Hohe Zahlen bereiten Bauchschmerzen

Corona-Hotspot Hamm: Was Sie vor einer Reise wissen sollten

Das Coronavirus wird aktuell wie hier in Köln mit Abstrichen aus Mund und Nase getestet.
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Corona-Tests können einen Urlaub retten; doch die Aussagen von Ärzten machen nicht nur Hoffnung. (Symbolbild)

Große Verunsicherung herrscht unter den Hammern, ob sie angesichts der hohen Corona-Fallzahlen absehbar noch in den Urlaub fahren können. Wir haben uns um aktuelle Informationen zu diesem heiklen Thema bemüht.

Hamm - Hamm ist weiter bundesweiter Corona-Hotspot. Weil der Inzidenzwert deutlich über 50 liegt, weisen einige Bundesländer Hamm als Risikogebiet aus. Das bedeutet, dass Urlaubsreisende aus Hamm sich am Zielort teils in Quarantäne begeben müssen und beispielsweise ihr Hotelzimmer nicht verlassen dürfen. Insbesondere in Schleswig-Holstein sind die Bestimmungen wegen des Coronvavirus scharf.

Die Stadtverwaltung empfahl am Mittwoch allen Urlaubsreisenden, sich genauestens über die Bestimmungen am Zielort und im entsprechenden Bundesland zu informieren und im Zweifel die Reise zu stornieren. Sollte verlangt werden – auch das tun einige Bundesländer – dass Urlauber aus Hamm einen negativen und 48 Stunden zuvor erstellten Coronatest vorlegen, könnte auch das Probleme bereiten. Die Labore kommen angesichts der Flut von Tests nicht rechtzeitig nach, heißt es von der Hammer Ärzteschaft.

Corona-Hotspot Hamm: „Grundsätzich überall hinfahren“

Die Hammer Stadtverwaltung erklärte am Mittwoch, dass das Stadtgebiet nicht als Risikogebiet deklariert sei und die Menschen aus Hamm grundsätzlich überall hinfahren könnten. „Die Ausweisung von Risikogebieten gibt es nicht mehr“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Das sei der Stadt am Dienstag vom NRW-Gesundheitsministerium so mitgeteilt worden. Nach Gütersloh und der Eskalation bei Tönnies habe man sich davon verabschiedet.

Letztlich ist es aber auch nicht zielführend, auf der Begrifflichkeit herumzureiten! Denn sehr wohl gibt es eine Reihe von Bundesländern, die ab einem Inzidenzwert größer 50 Reisebeschränkungen ausgegeben haben. In Hamm wurde dieser am Mittwoch mit 94,9 ausgewiesen. Auch wenn der Wert wieder unter 50 gesunken sein sollte, verhängen einige Bundesländer Karenzzeiten von bis zu zehn Tagen. Damit könnte es auch für die Herbstferien eng werden.

Corona-Hotspot Hamm: Chance auf schnellen Corona-Test gering

Auflagen der Zielreise-Bundesländer sind etwa, dass ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden vor Reiseeintritt erstellt wurde, vom Reisenden vorgelegt werden kann. Die Stadtverwaltung empfiehlt allen Reisenden, ihre Reiseunterlagen zu überprüfen und vor Reiseantritt mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen. Sollten Corona-Tests verlangt werden, sollte als nächstes der Hausarzt kontaktiert werden, ob ein solcher Test vorgenommen werden kann und in welchem Zeitrahmen dies geschehen wird.

Viel Hoffnung sollten sich Betroffene aber nicht machen: Die Chance, binnen 48 Stunden einen Corona-Test durchgeführt und ausgewertet zu bekommen, ist eher gering. Das erklärte Dr. Matthias Bohle, Sprecher der Hammer Ärzteschaft, auf WA-Nachfrage. Auch in seiner Praxis stehe das Telefon nicht still. Die Anrufer seien teils den Tränen nahe gewesen, weil sie noch schnell einen Test vor ihrem Urlaubsantritt hätten machen wollen. Teils hätten sie bereits bei zehn anderen Arztpraxen eine Absage erfahren. Auch er habe irgendwann abwinken müssen, weil schließlich auch noch seine übrigen Patienten zu behandeln gewesen wären.

Corona-Hotspot Hamm: Überlastung der Labore größtes Problem

Das größte Problem sei aber die Überlastung in den Laboren. „Die Chance, dass die Labore das innerhalb von 48 Stunden hinkriegen, ist nicht sehr groß“, sagte Bohle. Ein Wert von 72 Stunden sei deutlich realistischer. „Da haben sich mal wieder Bürokraten schön etwas ausgedacht worden, aber mit der Praxis hat das nichts zu tun.“

Ein Empfehlungsschreiben des Oberbürgermeisters wird es hierzu voraussichtlich nicht geben. Im Zuge der Tönnies-Pandemie bestand für Reisende aus Hamm die Möglichkeit, ein solches anzufordern, um es dem Ferienhausvermieter vorzulegen. Damals war die Situation aber eine andere: Hamm war versehentlich als Risikogebiet ausgewiesen worden. Jetzt sind die Zahlen allerdings tatsächlich im roten Bereich. Eine Übersicht über das Vorgehen der Bundesländer hat die Dehoga online zusammengestellt.

In der ehemaligen Harkortschule richtet die Stadt Hamm eine Corona-Schaltzentrale ein. So soll unter anderem auf den hohen Beratungsbedarf der Bürger reagiert werden. Allein die Corona-Hotline erreichten am Montag und Dienstag tausende Anrufe. Unterstützt werden die Mitarbeiter der Stadtverwaltung auch von so genannten „Containment Scouts" des Robert-Koch-Instituts, das sind Experten für die Rückverfolgung von Infektionsketten und Personenkontakten.

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