Immer weniger Alte in Hamm infiziert

Fragezeichen bei Selbst- und Schnelltests - aber Argumente für Lockerung wachsen

Stäbchen rein: Schnelltests sollen in Kürze ausgeweitet, Selbsttests möglich werden.
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Stäbchen rein: Schnelltests sollen in Kürze ausgeweitet, Selbsttests möglich werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat mit seiner Selbsttest-Offensive die Verantwortlichen vor Ort überrumpelt. „Wir erwarten da Infos und Richtlinien und haben selbst noch viele Fragen“, sagte ein Stadtsprecher in Hamm.

Hamm - Unklar ist etwa, ob nach einem positiven Selbsttest ein PCR-Test verpflichtend wird und welche Quarantäne-Auflagen für Betroffene und Kontaktpersonen gelten. Die Apotheker begrüßen die Selbsttests, warnen aber vor zu großen Erwartungen. Die Tests seien eine gute Sache, wenn sie richtig angewendet würden, sagte Martin Schwarzer als Sprecher der Apotheker in Hamm.

Doch während beim Schnelltest in einem Zentrum bei einem positiven Ergebnis automatisch das Gesundheitsamt informiert werde, liege es beim Selbsttest aus dem Supermarkt am Einzelnen, sich ans Gesundheitsamt zu wenden, um weitere Schritte wie eine offizielle Quarantäne und einen PCR-Test zu veranlassen. (News zum Coronavirus in Hamm)

Die Stadt bereitet sich unterdessen auf die von Spahn angekündigten Schnelltests für alle vor. Sie sollen von medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden.

Corona in Hamm: Kontakt zu Schnelltestzentren

Das Gesundheitsamt nahm Kontakt mit den Betreibern der vier privaten Schnelltestzentren in Hamm auf, um herauszufinden, ob diese ihre Kapazitäten kurzfristig aufstocken können. Das sei ein übliches Verfahren, sagte ein Stadtsprecher. Man kenne die Vorstellungen von Bund und Ländern bisher nicht, wolle aber auf möglichst viele Varianten vorbereitet sein. Eine Entscheidung erwarte man beim Bund-Länder-Gipfel am 4. März. Die Betreiber waren gefragt worden, ob sie ab dem 8. März in größerem Umfang einsatzbereit sein könnten.

Das scheint der Fall zu sein. Vertreter der vier Schnelltestzentren äußerten sich auf WA-Anfrage optimistisch, ihre Leistungen auszudehnen. Auch bisher läuft der Betrieb offenbar rege. Von etwa 80 Tests pro Tag berichtet Thomas Johannpeter („Aktivita“). Ein großer Teil der Getesteten werde von Firmen geschickt. Thomas Kleuser (Medizinisches Dienstleistungszentrum Fast) schickt mobile Testteams zu Firmen und hat dabei nach eigenen Angaben Betriebe mit 500 Personen durchgetestet.

Die Drive-in-Variante der Akademie für Notfallmedizin nutzen bis zu 50 Personen pro Tag, sagte Nicole Duncan, die dort für Finanzen und Verwaltung zuständig ist. Derzeit seien noch viele Menschen dabei, die für Verwandtschaftsbesuche ins Ausland wollten, man plane aber bereits eine Kapazitätsausweitung. Das gilt auch für die Strauss- und die Engel-Apotheke in Bockum-Hövel. Die Auslastung sei gut, sagte Apothekerin Stephanie Schauff von Werder. Man rechne künftig mit größerer Nachfrage.

Corona in Hamm: Aktuelle Zahlen zum Impfen

Polizisten, Lehrer, Erzieherinnen, über 70-Jährige, Vorerkrankte: Die Zahl derer, die theoretisch als nächstes geimpft werden sollen, ist groß. Die Hammer Hausärzte gehen davon aus, dass nach aktuellen Richtlinien des RKI etwa ein Viertel aller Hammer – also rund 45.000 Personen – in diese Gruppe eingeordnet werden kann. Bis Vorerkrankte und über 70-Jährige aber tatsächlich geimpft werden, wird wohl noch einige Zeit vergehen und die nun schon spürbare Ungeduld weiter wachsen.

Bislang ist nicht klar geregelt, wer tatsächlich als Vorerkrankter gilt und wie die Information und Einladung der Betroffenen erfolgen soll. Die Terminvergabe wird allerdings wohl weiterhin über die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) laufen. Anderslautende Gerüchte dementierte ein Stadtsprecher auf WA-Anfrage. „Die KV hat jetzt ein erprobtes System, das funktioniert“, sagte er. „Es wäre nicht gut, wenn es heißt: ab Zeitpunkt X übernimmt die Stadt das. Dann wäre das Chaos ganz komplett.“

Ein Startdatum für die Impfungen der zweiten Gruppe am Impfzentrum gibt es noch nicht. Da die verbliebenen Termine der über 80-Jährigen allerdings noch bis in den April reichen, ist mit einem vorherigen Beginn nur zu rechnen, wenn nennenswert mehr Impfstoff zur Verfügung steht.

Corona in Hamm: Altersgruppen und Schulen aktuell

Der Schulstart zu Wochenbeginn hat sich unterdessen nicht auf das Infektionsgeschehen ausgewirkt. Nach Angaben der Stadt waren am Donnerstag 30 Schüler infiziert. 53 Schüler befinden sich in Quarantäne. Einzelne Schulen sind nicht betroffen, da die Betroffenen im entsprechenden Zeitraum nicht in der Schule waren. In den Kindertagesstätten, die zurzeit von 4500 Kindern besucht werden, sind vier Kinder und drei Mitarbeiterinnenpositiv auf das Virus getestet worden. Die betroffenen Kitas sind die Kita Wirbelwind, Kita St. Bonifatius und die Kita Zachäus.

Die Verteilung der Coronainfizierten auf die einzelnen Altersgruppen ist wie folgt (Stand Mittwoch):

  • Infizierte 0 bis 9 Jahre: 25
  • Infizierte 10 bis 19 Jahre: 27
  • Infizierte 20 bis 29 Jahre: 41
  • Infizierte 30 bis 39 Jahre: 32
  • Infizierte 40 bis 49 Jahre: 37
  • Infizierte 50 bis 59 Jahre: 38
  • Infizierte 60 bis 69 Jahre: 16
  • Infizierte 70 bis 79 Jahre: 10
  • Infizierte 80 bis 89 Jahre: 12
  • Infizierte über 90 Jahre: 1

Corona in Hamm: Stichwort Todesfälle

Anders als im Landesschnitt sind auch im Januar in Hamm nicht mehr Menschen gestorben als in den Jahren zuvor. Die Entwicklung sei „absolut unauffällig“, hieß es am Donnerstag aus dem Rathaus. Im Januar 2021 starben 221 Personen aus Hamm; 2020 waren es im Januar 225 Personen, 2019 213 und 2018 241. Bereits im abgelaufenen Jahr 2020 hatte es in Hamm im Vergleich zu den Vorjahren keinen Corona-Effekt bei der Zahl der Verstorbenen gegeben.

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