Corona riss ihn aus dem Leben

Beliebter Hammer Arzt Nicolaus Ueberfeldt gestorben - Ein Nachruf

Nicolaus Ueberfeld starb am 3. März 2021. Er wurde 77 Jahre alt.
+
Nicolaus Ueberfeld starb am 3. März 2021. Er wurde 77 Jahre alt.

Der HNO-Arzt Nicolaus Ueberfeldt hat im Lauf seines 77-jährigen Lebens viele Menschen in Hamm berührt. Nun ist er tot; sein Schicksal war das Coronavirus. Ein Nachruf.

Hamm - „Hallo, ich bin der Nicolaus, und nicht der Weihnachtsmann“, so hat sich Nicolaus Ueberfeldt kleinen Patienten vorgestellt. Mit Wärme und Herzlichkeit habe er das Vertrauen aller gewonnen, selbst das der ganz schüchternen Kinder. Das erzählt Anja Becker. Vor 35 Jahren hat die Arzthelferin in Ueberfeldts HNO-Praxis an der Oswaldstraße angefangen. Nun muss Ueberfeldts Kollege Ulrich Schultz die Praxis alleine weiterführen. Am 3. März ist Ueberfeldt mit 77 Jahren am Coronavirus gestorben. (News zum Coronavirus in Hamm)

Der Arzt hätte vor Jahren in Ruhestand gehen können. Die Praxis hatte er 1980 eröffnet, 1995 war Schultz eingestiegen. So mancher habe gefragt, warum er sich die Arbeit noch antue, erzählt Becker. „Das war seine Lebensaufgabe“, sagt die HNO-Ärztin Bettina Wagner, die jahrelang mit Ueberfeldt zusammengearbeitet hat. Ihr Kollege sei nie in den Urlaub gefahren, ohne sich zwischendurch nach der Praxis zu erkundigen.

Arzt Nicolaus Ueberfeld in Hamm gestorben: Woher kam das Virus?

Ueberfeldt habe großen Respekt vor dem Virus gehabt. Er habe penibel auf die Hygiene geachtet, sagen Weggefährten. Ueberfeldts Witwe Gundel erzählt, dass das Paar auf ein großes Weihnachtsfest verzichtet habe, dass man kaum jemanden traf. Ein Paar habe man um den Zeitpunkt der Ansteckung herum gesehen. Es sei negativ auf das Virus getestet worden. Zwischen Weihnachten und Neujahr arbeitete Ueberfeldt in der Praxis. Kurz danach wurde er krank, als einziger im Kollegenkreis. Hat er sich in der Praxis infiziert? „Wir wissen es nicht“, sagt Gundel Ueberfeldt.

„Es sind nur zwei Monate, die ihm gefehlt haben.“

Gundel Ueberfeldt

Auch sie steckte sich an, war aber nach einer Woche wieder gesund. Ihr Mann hingegen lag über Wochen im Krankenhaus. Irgendwann hätten die Ärzte nichts mehr für ihn tun können. „Ich sehe das wie einen Unfall“, sagt die Witwe. „Es sind nur zwei Monate, die ihm gefehlt haben.“ Ihr Mann wäre wohl inzwischen geimpft.

Arzt Nicolaus Ueberfeld in Hamm gestorben: Leben und leben lassen

Er hinterlässt neben seiner Witwe zwei Kinder und ein Enkelkind. Gundel Ueberfeldt blickt auf ein bewegtes Leben mit ihrem Mann zurück. Da war seine Zeit als Assistenzarzt in Dortmund: Ihr Mann betreute als Mediziner Konzerte in den Westfalenhallen. Fielen dort junge Frauen vor ihren Stars in Ohnmacht, kippte er ihnen einen Schluck kaltes Wasser ins Gesicht. „Die brauchten keine Medikamente und hatten dann wieder einen klaren Kopf“, sagt Gundel Ueberfeldt. Dort habe das Paar Udo Jürgens kennengelernt, Abba, Neil Diamond.

Begeisterter Autofahrer und Autofan: Der HNO-Arzt Nicolaus Ueberfeldt wurde als junger Mann Deutscher Meister im Autoslalom. Auch seine Arbeit begeisterte ihn, er arbeitete auch mit über 70 Jahren weiter.

Fotos in der Praxis erzählten von Ueberfeldts Auto-Leidenschaft: Als junger Mann wurde er Deutscher Meister im Autoslalom, erinnert sich seine Witwe. Die Leidenschaft für Autos blieb, Ueberfeldt fuhr gern Porsche. „Die Leute haben es ihm irgendwie gegönnt“, sagt Gundel Ueberfeldt. Vielleicht wegen seiner mitfühlenden Art, vielleicht, weil er unkompliziert war, hilfsbereit, auf eine ruhige Art fröhlich. „Sein Motto war: Leben und leben lassen.“

Arzt Nicolaus Ueberfeld in Hamm gestorben: Trauer in der Praxis

Ihr Mann habe gern gut gegessen, gegolft, geholfen, gearbeitet. Gundel Ueberfeldt sagt, sie bereue nichts. „Alles, was er sich gewünscht hat, haben wir auch gemacht.“ Sie habe Glück gehabt mit ihm. In diesem Jahr hätten die beiden ihren 50. Hochzeitstag gefeiert.

In der Praxis hinterlässt er eine große Lücke. „Er war einer der außergewöhnlichsten und empathischsten Menschen, die ich je kennengelernt habe“, sagt Becker. Die Arbeit mit Kindern habe ihm besonders viel Freude gemacht, ebenso der persönliche Umgang mit den Patienten. „Er hat alle gleich gut behandelt, egal, wer sie waren und woher sie kamen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare