Rassismus im Netz

Corona-Hammer wegen Hochzeit: Die meisten Türken sind sauer

Mächtig sauer auf die türkische Hochzeitsgesellschaft in Hamm sind viele. Vor allem im Internet machen Bürger ihren Frust Luft.
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Mächtig sauer auf die türkische Hochzeitsgesellschaft in Hamm sind viele. Vor allem im Internet machen Bürger ihren Frust Luft.

Das sorglose Verhalten einer türkischen Hochzeitsgesellschaft sorgt auch in der türkischen Gemeinschaft für Empörung. Gleichzeitig sehen sich Hammer mit türkischem Hintergrund einer Welle von Anfeindungen ausgesetzt. Vor allem in sozialen Medien lassen einige Diskussionsteilnehmer dem Ausländerhass freien Lauf.

Hamm – Die Hintergründe und das Feierszenario sind nach wie vor nicht geklärt. Auf Facebook sind sich viele einig: Der Staat solle hart durchgreifen, den Brautleuten alle Kosten in Rechnung stellen, sie ins Gefängnis sperren, bis sie eine vollständige Gästeliste vorlegen. Offener Rassismus bleibt die Ausnahme, aber Vorbehalte gegen Einwanderer werden nicht verschleiert: „Die Corona-Regeln werden von dieser Klientel ja nicht zum ersten Mal missachtet.“

Ismail Erkul kennt solche Kommentare. Er ist Vorsitzender des Integrationsrates und damit die Stimme der ausländischen Mitbürger in Hamm. Er spricht von rechter Hetze im Netz. „Schon wieder die Türken“, heiße es. Alle würden über einen Kamm geschoren.

Verhalten der Hochzeitsgesellschaft unentschuldbar

Die Folgen jener Hochzeitsfeier träfen alle Bürger, sagt Erkul. Auch die aus der türkischen Gemeinschaft. Dort mache man sich genau solche Gedanken über Gesundheit, Kinderbetreuung und Arbeitsplätze wie in der gesamten Gesellschaft: „Wir haben alle dasselbe Problem.“

Das sieht auch Volkan Günes so. Der Geschäftsmann betreibt in Pelkum ein Autohaus und hält sich mit Kritik an der Hochzeitsgesellschaft nicht zurück, ihr Verhalten sei nicht zu entschuldigen. Aber er wehrt sich gegen die pauschalen Vorwürfe, die er von manchem Deutschen hört: „Es tut weh, in eine Schublade gepackt zu werden.“

Die meisten Türken sind sauer

80 Prozent der Hammer Türken seien sauer auf die Organisatoren der Hochzeit, schätzt Erdal Akyüz. Er ist Trainer des Türkischen SC; der Trainingsbetrieb des Vereins liegt nicht zuletzt wegen der Hochzeitsfolgen auf Eis. Seit 1979 sei er in Hamm, sagt Akyüz. Mit Vorurteilen habe er immer umgehen müssen. Selten bekomme er die Ablehnung ins Gesicht gesagt, aber er lese sie in Facebook-Kommentaren. Man dürfe nicht jeden unter Generalverdacht stellen, sagt er. Und: Es habe etliche Hochzeiten gegeben, die regulär abgelaufen seien.

Generell würden die Corona-Regeln in der türkischen Gemeinschaft genauso eingehalten wie in der deutschen Bevölkerung, sagt Akyüz. Auch beim Freitagsgebet in der Moschee: Die Gläubigen brächten eigene Gebetsteppiche mit, der Hygiene wegen. Masken, Mindestabstände und Namenslisten seien Standard. Dafür verbürgt sich auch Ismail Erkul. Da seien die Türken viel disziplinierter als viele Deutsche annähmen. Er selbst habe seinen Gebetsteppich stets im Kofferraum dabei.

Als Konsequenz aus Hamm sollen die Regeln für private Feiern jetzt landesweit verschärft werden*, berichtet Ruhr24.de*. Neben Hamm gibt es einen weiteren Corona-Hotspot in Deutschland. Auch der bayerische Landkreis Dingolfing-Landau* ist auf der Übersichtskarte des Robert-Koch-Instituts (RKI) rot markiert, wie merkur.de* berichtet. - *Ruhr24.de und merkur.de sind Teile des Ippen-Digital-Netzwerks.

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