Freude vor erster Premiere

Corona hat Helios-Theater getroffen: Zoom kann Publikum nicht ersetzen

Es geht wieder los: Michael Lurse und Anna-Sophia Zimniak freuen sich auf die erste Premiere im Helios-Theater nach langer Corona-Pause.
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Es geht wieder los: Michael Lurse und Anna-Sophia Zimniak freuen sich auf die erste Premiere im Helios-Theater nach langer Corona-Pause.

Das Helios-Theater feiert am Sonntag, 12. September, um 16 Uhr im Kulturbahnhof im Helios-Theater mit „Früh Stück“ wieder eine Premiere und die Vorfreude im Team ist riesengroß. Schließlich war in Corona-Zeiten an einen normalen Theaterbetrieb nicht zu denken.

Hamm – „Wir haben am 8. März 2020 kurz vor dem ersten Lockdown noch die Premiere von ,Der Elefant im dunklen Haus‘ feiern können“, erinnert sich Anna-Sophia Zimniak, Pressesprecherin des Helios-Theaters. Doch viele weitere Aufführungen waren nicht möglich, weil im ganzen Land das Leben still stand.

Und tatsächlich erlebte das Helios-Team das, was viele Betroffene aus der Kulturbranche über die Corona-Zeit sagen, nämlich dass die Theater und Konzerthäuser die ersten waren, die geschlossen wurden und die letzten sind, die wieder geöffnet werden.

Erste Premiere nach Corona-Lockdown: Helios-Theater freut sich auf Präsenz-Veranstaltung

Trotzdem habe die Politik in Stadt und Land das Theater nicht vergessen, betont Michael Lurse, der gemeinsam mit Barbara Kölling die künstlerische Leitung des Ensembles hat: „Dass die Stadt jetzt den Kooperationsvertrag für drei weitere Jahre bis 2024 verlängert hat, war ein wichtiges Zeichen für uns.“

Und Zimniak erinnert daran, dass das Land die Förderung für das Festival „hellwach“ aufrecht erhalten habe, obwohl man kurzfristig von einer Präsenzveranstaltung mit vielen internationalen Ensembles in Hamm auf ein Online-Format umschwenken musste. „Die Ensembles aus dem Ausland hätten vorher fünf bis zehn Tage in Quarantäne gemusst“, erläutert Zimniak.

Helios-Theater unter Corona: Internationale Ensembles durften nicht einreisen

Ensembles aus Mexiko und Indien wären gar nicht ins Land gelassen worden. Und so wurden acht Produktionen übers Internet gezeigt – „und von vielen Kindergärten und Schulen nachgefragt“, freut sich Zimniak. „Trotzdem hat es wehgetan, das Festival nicht in Präsenz durchführen zu können“, sagt Lurse.

Immerhin: Das Wissen, auch ohne die sonst üblichen mindesten 30 Vorstellungen im Kulturbahnhof finanziell überleben zu können, habe es dem Helios-Theater ermöglicht, auch in Corona-Zeiten weiter konzeptionell arbeiten zu können. So konnte mit „Vorhang auf!“ am 4. Oktober 2020 ein weiteres neues Stück Premiere feiern, als es im Herbst ein kurzes Zeitfenster zwischen zwei Lockdowns gab. Und die beiden nächsten Produktionen „Früh Stück“ und das Stück über die Bauhaus-Schülerin Friedel Dicker im September und Oktober sind in der Corona-Zeit entstanden.

Als ich im März/April in der Schweiz erstmals wieder live gespielt habe und die ersten Kindergartenkinder gesehen habe, sind mir die Tränen gekommen.

Michael Lurse, Helios-Theater

Aber vieles, was geplant war, musste wegen der Pandemie abgesagt werden. So gab es Pläne für eine Co-Produktion für ein neues Stück zusammen mit einem befreundeten Ensemble aus Indien. „Wir hatten sogar schon ein Haus für Proben auf 2000 Meter Höhe im Himalaja gebucht, das mussten wir leider genau wie die ganze Produktion absagen“, bedauert Lurse.

Tatsächlich hat die Pandemie auch Auswirkungen aufs Team: Marco Werner, ein langjähriges Ensemblemitglied, der als freier Schauspieler in vielen Produktionen mitgewirkt hat, hat angesichts der finanziellen Unsicherheit die Schauspielerei an den Nagel gehängt, ein Theaterpädagoge hat das Team verlassen.

Corona Herausforderung und Chance: Helios-Theater hat 900 Zuschauer aus Toronto

„Für das Team ist Corona eine echte Herausforderung“, sagt Zimniak – sowohl für die Erwachsenen als auch die Mitglieder der drei Kinder- und Jugendensembles, denen der soziale Austausch fehlt.

Und auch wenn das Digitale viele ermöglicht hat – etwa eine Vorstellung von „Ha zwei Oohh“, die gleichzeitig 900 Zuschauer in Toronto gesehen haben, – so sei der direkte Austausch mit dem Publikum durch nichts zu ersetzen. „Als ich im März/April in der Schweiz erstmals wieder live gespielt habe und die ersten Kindergartenkinder gesehen habe, sind mir die Tränen gekommen“, erinnert sich Lurse.

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