Hammer erleben Ausgrenzung

Eventhallen-Betreiber beziehen Stellung - vor allem Festbesucher infiziert

Location Leyla am Hellweg in Hamm, Austragungsort der Henna-Party.
+
In diesen Räumlichkeiten im Hammer Süden fand die Henna-Party statt, die die große Corona-Welle in Hamm auslöste.

Wer aus Hamm kommt, ist in diesen Tagen ein gebranntes Kind. Nicht nur Urlaubsreisende werden zurückgewiesen – offenbar werden Hammern nun auch Klinikaufenthalte verwehrt und Autos mit HAM-Kennzeichen außerhalb der Stadt beschädigt.

Hamm - Dies alles ist auf die türkischen Hochzeitsfeierlichkeiten zurückzuführen, die sich als Superspreader-Ereignis entpuppten und am 4. September in Hamm ihren Ursprung hatten. Auch hier gibt es nun neue Entwicklungen. Ein Überblick.

Corona-Hotspot Hamm: Der Stand der Dinge

164 der aktuell 207 Coronainfizierten stehen in Zusammenhang mit den Hochzeitsfeiern. Das teilte die Stadtverwaltung am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion mit. Knapp 400 Personen seien mittlerweile bekannt, die auf mindestens einer der Feierlichkeiten in Hamm, Dortmund und Werl zugegen gewesen waren.

Das Coronavirus verbreitet sich demnach nicht unkontrolliert quer durch die Stadtbevölkerung, sondern in erster Linie unter den engsten Angehörigen der Festbesucher. Sollte dies weiter der Fall bleiben, ist der Optimismus der Stadt berechtigt, dass der RKI-Wert in den nächsten Tagen wieder deutlich abnehmen wird. Mit 99,9 Infizierten pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen war die Stadt davon aber weiter denn je entfernt. Mit nur noch einem Zehntelschritt lag Hamm gestern unter der höchsten RKI-Klassifizierungsstufe „Dunkelrot“.

Corona-Hotspot Hamm: Eventhallen-Betreiber melden sich

Die Leyla-Eventhalle am Hellweg im Hammer Süden ist der Ort gewesen, an dem am 4. September jener Henna-Abend stattfand, der sich im Nachhinein als die oder zumindest eine von mehreren Coronaschleudern entpuppen sollte. Wegen der aufgeheizten Stimmung in der Stadt hatte der WA bislang die Lokalität nicht benannt. Andere Medien hingegen hatten dies getan.

Ferner meldeten sich jetzt die Inhaber in der Redaktion und baten um die Veröffentlichung einer Stellungnahme. Fidan Strate, die die Location zusammen mit ihrem Bruder Ersan Basel betreibt, beteuerte, dass sie „keine Schuld an der aktuellen Verbreitung des Coronavirus in Hamm“ trage. „Wir haben ein strenges Hygienekonzept entwickelt und setzen dieses konsequent um“, heißt es in der Stellungnahme. Dazu gehöre unter anderem die strenge Kontrolle der maximal erlaubten Gästezahl. Ebenso würden Fiebermessungen bei den Festbesuchern vorgenommen, sagte Strate.

An der Besucherzahl am 4. September scheiden sich jedoch die Geister. Der Stadt wurde im Nachgang zu dem im Raum stehenden Henna-Abend eine Liste mit 45 Namen ausgestellt. Strate selbst hatte gegenüber dem WA am Mittwoch von knapp 90 Teilnehmern gesprochen, der Ehemann einer Coronakranken dagegen von über 150 Frauen und Kindern.

Dass sich unter den Feiernden zwei Personen befunden hätten, die mindestens unter Quarantäne standen, wenn nicht gar positiv getestet waren und dies verheimlicht hatten, ist ein seit Langem schwelendes Gerücht, das sich aber nicht erhärten lässt. „Wir sind gestern noch einmal die Liste der Gäste durchgegangen. Niemand, der darauf stand, hätte in Quarantäne sein müssen“, sagte Stadtsprecher Tom Herberg. Sollte dies doch anders sein, müsse sich ein Zeuge beim Gesundheitsamt melden. „Dann wären wir sofort im strafrechtlichen Bereich und würden auch unverzüglich die Staatsanwaltschaft einschalten“, sagte Herberg. Solche Zeugen gebe es bislang nicht.

Corona-Ausbruch in Hamm: Hammer Patientin in Klinik außen vor?

„Das verstehen wir nicht und ergibt überhaupt keinen Sinn“, lautete die erste Stellungnahme der Stadt auf einen Vorgang in einer Klinik im Münsterland. Dort hatte eine Patientin aus Hamm für die kommende Woche eine Behandlung in Aussicht. Weil sie aus Hamm komme, sei die Patientin gestern von der Klinik abgewiesen worden. Der Fall wurde der Redaktion zu spät bekannt, um dem Ganzen hinterherzugehen.

Der Corona-Ausbruch nach den Hochzeitsfeierlichkeiten wird in Hamm kontrovers diskutiert. Auch in der türkischen Gemeinschaft sorgt das vermeintlich sorglose Verhalten der Festgesellschaft für Empörung. Schwer haben es offenbar jene Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die für die Rückverfolgung der Infektionsketten zuständig sind. Hunderte Schüler fast aller Schulformen sind in Quarantäne. Große Ungewissheit herrscht zwei Wochen vor Beginn der Herbstferien bei vielen Hammern, die eine Reise gebucht haben. Viele haben von ihren Gastgebern bereits Absagen bekommen. Die Regelungen in den Bundesländern sind höchst unterschiedlich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare