Studentin erzählt

Keine Praktika, keine Nebenjobs: Studenten belastet Corona besonders

Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL)
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Trostlos: Die Studenten der HSHL lernen aktuell von Zuhause aus.

Für manche Bevölkerungsgruppe ist die Zeit der Corona-Pandemie zu einer Zeit der Einsamkeit geworden. Insbesondere das Schicksal alter Menschen rückte in den Fokus, weil ihnen als Gruppe mit hohem Risiko kaum etwas Anderes übrig blieb als eine selbst verordnete Quarantäne. Aber junge Menschen? Abgesehen von der Diskussion um Online- oder Präsenzprüfungen war das Leben von Studenten in der Pandemie bisher selten ein Thema.

Hamm – Für Betroffene ist es das aber sehr wohl. Celine Rosier (23) studiert Technisches Management und Marketing an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL). Sie will sich und anderen Menschen in ähnlicher Situation Gehör verschaffen. (News zum Coronavirus in Hamm)

40 Bewerbungen: Absagen oder keine Rückmeldung

Eigentlich hätte Rosier das 5. Semester etatmäßig als Praktikumssemester im In- oder Ausland absolvieren sollen, doch daraus wurde nichts. Der Grund: Corona. Stattdessen zieht sie nun das nächste Semester und Klausuren vor und hofft, das Praktikum als letzten Block ihres Bachelorstudiengangs nachholen zu können. „Nur etwa ein Drittel der Studenten hat einen Platz bekommen“, sagt Rosier.

Sie selbst habe 40 Bewerbungen geschrieben, zehn Absagen erhalten und der Rest sei unbeantwortet geblieben. Sie glaubt, dass die Arbeitsbedingungen durch Corona wie Kurzarbeit oder Homeoffice, schlechtere Auftragslagen, aber auch der Sicherheitsgedanke zu einer Zurückhaltung in den Unternehmen beim Angebot von Praktikumsplätzen führen. Zu Beginn der Pandemie sei alles noch eine neue Situation gewesen. Auch die Unis und Hochschulen hätten zunächst nicht recht gewusst, wie damit umzugehen sei.

Halbwegs normaler Austausch nicht mehr möglich

Den Schalter von Präsenz- auf Online-Veranstaltungen und -Prüfungen umzulegen, habe unterm Strich ganz gut funktioniert, dennoch bedeute dies eine „totale Umstellung“. „Lerngruppen sind in manchen Fächern sehr wichtig“, sagt die 23-Jährige. „Das ist jetzt maximal zu zweit möglich. Die Bibliothek und der Campus sind zu, ein halbwegs normaler Austausch kann also gar nicht stattfinden.“ 

HSHL-Studentin Celine Rosier.

Durch die Pandemie und ihre Folgen habe ihr studentischer Tag eine vollkommen andere Struktur bekommen. „Eine Vorlesung online, an einer Hausarbeit schreiben, Meetings mit Kommilitonen online und vielleicht mal ein Spaziergang: Das war’s dann auch schon“, sagt Rosier. „Klar, man kann sich auch neu finden in dieser Zeit. Aber seit über einem Jahr bin ich zuhause, und das Studentenleben, wie ich es vor der Pandemie gelebt habe, ist komplett auf Null gefahren. Ich schaue jeden Tag die gleichen Wände an und habe – wie auch viele meiner Kommilitonen – das Gefühl, vergessen zu werden.“

Rosier wünscht sich klare Strategie von der Politik

Ihr sei es wichtig, diese Gefühle einmal nach außen zu tragen und damit ernst genommen zu werden. Von der Politik wünsche sie sich in jedem Fall eine klarere Strategie und eine eindeutige Kommunikation. Nicht bei jedem weiteren Schritt dürfe ausschließlich die Inzidenz zugrunde gelegt werden. Natürlich könne sie nicht für sich in Anspruch nehmen, für alle Studenten zu sprechen, aber viele ihrer Bekannten sähen die Situation ähnlich.

Rosier, die auch Mitglied der Fachschaft in ihrem Studiengang ist, fürchtet, dass die Pandemie noch ganz andere Folgen haben könnte: „Das Thema psychische Erkrankungen und Wesensveränderungen unter Studenten wird in Vorlesungen offen angesprochen“, sagt sie. „Natürlich müssen wir da jetzt durch, aber die Lebensfreude kommt doch ziemlich abhanden. Man fragt sich, wie lange das noch gehen kann.“ 

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