Beunruhigende Entwicklung

Stadt zurrt neue Corona-Regeln für Hamm fest - Ton bei Kontrollen wird rauer

Ein Pizzabäcker und sein Kunde im Allee-Center Hamm diskutieren über die neusten Corona-Regeln der Stadt.
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Maske und Plexiglasscheibe sind fast schon Alltag und gehören seit Monaten auch zur Grundausstattung zur Vermeidung weiterer Ansteckungen mit dem Coronavirus im Allee-Center.

Der Krisenstab der Stadt hat am Montag die neuen, verschärften Corona-Regeln für Hamm festgezurrt. Bei den Infektionszahlen gibt es eine bedenkliche Entwicklung. Ein Überblick.

Hamm - Im Kern beschloss der Krisenstab die Anpassungen, die schon Ende der vergangenen Woche bekannt geworden waren. In einigen Bereichen sind diese strenger als die Vorgaben des Landes. Feiern im privaten Raum dürfen weiterhin maximal 25 Personen besuchen, eine Kontaktliste ist zu führen.

Keine Maskenpflicht in der Fußgängerzone

Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerten oder Lesungen mit mehr als 25 Personen ist künftig ein Hygienekonzept erforderlich, das drei Tage vor dem Veranstaltungstag beim Ordnungsamt hinterlegt werden muss. Solche Veranstaltungen müssen zwar nicht genehmigt, aber dennoch angezeigt werden. „Wir wollen so nur sicherstellen, dass im Falle einer Übertragung des Coronavirus schnell ein Ansprechpartner klar ist, mit dem wir uns kurz schließen können“, sagte ein Stadtsprecher dazu. Generell sind Veranstaltungen in Innenräumen auf 250 und im Freien auf 500 Personen beschränkt.

Eine Maskenpflicht gilt künftig wieder auf den Wochenmärkten und dort nicht nur am Stand sondern auf dem gesamten Areal. Von einer erweiterten Pflicht zum Tragen der Alltagsmaske auf weitere Gebiete - etwa die Fußgängerzone - hat die Stadt abgesehen. Allerdings ruft sie alle Bürger mit einem Maskengebot dazu auf, überall dort auch im Freien Masken zu tragen, wo ein Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann oder viele Menschen gleichzeitig zusammenkommen. Ein Beispiel hierfür ist die Rödinghauserstraße als enger Verbindungsweg von der Weststraße bis zur Ritterpassage, den viele Passanten nutzen. Auch in Schulen wird die Maskenpflicht nach Ende der Herbstferien in der kommenden Woche wie geplant beibehalten.

Corona in Hamm: Viele Infektionen haben unklaren Ursprung

Immer mehr Infektionsfälle kann die Stadt unterdessen keinem klaren Ursprung zuordnen. Von den 169 Neuinfektionen in der vergangenen Woche wurde zunächst bei 54 eine unklare Infektionskette gemeldet - das entspricht etwa einem Drittel. In den Folgetagen konnte nur bei einem Viertel dieser Fälle aufgeklärt werden, wo sich der Betroffene angesteckt hat, sodass rund 40 Infektionen weiterhin nicht durch klare Infektionswege erklärbar sind.

„Im Gegensatz zum Ausbruchsgeschehen rund um die große Hochzeitsfeierlichkeit in Hamm und Dortmund, bei der klar definiert werden konnte, wer Gast war beziehungsweise Kontakt hatte, stellt sich die Situation jetzt in vielen Fällen differenzierter dar“, sagte ein Stadtsprecher dazu. „Bei der Kontaktermittlung werden positiv getestete Menschen befragt, was sie in den vergangenen Tagen gemacht haben und zu wem sie Kontakt hatten. Wenn es keine erkennbaren Verknüpfungen gibt, bleibt der Infektionsherd unbekannt.“ Wenn nicht nach den ersten ein bis zwei Tagen klar eine Verbindung nachgezeichnet werden könne, sei das mit fortschreitender Zeit immer schwieriger.

Stadt stellt wegen Corona 64 neue Kräfte ein

Zudem merke man, dass die Mitarbeiter im Gesundheitsamt sowie die anderen 210 mit Corona-Aufgaben betrauten Mitarbeiter der Stadt aufgrund des kontinuierlich hohen Infektionsgeschehens langsam an ihre Grenzen stießen. „Die Kontaktverfolgung funktioniert aufgrund unserer Strukturen bislang verhältnismäßig gut, ist allerdings sehr zeitintensiv. Da Corona mittelfristig Dauer-Aufgabe bleibt, haben wir uns in den vergangenen Wochen neu aufgestellt und optimieren kontinuierlich unsere bestehenden Strukturen“, so der Stadtsprecher.

64 Neueinstellungen seien zuletzt wegen Corona erfolgt, darunter 45 studentische Hilfskräfte, zehn Medizinische Fachangestellte, sechs Verwaltungsmitarbeiter und drei Ärzte. In der Harkortschule und in Gebäuden im Ahsepark gibt es feste Lagezentren.

KOD-Kontrollen: Der Ton wird rauer

Viel zu tun haben aktuell auch die Kräfte des Kommunalen Ordnungsdienstes. Sie sind dafür zuständig, zu überwachen, ob die Regeln eingehalten werden. Der KOD kontrollierte am Wochenende acht genehmigte Veranstaltungen. Dort hätten sich keine Auffälligkeiten ergeben, teilte ein Stadtsprecher mit. Zusätzlich wurden vier Veranstaltungen abgefahren, die im Vorfeld keine Genehmigung erhalten hatten. Diese Events hätten tatsächlich nicht stattgefunden.

Zuletzt sei der Ton bei Kontrollen in der Öffentlichkeit merklich rauer geworden. Weniger Menschen seien bereit, sich an die Regeln wie Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen zu halten - auch, wenn das der weitaus überwiegende Teil der Stadtgesellschaft weiter gewissenhaft tut. Vereinzelt seien die Angesprochenen dennoch uneinsichtig oder aggressiv. Bei Kontrollen von genehmigten Feiern seien die Anwesenden dagegen in der Regel verständnisvoll. Die Polizei wurde nach Bekanntgabe der neuen, verschärften Maßnahmen noch nicht um Amtshilfe gebeten, die Ordnungshüter haben deshalb zuletzt keine Corona-Verstöße geahndet.

Nur noch weniger Urlauber lassen sich testen

Im Gegensatz zur Kontaktverfolgung und den Corona-Kontrollen bindet die kostenlose Testung von Urlaubern aus Hamm für Reisen in den Herbstferien nur noch wenige Kräfte. Am Samstag hatten sich in diesem Rahmen nur noch 33 Personen in der Alfred-Fischer-Halle testen lassen, am Sonntag waren es 18. „Wir haben unsere Kapazitäten dort deutlich heruntergefahren und werden dies bis Freitag auch so belassen“, sagte ein Stadtsprecher. Nach wie vor können sich Urlauber, die in dieser Woche noch verreisen wollen und dafür einen negativen Corona-Test brauchen, täglich von 8 bis 11 Uhr in Heessen testen lassen.

Nachgeliefert hat die Stadt am Montag Details zu den 13 Infizierten von Sonntag. Bei ihnen handelte es sich um zwei Mitarbeiter des Wolfgang-Glaubitz-Zentrums, zwei Ansteckungen passierten voraussichtlich im beruflichen Umfeld und eine innerhalb der Familie. Bei acht Personen blieben die Infektionswege bisher unklar.

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