, sagt Maletzky. Seit vier Jahren hatte sie regelmäßig auf der Bühne an der Pauluskirche vor einem stetig wachsenden Publikum gesungen, und auch beim Ambrosius-Weihnachtsmarkt auf Schloss Oberwerries war sie zu hören. „Warum weicht man mit dem Weihnachtsmarkt nicht in den Kurpark aus? Da ist viel Platz, und man kann genügend Abstand halten“, findet die Hammerin und hätte sich von der Stadt „ein bisschen mehr Fantasie“ erhofft.

Hoffen auf ein Ende des Lockdowns

Jetzt hofft Maletzky, dass der „Lockdown light“ tatsächlich Ende November endet und sie mit ihren Partnern ab Dezember wieder auftreten darf. Sieben Shows sind noch bis Jahresende geplant. Viele bisher ausgefallene Events sollen 2021 nachgeholt werden, was viel Logistik, Planung, Telefonate und E-Mails erfordert. Denn nicht jeder Gast, der im November Zeit hatte, kann im März, und nicht jedes Restaurant hat für den geplanten Ausweichtermin einen freien Saal.

Wegen all dieser Unwägbarkeiten ist die 41-jährige Mutter einer Tochter froh, dass sie neben der Musik ein weiteres Standbein hat. 2014 hatte sie nach einer Stimmbandentzündung eine Ausbildung zur Logopädin absolviert und arbeitet jetzt in Teilzeit in einem Beruf, der – natürlich – mit der Stimme zu tun hat.

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