Pläne der Politik für Außengastronomie

Nach Schnelltest im Biergarten? Hammer Wirte sind skeptisch

Corona und Biergarten
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Ob am 22. März wohl Biergartenwetter sein wird? Denn die ersten Betriebe, die dann wieder Gäste empfangen dürfen, sind die mit Außengastronomie. Allerdings sind auch für die Wirte in Hamm die jetzt von der Politik getroffenen Regelungen mit viel Wenn und Aber versehen.

Hamm – Nach den aktuellen Inzidenzzahlen in Hamm wäre ein Platz an der Sonne nämlich nur mit Terminabsprache und einem aktuellen Schnelltest zu bekommen. Dafür muss der Wert zwischen 50 und 100 liegen. Darüber käme schon die Notbremse zum Einsatz. Sollte der Inzidenzwert allerdings unter 50 sinken, gelten lediglich die Abstands- und Hygieneregeln beim Besuch in Biergarten und Co. (News zum Coronavirus in Hamm)

„Ich hoffe, dass das mit den Reservierungen dann nur in der ersten Zeit gilt“, sagt Jens Wilshaus vom gleichnamigen Brauhof in Braam-Ostwennemar. Er glaubt, dass eine Terminvergabe auch Gäste abschrecken könnte. Und seine Erfahrung aus dem Vorjahr ist, dass eine Reservierung im Außenbereich sehr aufwendig ist. Er erinnert sich ungern an Querelen um Sitzplätze unter den Gästen. Im Sommer hatte Familie Wilshaus schon fünf, sechs Tische weniger aufgestellt. 80 bis 100 Sitzplätze wären es jetzt wohl bei einer Öffnung auf dem Hof.

Wilshaus geht davon aus, dass mit einer Woche Vorlauf die Außengastronomie betriebsbereit wäre. Allerdings würde der Brauhof nicht direkt am Montag öffnen – auch, weil da und am Dienstag auch im Normalbetrieb Ruhetage sind. Stammgäste könnte eine Montagsöffnung irritieren. Wenn es am Mittwoch, 24. März, dann losginge, würde sich Wilshaus freuen, wieder für Gäste da sein zu können: „Wenn wir aufmachen dürfen, dann machen wir auch auf.“

Den Kontakt zu vielen Gästen hält Dimitrios Gkikas, der das Restaurant Delphi auf der Werler Straße betreibt, über den Außerhaus-Verkauf. „Aber das ist ja nicht, was wir normalerweise machen“, hat „Dimi“ Sehnsucht danach, Gäste wieder vor Ort mit hoher Qualität verwöhnen zu dürfen. Auch er schaut skeptisch auf die Inzidenzzahlen, weil es durch Ausbrüche wie jetzt bei Westfleisch, immer wieder ein Auf und Ab gebe.

„Wie soll das denn mit den Schnelltests funktionieren?“, verweist der Wirt auf offene Fragen, „sollen die vor Ort gemacht werden, oder sollen die Leute sie von Zuhause mitbringen?“ Dabei wäre sein Außengastro-Bereich schon jetzt durchaus für die Wiederöffnung gerüstet.

Wieder Bier weggeschütten?

Im Vorjahr war der Wirt bereits von 140 möglichen Plätzen auf 90 heruntergegangen: „Ich denke, nach derzeitigen Regelungen wären das dann noch 60 bis 70.“ Gleichzeitig hat Gkikas, der bereits seit 32 Jahren in Hamm Gäste verwöhnt, mit dem Lockdown im November besondere Erfahrungen gemacht: „Wir hatten plötzlich angebrochene Fässer da stehen.“ Und deren Haltbarkeitsdatum lief ab.

Gkikas wird auf jeden Fall vor einer möglichen Öffnung die Inzidenzwerte genau im Blick halten, denn schließlich müsste er ja für die nötigen Produkte für Speis und Trank in Vorleistung gehen. Insgesamt meint der Gastronom, sei er verhältnismäßig gut durch diesen Lockdown gekommen. Aber er bedauert: „Wir haben viele unserer Aushilfen verloren.“ Die hätten sich nach anderen Tätigkeiten umgesehen.

„Wir Getränke-Gastronomen werden mit Sicherheit wieder die Letzten sein, die öffnen dürfen“, hadert Ben Böhm mit den Entscheidungen der Politiker. Auch wenn er einen Außenbereich am „Lady Sarafinas“ an der Werler Straße hat, blickt er kritisch auf die jüngsten Entscheidungen. Er müsste draußen an vier Tischen für acht Personen auf die je nach Inzidenzwert gültigen Regeln mit Blick auf Haushalte und Familienzugehörigkeit achten. Je nach dann geltender Regelung könnte die Zahl erlaubter Kontakte wieder eingeschränkt sein. Eine Öffnung brauche auch eine Vorlaufzeit von zwei, drei Tagen – und das unter derzeit in Hamm unsicheren Bedingungen.

Dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet dann auch noch eine Notbremsregelung ins Spiel bringt, macht Böhm nicht sicherer. Und bei ihm als Getränkegastronomen sei nur im Außenbereich kein ausreichender Umsatz zu erwirtschaften. Mit Schnelltest und Hygienekonzepten sei Innen-Gastronomie durchaus machbar, ist Böhm überzeugt. Ansonsten glaubt er, dass viele Kollegen auf Dauer nicht durchhalten werden.

Ben Böhm ist der Meinung, dass die geforderten Schnelltest auch ermöglichen müssten, Gastrobetriebe komplett zu öffnen. „Die Ergebnisse gibt es nach zehn Minuten, da könnte direkt vor Ort ganz aktuell getestet werden.“ Aus seiner Erfahrung heraus, wären Gäste durchaus bereit, den Schnelltest dann auch selbst zu zahlen. Böhm steht mit dieser Meinung nicht allein. Mohamed Boudih, NRW-Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sagte in einer Presseerklärung: „Impfungen, Schnelltests und digitale Kontakterfassung wären wichtige Voraussetzungen, um eine schrittweise Öffnung der Gastronomie zu ermöglichen“

Böhms Kritik an der Lockerungsstrategie: „Statt dass man die Tests voranbringt, wird wieder mal auf Zeit gespielt.“ Mit Blick auf die aktuellen Hammer Inzidenzwerte mag er aktuell noch nicht an eine Öffnung glauben. Skeptisch macht ihn auch, dass ausgerechnet an dem Montag, an dem diese Lockerungsstufe kommen soll, die nächste Ministerpräsidentenkonferenz ist – die übrigens dann auch das Thema Gastronomie-Öffnung auf der Tagesordnung haben soll. Vielleicht mit einer Notbremsung.

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