Trauer um Hochzeitsgast

Corona in Hamm: Bundeswehr hilft bei Kontaktverfolgung - viele neue Details

Bundeswehrsoldaten des 2. Aufklärungsbataillon 7 aus Ahlen helfen in der Harkortschule bei der Kontaktverfolgung von Corona-Fällen aus.
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Bundeswehrsoldaten des 2. Aufklärungsbataillon 7 aus Ahlen helfen in der Harkortschule bei der Kontaktverfolgung von Corona-Fällen aus.

Die Corona-Fallzahlen sind durch 62 Neuinfektionen am Dienstag förmlich explodiert. So dürfte es vielen recht sein, dass nunmehr auch die Bundeswehr in Hamm präsent ist und bei der Nachverfolgung von Infektionsketten mithilft.

Hamm - Zehn Reservesoldaten des Aufklärungsbataillons Ahlen sind seit Montag in Hamm im Einsatz. Sie waren zuvor in Gütersloh eingesetzt gewesen. „Am liebsten hätten wir 30 Soldaten bekommen. Aber zehn ist für eine Stadt in der Größenordnung von Hamm die Höchstzahl“, sagte Theo Hesse, Fachbereichsleiter Soziales bei der Stadt Hamm. Sei einigen Wochen habe man sich um die Verstärkung bemüht, jetzt sei sie eingetroffen. Die Soldaten sind in Hammer Hotels untergebracht und werden über die Stadt essenstechnisch versorgt. Die Kosten übernimmt zunächst die Stadt, später soll mit dem Land abgerechnet werden.

273 Kräfte im Corona-Team

Im Gegenzug haben Mitte Oktober zehn Verwaltungsmitarbeiter aus dem Kreis Warendorf die Stadt wieder verlassen. Sie hatten bei der Kontaktnachverfolgung in Hamm mitgeholfen, seit die Fallzahlen Anfang September nach den türkischen Hochzeitsfeiern in die Höhe gegangen waren.

273 Kräfte sind nunmehr in unterschiedlichen Funktionen mit der Corona-Bearbeitung betraut. 72 Personen wurden eigens dafür eingestellt, wie Bernd Maßmann, Personalchef der Stadt Hamm erläuterte. Der Großteil sind Studenten (53), aber auch drei Ärzte, zehn Medizinische Fachangestellte und sechs Verwaltungsmitarbeiter unterstützen den Corona-Stab.

Corona wird Stadt „mindestens das komplette nächste Jahr beschäftigen“

Von den städtischen Töchtern (Stadtwerke, HGB, Hallenmanagement etc.) sind rund 30 Personen für Corona-Maßnahmen abgestellt. Der Rest des Teams besteht aus Verwaltungsmitarbeitern, die von ihren ursprünglichen Aufgaben temporär entbunden werden.

Anders als andere Kommunen sieht sich die Stadt mit ihrer Mannschaft gut gerüstet. „Wir gehen davon aus, dass uns das Corona-Thema noch mindestens das komplette nächste Jahr beschäftigen wird“, sagte Hesse. Die Kontaktnachverfolgung funktioniere in der Regel, in Hamm verfüge man inzwischen über reichlich Erfahrung und habe ein praktikales System zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter etabliert.

Bei der Kontaktermittlung und -nachverfolgung werden die Daten der Telefonlisten in Datenbänke eingepflegt. Das war von WA-Lesern bezweifelt worden. Ferner hatte es Irritationen über den Beginn einer Quarantäne-Anordnung gegeben. Entscheidend sei, so Matthias Walter Leiter des Hammer Corona-Stabs, der Zeitpunkt der telefonischen Mitteilung. Ab dann werde gezählt.

Mutter zweier Kinder nach Großhochzeit tot

Die traurigste Nachricht am Dienstag betraf den 41. Todesfall. Eine Frau und Mutter von zwei minderjährigen Kindern ist am Montag an den Folgen von Covid-19 gestorben. Sie wurde knapp über 40 Jahre alt und ist die jüngste Tote seit Beginn der Pandemie in Hamm. Die Frau hatte keine Vorerkrankungen und hatte sich auf dem Henna-Abend am 4. September im Hammer Süden infiziert. Rund sechs Wochen lang hatte sie auf einer Intensivstation gelegen.

Ende April und Anfang Mai waren zwei über 50 Jahre alte Männer aus Hamm als bislang jüngste Infizierte gestorben. Sie hatten allerdings jeweils Vorerkrankungen gehabt.

Neue Quarantäne-Vorgaben für Schulen

Seit dem Ferienende sind noch keine neuen Fälle an Schulen bekannt geworden. Sollte dies geschehen, kann sich die Stadt nunmehr ein Umdenken bei den Quarantäne-Auflagen vorstellen. War es bislang so, dass alle Schüler und Lehrer einer Klasse, in der ein Infektionsfall bekannt geworden war, für 14 Tage in Quarantäne mussten, soll in Zukunft zunächst das Hygienekonzept der Schule analysiert werden.

Sollte sich herausstellen, dass alle denkbaren Schritte/Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt waren, dürfte es äußerst unwahrscheinlich sein, dass sich Mitschüler/Lehrer im Klassenraum infiziert haben. Dann könnte es dazu kommen, dass lediglich die unmittelbaren Nebenleute eines betroffenen Schülers in die Quarantäne geschickt würden, sagte Walter. Die 14-tägige Dauer einer Quarantäne sei aber nicht diskutabel. Die neue Regelung könne ab Montag greifen.

Mindestens 8.000 Schüler und Lehrer seien in den vergangenen Monaten getestet worden; in lediglich drei Fällen sei theoretisch ein Infektion auch im Klassenraum möglich gewesen.

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