Corona in Hamm

Warten auf Impf-Termine für nächste Altersgruppe

Polizisten, Lehrer und Erzieher werden in dieser Woche in Hamm gegen das Coronavirus geimpft. Doch was ist eigentlich mit all jenen Ältereren, Vorerkankten und Behinderten, die sich auch Hoffnung machen durften?

Hamm - Polizisten, Lehrer und Erzieher sind Teil der Kategorie 2, gehören also der Bevölkerungsgruppe an, die mit „hoher Priorität“ einen Impfschutz bekommen soll. Das steht in der Impfverordnung des Bundes. In diese Kategorie gehören allerdings auch alle laut statistischem Landesamt rund 15.500 Menschen in Hamm zwischen 70 und 80 Jahren, viele Menschen mit Vorerkrankungen oder Behinderungen. Doch geimpft werden sie noch nicht. (News zum Coronavirus in Hamm)

Ein Anruf bei der Impfhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: Hier erfährt man, dass in Kategorie 2 zweigleisig gefahren wird. Erst würden Angehörige bestimmter Berufsgruppen geimpft, das organisierten die Städte in Absprache mit den Arbeitgebern. Die Hotline vergebe Termine für die allgemeine Bevölkerung, aktuell aber nur für über 80-Jährige. Alle Jüngeren gehen – noch – leer aus.

In der Stadtverwaltung ist nicht bekannt, wann und wie 70- bis 80-Jährige Termine erhalten, erklärt Stadtsprecher Lukas Huster. Das könne sich schnell ändern. „Die aktuellen Impfdosen-Ankündigungen des Landes reichen bis zum 28. März“, erklärt er. Die Stadt gehe davon aus, dass Anfang April Impfungen für über 70-Jährige ins Auge gefasst würden.

Corona-Impfungen in Hamm: Astrazeneca komplett verimpft

Die Impfungen für Lehrer und Erzieher haben am Montag begonnen. Für diese Woche sind 1 100 Impfdosen vorgesehen, für die Zeit bis zum 28. März hat die Stadt 2800 Impfdosen bekommen. Die Lehrer, Erzieher und Polizisten werden mit Astrazeneca geimpft. Anders als bei Biontech behält die Stadt die zweite Impfdosis nicht zurück. Dies sei eine Vorgabe des Landes, erklärt Huster. In neun bis zwölf Wochen muss Nachschub da sein: Dann soll die zweite Impfung erfolgen.

Wie viele Menschen in Hamm aufgrund von Vorerkrankungen in die Kategorie 2 fallen, ist bei der Stadt nicht bekannt, teilt Huster mit.

Mehr Impfungen als im Bundesschnitt

Auch wenn der Inzidenzwert in Hamm steigt und am Dienstag bei 117,3 lag, nimmt die Gefahr schwerster Infektionsverläufe mit jedem neuen Tag ab. Mit 12 354 Geimpften hatten gestern 6,9 Prozent der Hammer ihren Erstschutz erhalten. Diese Zahl liegt leicht über dem Bundesschnitt. 5 726 Personen davon hatten ferner bereits die zweite Impfung erhalten.

Corona-Impfungen in Hamm: Zehntausende warten aktuell

Die Gruppe dürfte allerdings Zehntausende umfassen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat vor einigen Monaten die Daten ihrer Versicherten danach ausgewertet, wie viele aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben, etwa, weil sie Diabetes haben, Leber- oder Nierenerkrankungen. Die Daten rechnete das Institut auf die Gesamtbevölkerung hoch. Demnach haben 31,4 Prozent der Hammer ein Risiko für einen schweren Verlauf, gut 56 500 Menschen. Deutschlandweit liegt die Quote mit 26,1 Prozent niedriger. Viele der Vorerkrankungen werden bei der Impfpriorisierung berücksichtigt, wer sie hat, rutscht in die Kategorie 2 oder 3.

Corona dürfte demnach durch Impfung in Hamm früher überstanden sein als anderswo: Spielen die Vorerkrankungen wie angekündigt bei der Impfreihenfolge eine Rolle, müssten die maladen Hammer auch früher geimpft werden als etwa die gesunden Münsteraner. Dort hat schließlich nur 17,1 Prozent der Bevölkerung eine Vorerkrankung, die zu einem schweren Verlauf von Covid-19 führen dürfte.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul

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