Corona-Krise in Hamm

Stadt gegen Gabenzäune für Bedürftige - Das sind die Gründe

So sah der Gabenzaun vor der Lutherkirche am Donnerstagmorgen noch aus. Das wurde nur wenig später unterbunden.
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So sah der Gabenzaun vor der Lutherkirche am Donnerstagmorgen noch aus. Das wurde nur wenig später unterbunden.

Um Bedürftige zu unterstützen, wollten einige Hammer Bürger sogenannte Gabenzäune aufbauen: An diese Zäune hängen Spender Tüten mit Dingen, die sie Bedürftigen spenden möchten. Doch die Stadtverwaltung ist von der Idee wenig angetan.

Hamm - Unter anderem war ein solcher Gabenzaun im Lutherviertel geplant; die ersten Tüten mit unverderblichen Lebensmitteln hingen am Donnerstagmorgen sogar schon. Marc Berendes aus dem Büro des Oberbürgermeisters erklärt, wieso man davon nichts hält:

So ein Gabenzaun klingt erst mal nach einer tollen Möglichkeit, um auf einfache Art etwas zu spenden. Was hat die Verwaltung dagegen?

Marc Berendes: Die Coronakrise trifft auch bedürftige und wohnungslose Menschen hart, daher ist die Idee dahinter gut gemeint. Aber wenn man das weiter beobachtet, tun sich eine Menge Probleme auf. Es gibt einige Städte, in denen die Gabenzäune erst auf- und dann wegen der Probleme wieder abgebaut wurden.

Was sind das für Probleme?

Berendes: Gerade für Menschen, die aufgrund eines fehlendes Obdachs ohnehin schon ein höheres Risiko tragen, an Covid-19 zu erkranken, wäre das ein zusätzliches Infektionsrisiko: Man installiert damit eine Art Treffpunkt, an dem möglicherweise mehrere Leute gleichzeitig zusammenkommen. Das widerspricht dem Kontaktverbot.

Die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes können den Gabenzaun nicht ständig im Blick haben – sie haben genug damit zu tun, in der ganzen Stadt zu kontrollieren. Das nächste Problem ist, dass man überhaupt nicht weiß, was in den Gabentüten steckt. Wenn jemand verderbliche Ware hineinsteckt, entstehen schnell Probleme mit der Kühlkette, das kann gesundheitsgefährdend werden. Und nicht zuletzt gab es in anderen Städten Fälle, in denen Menschen die Gabentüten gestohlen haben, die gar nicht bedürftig waren.

Wenn nun jemand helfen möchte: Was kann er tun?

Berendes: Wer helfen möchte, kann zum Beispiel die Tafel unterstützen. Wir haben hier in Hamm das große Glück, dass wir eine Tafel haben, die weiter funktioniert und in der Bedürftige sich Lebensmittel abholen können. Dabei werden die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten. Das ist auf jeden Fall deutlich sicherer als eine Spende an einem Gabenzaun.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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