Corona, Homeoffice und die Behörden

Jobcenter verweigert Zuzahlung für Homeoffice-Ausstattung bei neuem Job

Arbeiten von zuhause aus – aber mit der richtigen Ausstattung. Darum bat Maurice Dittmann das Jobcenter Hamm.
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Arbeiten von zuhause aus – aber mit der richtigen Ausstattung. Darum bat Maurice Dittmann das Jobcenter.

„Wir sind für Sie da“, behauptet das Kommunale Jobcenter (KJC) auf seiner Internetseite. Einen ganz anderen Eindruck hat da allerdings Maurice Dittmann gewonnen.

Hamm – Hätte sich Maurice Dittmann auf seine Sachbearbeiterin verlassen, wäre er vermutlich heute noch arbeitslos. Denn als er selbst einen Job gefunden hatte, versagte ihm das KJC einen Zuschuss als Einstiegsgeld – die sogenannte Eingliederungshilfe –, um die vom Arbeitgeber geforderten Arbeitsmaterialien kaufen zu können: 240 Euro hatte Dittmann beantragt.

Computer und Monitor stellte der Arbeitgeber zur Verfügung. Letztlich habe er aber noch rund 500 Euro investieren müssen, um sich einen Schreibtisch und den passenden Stuhl nach – wie vom Arbeitgeber gefordert – ergonomischen Gesichtspunkten sowie ein Headset anschaffen zu können. Angesichts von gerade einmal 130 Euro, die ihm nach Abzug diverser Kosten monatlich zum Leben blieben, habe er sich dafür verschulden müssen. Freunden und Verwandten ist er dankbar, dass sie ihm Kleinkredite gewährt haben. Jetzt ist Maurice Dittmann seit rund einem halben Jahr über eine Leiharbeitsfirma im Homeoffice für ein internationales Telekommunikations-Unternehmen tätig – und er ist guter Dinge, dass nach Ende der Probezeit im Februar eine Festanstellung daraus wird.

Keine Unterstützung bei Eigeninitiative

Ironie des Schicksals: Es ist genau dasselbe internationale Unternehmen, für das er wiederum über eine Leiharbeitsfirma tätig wird. Der Unterschied: Bis April vergangenen Jahres sei er in einem Call-Center im technischen Kundendienst eingesetzt gewesen und, wie viele seiner Kollegen, im Zuge des Corona-Lockdowns gekündigt worden – leider vor Ende der Probezeit. Jetzt im Homeoffice sei er für den kaufmännischen Service zuständig. „Das ist genau das Richtige für mich“, sagt Dittmann.

„130 Euro zum Leben – das ist fast nicht möglich und musste so schnell wie möglich aufhören“, so der 34-Jährige. Umso enttäuschter ist er, dass seine Eigeninitiative vom KJC nicht unterstützt worden sei – er habe sogar den gegenteiligen Eindruck gehabt: „Mein Antrag auf Eingliederungshilfe wurde mit dem Verweis abgelehnt, dass ich mir einen anderen Job suchen könne, bei dem solche Investitionen nicht notwendig sind.“

Antrag auf Einstiegsgeld wurde vom KJC abgelehnt

Solche Jobs habe ihm das Jobcenter tatsächlich angeboten: In einem Fall habe es sich um genau den Arbeitgeber gehandelt, der ihn im April 2020 entlassen hatte. In einem anderen Fall habe er als Vertreter von Haustür zu Haustür gehen sollen, was überhaupt nicht „sein Ding“ sei. In beiden Fällen habe er erst gar keine Bewerbung geschrieben – wofür er als „Strafe“ Einbußen beim Leistungsbezug habe hinnehmen müssen.

Gegen die Ablehnung seines Antrags auf Einstiegsgeld im August 2020 wollte Dittmann Widerspruch einlegen: Seine Sachbearbeiterin habe ihm daraufhin schriftlich mitgeteilt, dass sie dafür nicht zuständig sei; stattdessen solle er den Widerspruch an eine bestimmte E-Mail-Adresse bei der Stadt schicken. Das tat Dittmann – und hat seitdem nichts mehr gehört. Weder von der Stadt noch vom KJC.

Keine Rückmeldung wegen Behördenwahnsinn

Die Stadt Hamm will aus Gründen des Datenschutzes keine Angaben zum Sachverhalt machen – nur so viel: „Im konkreten Fall gab es leider tatsächlich eine Missinterpretation des Schreibens, sodass es nicht bei der zuständigen Sachbearbeiterin ankam und Herr Dittmann keine Antwort erhielt.“ Das kann der Betroffene nicht nachvollziehen: „Was gibt es da zu missinterpretieren, wenn mir die E-Mail-Adresse in dem Schreiben genannt wird?“

Und er wundert sich, dass sein Widerspruch dann doch wieder bei der Sachbearbeiterin hätte landen sollen, die sich ihm gegenüber für nicht zuständig erklärt habe. Nach Auskunft von Stadtsprecher Lukas Huster werde das Kommunale Jobcenter unter Einbeziehung der hauseigenen Ombudsstelle (unparteiische Schiedsstelle) Kontakt mit Maurice Dittmann aufnehmen, „um die Situation durchzusprechen und die Entscheidungen zu erläutern“.

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