Kulturveranstaltungen nicht betroffen

Corona-Hotspot Hamm: Auch Hoteliers und Gastronomen leiden

Die Folgen der Pandemie: Paola Quintino vom Restaurant Torino beklagt zahlreiche Stornierungen.
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Die Folgen der Pandemie: Paola Quintino vom Restaurant Torino beklagt zahlreiche Stornierungen.

Die Hotel- und Gastrobranche hat harte Zeiten hinter sich. Leere Hotelbetten, verwaiste Tagungsräume und karge Festsäle – die Gäste blieben aus. Von dem Corona-Lockdown erholt sich die Branche nur langsam. Inzwischen finden wieder Familienfeiern statt und Übernachtungsgäste kommen in die Stadt. Bis jetzt.

Hamm – Seitdem die Zahl der Corona-Infektionen in Hamm deutschlandweit einen Hochstand erreicht hat, flattern die Stornierungen den Hoteliers und Gaststätten ins Haus. „Uns stehen schwere Zeiten bevor“, resümieren die Gastronomen.

Volker Kröner bringt es auf den Punkt. „Ich bin stocksauer auf die, die sich nicht an die Regeln halten können und uns in die Situation, wie wir sie gerade erleben, gebracht haben.“ Der Inhaber des „Hotel Herzog“ berichtet von etlichen Stornierungen. Seitdem die Stadt als Corona-Hotspot deutschlandweit in den Medien ist, erhalte er Zuschriften von Gästen, die ihre Buchungen stornieren wollen. Dramatisch sei die Situation deshalb, weil viele Betriebe durch die Corona-Krise zu Beginn des Jahres arg gebeutelt waren und nun langsam wieder ins Geschäft kämen. „Den erneuten Schlag werden nicht alle überstehen“, prognostiziert er. Er habe das Gefühl, dass er und viele seiner Kollegen in Sippenhaft genommen würden und für das Fehlverhalten einer kleinen Gruppe büßen müssten.

Zahlreiche Stornierungen wegen steigender Corona-Neuinfektionen

Stornierungen erreichen auch das Mercure-Hotel in der Hammer Innenstadt. „Die Gäste berufen sich auf die gestiegenen Corona-Zahlen in Hamm und sagen ihre Buchung ab“, berichtet Hoteldirektor Lars Kessler. Beziffern kann Kessler den entstandenen Schaden (noch) nicht. Die Rechtsabteilung der Hotelkette prüfe derzeit, ob sie den Veranstalter oder das Brautpaar der Corona-Hochzeit in Regress nehmen können. Geplante Tagungen und Kongresse werden im Mercure derzeit noch nicht abgesagt. „Wir halten uns an die Regeln, die die Stadt Hamm nun erlassen hat, damit können solche Veranstaltungen stattfinden“, so Kessler. Sein Hotel hat sich inzwischen einer Konformitätsprüfung Covid-19 durch das SGS Institut Fresenius unterzogen und zertifizieren lassen. Tagungsgäste müssen sich anmelden, an Laufwege halten und zahlreiche andere Hygienevorschriften beachten.

„Während wir hier telefonieren, kommen nach und nach Stornierungen ins E-Mail-Postfach“, sagt Hendrik Wilms-Schulze Kump. Auch er ist von der neuen Corona-Krise betroffen. Für die kommenden Wochenenden hatten zahlreiche Radtouristen Zimmer in seinem Hotel gebucht. „Sie sagen nun nach und nach die Reservierung ab und verweisen auf die dramatische Corona-Lage“, sagt der Hotelier. Auch kleinere Gesellschaften, meistens runde Geburtstage mit älteren Menschen, wurden storniert. Durchführen werde er drei Hochzeiten in den kommenden Wochen.

Die Brautleute hätten ihre Feier bereits aus dem Frühjahr in den Herbst verschoben. Eine Hochzeit, die am kommenden Wochenende stattfindet, sei inzwischen von der Stadt Hamm genehmigt worden. „Das ist ganz schnell gegangen, ich hatte den Antrag am Dienstagabend abgeschickt und am Mittwoch um 10 Uhr kam die positive Antwort“, lobt er die Stadtverwaltung. Gemeinsam mit dem Brautpaar habe er Namenslisten der Hochzeitsteilnehmer und das Hygienekonzept an die Stadt gesendet. „Mit maximal 150 Personen dürfen wir ja feiern“.

Die Folgen der Pandemie: Auch Hendrik Wilms-Schulze Kump beklagt zahlreiche Stornierungen.

Leere Tische statt volle Bänke

In der städtischen Corona-Schutzverordnung ist inzwischen festgeschrieben, dass sich nicht mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum oder in der Gastronomie treffen dürfen. „Das ist für uns ein großes Problem“, sagt Lukas Erfurth von den Wielandstuben. Viele seiner Gäste würden sich mit mehreren Personen treffen. Absagen seien die Folge. Die Stadt Hamm gehe hier einen falschen Weg.

Leere Tische prägen auch das Bild bei den Gastronomen in der Innenstadt. „Hier ist nichts mehr los“, sagt Paola Quintino vom Restaurant Torino. Sie habe seit Dienstag zahlreiche Stornierungen erhalten. „Die Leute haben Angst, sich anzustecken und gehen nicht mehr raus“, sagt sie.

Karten für Kulturveranstaltungen werden nicht zurückgegeben

Die kulturellen Veranstaltungen in Hamm sind von der zweiten Corona-Welle noch nicht betroffen. Gebuchte Karten werden derzeit nicht zurückgegeben, teilte die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. Alle Veranstaltungen finden statt. Bei den Mitarbeitern im städtischen Kulturbüro habe es lediglich einige Nachfragen gegeben, ob die Veranstaltungen angesichts der steigenden Zahlen überhaupt stattfinden. Die Stadt Hamm hatte schon frühzeitig reagiert und für die Veranstaltungen Hygienekonzepte erstellt.

Auch die Veranstaltung mit Stand Up Comedian und Moderatorin Hazel Brugger wird im Festsaal des Maxiparks heute, Freitag, 25.September, um 20 Uhr stattfinden. Gemäß aktueller Verordnung zur Bekämpfung und Ausbreitung des Corona-Virus muss sich jeder Besucher vorab hier über die Internetseite des Maxiparks registrieren.

Bei der Veranstaltung sind weniger als 300 Gäste im Festsaal, das entspricht rund einem Drittel der normalen Kapazität. Die Bestuhlung wird entsprechend großzügig ausfallen. Aus aktuellem Anlass werden alle Gäste gebeten, an diesem Abend eine Mund- und Nase-Bedeckung zu tragen – auch während der Veranstaltung.

Neugestaltete Bereiche im Mercure-Hotel Hamm

Neugestaltete Bereiche im Mercure-Hotel Hamm
Neugestaltete Bereiche im Mercure-Hotel Hamm
Neugestaltete Bereiche im Mercure-Hotel Hamm
Neugestaltete Bereiche im Mercure-Hotel Hamm
Neugestaltete Bereiche im Mercure-Hotel Hamm

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