Fast alle Schulformen betroffen

Corona-Hotspot Hamm: Hunderte Schüler in Quarantäne 

Die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Bockum-Hövel ist geschlossen.
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Die Sophie-Scholl-Gesamtschule in Bockum-Hövel ist geschlossen.

Rund 800 Hammer Schüler befinden sich wegen einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus in Quarantäne. Die Zahl stieg am Mittwoch, 23.September um mehr als 150 an. Nachgewiesen war das Virus bei 54 Schülern, betroffen sind mittlerweile zehn Schulen fast aller Schulformen. Sie befinden sich überwiegend in den nördlichen und westlichen Stadtteilen.

Hamm – Die meisten Infektionsfälle wurden bisher am Märkischen Gymnasium festgestellt, hier sind 16 Schüler positiv auf das Coronavirus getestet worden. Auch die Sophie-Scholl-Gesamtschule ist mit neun infizierten Schülern stark betroffen. An allen Schulen seien die jeweiligen Klassen sowie die dort unterrichtenden Lehrer in Quarantäne versetzt worden, sagte ein Stadtsprecher. Das gelte auch für Lehrkräfte, die klassenübergreifend unterrichten, beispielsweise in Religion. In Oberstufen werde wegen des offenen Kurssystems jeweils die gesamte Stufe nach Hause geschickt.

An der Sophie-Scholl-Schule wurde gar der Präsenzunterricht für alle Schüler bis mindestens Freitag eingestellt. Für Oberstufenschülerin Lina Richter kam das überraschend. „Ich hatte am Montag noch ganz normal 10 Stunden Schule und zwei Stunden später hieß es dann, dass die Schule zugemacht wird“, sagt die 18-Jährige. Sie lernt jetzt auf Distanz und ist damit nicht sehr zufrieden: „Viele Schüler finden den Distanzunterricht besser, ich gehe aber lieber zur Schule.“ Sie finde das Distanzlernen viel anstrengender als den normalen Unterricht in der Schule.

Noch schlimmer trifft es einen Zehntklässler der Bockum-Höveler Schule, der namentlich nicht genannt werden möchte. Eine Klassenkameradin habe Kontakt zur Hochzeitsgesellschaft gehabt und sei positiv auf Corona getestet. Wer es genau ist, sei aber geheim gehalten worden.

Quarantäne im Kinderzimmer

Der Junge selbst hat inzwischen ein negatives Testergebnis, muss aber trotzdem noch die Quarantäne-Auflagen einhalten: Aufenthalt nur im Kinderzimmer, im Rest des Hauses nur mit Mundschutz, alles außerhalb des Hauses ist tabu. „Es ist nervig zuhause zu bleiben“, sagt er. „Ich würde gerne wieder rausgehen, aber ich weiß, wann es zuende ist.“

Die Eltern fragen sich, ob das Risiko einer Infektion wirklich so groß war? Von Schule und Gesundheitsamt fühlen sie sich immerhin gut informiert, und auch die technische Lösung für den Distanzunterricht funktioniert: Die Lehrer stellen auf einer Lernplattform Aufgaben ein, Schüler müssen die erledigen und zurückschicken, gesprochen wird per Videokonferenz.

Digitales Lernen in Hamm

Die Lernplattform der Sophie-Scholl-Schule heißt IServ. Die Stadt hat sie allen ihren Schulen zur Verfügung gestellt. 45 nutzen sie, sechs nicht, zwei haben andere Systeme. IServ ist die große Hoffnung der Schulleitungen, trotz Schließungen und Quarantänen so etwas wie einen geregelten Unterricht anbieten zu können. Über das System können Lehrer mit Schülern, Schulleitungen mit Eltern und Lehrerkollegien untereinander kommunizieren.

An der Friedensschule hat man bereits positive Erfahrungen gemacht. Die Gesamtschule in der Stadtmitte hat eine Stufe in Quarantäne schicken müssen. Man habe sich bereits in den Sommerferien auf so eine Situation vorbereitet, sagt Schulleiter Leon Moka: Bei Schülern und Eltern habe man abgefragt, ob und welche Endgeräte zuhause zur Verfügung stehen, die Lehrer seien geschult worden, um IServ auch entsprechend nutzen zu können. Von den Eltern kämen überwiegend positive Rückmeldungen.

Lernen auf Distanz mit Hindernissen

Lina Richter in Bockum-Hövel ist nicht ganz so begeistert. Das Distanzlernen sei „ein großes Durcheinander“, sagt die Gesamtschülerin. Die Unterrichtsaufgaben kämen über die IServ-App. Man werde aber nicht gesondert benachrichtigt, wenn es etwas neues gebe, müsse sich also permanent durchklicken, um nach neuen Aufgaben zu suchen.

Lina Richter lernt auf Distanz.

Die Fächer richten sich der Schülerin zufolge nach dem gewohnten Stundenplan. In manchen Fächern bekomme sie Aufgaben, die sie alleine erledige, in anderen gebe es Videounterricht mit den Fachlehrern. Dazu nutzt Lina das eigene Handy und Tablet. „Ich hatte heute schon Video-Unterricht mit meiner Bio-Lehrerin“, sagt sie. „Wir müssen zu den Unterrichtszeiten für die Lehrer erreichbar sein. Also muss ich den ganzen Tag immer wieder aufs Handy gucken.“ Sie werde froh sein, wenn die Schule wieder öffnet und sie normal lernen könne.

Die frühere Harkortschule im Hammer Süden wird am kommenden Montag, 28.September zur neuen Corona-Schaltzentrale der Stadt. Hier werden dann die Aufgaben zentriert.

Die betroffenen Schulen in Hamm

  • Friedensschule: 2 Fälle – 1 Mal 5. Klasse (neu), 1 Mal 10. Klasse
  • Friedrich-Ebert-Realschule: 3 Fälle – 1 Mal 5. Klasse (neu), 1 Mal 7. Klasse, 1 Mal 9. Klasse
  • Friedrich-List-Berufskolleg: 3 Fälle aus unterschiedlichen Kursen
  • Galilei-Gymnasium: 2 Fälle – 1 Mal Einführungsphase, 1 Mal Qualifikationsphase 2
  • Gebrüder-Grimm-Schule: 4 Fälle – 1 Mal 1. Klasse, 2 Mal 3. Klasse (1 neuer Fall), 1 Mal 4. Klasse
  • Jahnschule: 1 Fall – 3. Klasse
  • Märkisches Gymnasium: 16 Fälle – darunter 2 Mal 7. Klasse, 2 Mal Qualifikationsphase 1, 12 Mal Qualifikationsphase 2
  • Realschule Heessen: 2 Fälle – 1 Mal 8. Klasse, 1 Mal 10. Klasse
  • Sophie-Scholl-Gesamtschule: 9 Fälle: 1 Mal 5. Klasse, 1 Mal 7. Klasse, 1 Mal 8. Klasse (neu), 4. Mal 9. Klasse, 2 Mal 10. Klasse
  • Wilhelm-Busch-Schule: 1 Mal 2. Klasse (neu)

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