Schwierige Nachverfolgung

Corona in Hamm: Immer mehr Infektionsfälle bleiben ungeklärt - Böllerverbot an Silvester?

Im Zentrum der Analyse: Theo Hesse, Fachbereichsleiter Soziales, blickt sich in der provisorischen Einrichtung im Ahsepark um.
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Im Zentrum der Analyse: Theo Hesse, Fachbereichsleiter Soziales, blickt sich in der provisorischen Einrichtung im Ahsepark um.

Von Beruhigung keine Spur: Mittlerweile ist jeder dritte der insgesamt rund 2.500 Corona-Fälle, die seit Mitte März in Hamm bekannt geworden sind, in diesem November aktenkundig geworden. Silvester droht wegen der anhaltend hohen Zahlen ein Böllerverbot.

Hamm - Von Beruhigung keine Spur: Mittlerweile ist jeder dritte der rund 2.500 Coronafälle, die seit Beginn der Pandemie Mitte März in Hamm bekannt geworden sind, in diesem November aktenkundig geworden. Seit der Lockdown am 2. November in Kraft trat, wurden in Hamm tatsächlich 849 Infektionen nachgewiesen. Offiziell gibt es aktuell hingegen „nur“ 579 Infizierte – was am Montag allerdings dennoch das nächste Rekordhoch bedeutete.

Zu erklären ist die Differenz (849 zu 579) mit der weiterhin vier bis sechs Tage dauernden Testauswertung und damit, dass der Kontakt eines Betroffenen mit einem Infizierten bisweilen mehrere Tage zurücklag, ehe es zur Testung kam. Trotzdem: Im November wurde rein statistisch bei jedem 211. Hammer das Virus nachgewiesen – bedenkt man, dass in Hamm noch im Oktober mit bis zu 150 Menschen eine Privatfeier ausgerichtet werden durfte, ist das wohl bemerkenswert.

Nachverfolgungsquote zwischen 60 und 70 Prozent

Die Nachverfolgungsquote von Corona-Infizierten ist in Hamm gesunken. Das räumte die Stadtverwaltung am Montag auf WA-Nachfrage ein. Das liege an der enorm hohen Zahl der täglichen Neuinfektionen. Im November betrage die Aufklärungsquote bislang etwa 60 bis 70 Prozent. Das sei immer noch ein vergleichsweise „sehr hoher“ Wert, hieß es aus dem Rathaus. In 30 bis 40 Prozent der Fälle könne man nicht mehr sagen, wo sich die Betroffenen infiziert hatten. Auszuschließen sei, dass dies aus einer Quarantäne heraus bei bereits Infizierten geschah.

Diese Gruppe bleibe aber die größte unter denen, bei denen die Nachverfolgung gelinge. Hinzu kämen vereinzelt Reihentests von Arbeitgebern sowie Reiserückkehrer als Positiv-Meldungen.

Was die Stadt weiß: Die meisten Infizierten gibt es im Hammer Norden und Westen.  „Nach verwaltungsinternen Schätzungen ist davon auszugehen, dass sich jeweils etwa ein Drittel des Infektionsgeschehens in der türkischstämmigen und der aus Ost-/Südosteuropa stammenden Community abspielt“, teilte Oberbürgermister Marc Herter auf WA-Anfrage mit.

Schul-Quarantäne hat sich bewährt

Das seit dem Ende der Herbstferien praktizierte Quarantäne-Management, bei dem in der Regel nur das unmittelbare Sitz-Umfeld eines Schülers für 14 Tage in Quarantäne muss, der Rest der Klasse aber weiter zum Unterricht erscheinen kann, hat sich aus Sicht der Stadtverwaltung bewährt. Zuvor werden jeweils die Quarantäne-Regeln an der Schule betrachtet. „Nach wie vor haben wir keine Erkenntnisse, dass Infektionen auf den Klassenraum/die Schule zurückzuführen wären“, sagte Stadtsprecher Lukas Huster. Es gebe zudem „definitiv keinen Fall“, in dem sich im Nachhinein herausgestellte hätte, dass Coronafälle in einer Klasse durchs Netz gefallen seien, weil nicht die ganzer Klasse in Quarantäne gewesen wäre.

Seit Montag wird der Versuch unternommen, den Schulbusverkehr in den Hammer Westen zu entzerren. „Der erste Einsatz der zusätzlichen Buslinien ist gut von den Schülerinnen und Schülern angenommen worden“, sagte Huster. Sie hätten sich gut an die Anweisungen der Kapazitätsmanager gehalten, und es habe eine durchaus spürbare Entlastung gegeben. Nun solle der Einsatz weiter optimiert werden, indem die zusätzlichen Linien bereits an der Haltestelle Westentor eingesetzt werden.

Wegen Corona: Böllerverbot an Silvester?

Ob es in diesem Jahr rund um Silvester ein stadtweites Böllerverbot geben wird, ist Corona-bedingt zumindest denkbar. In anderen Kommunen wird darüber bereits diskutiert, beziehungsweise ein Verbot in Angriff genommen. In Hamm soll der Corona-Krisenstab in seiner nächsten Sitzung in der kommenden Woche darüber beraten.

Corona in Hamm - diese Regeln gelten aktuell:

  • Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist nur für zwei Haushalte erlaubt und mit maximal zehn Menschen.
  • Private Feiern dürfen nur aus herausragendem Anlass und mit maximal 25 Personen in Privatwohnungen stattfinden. Dabei sind zwingend Kontaktlisten zu führen. Eine Anzeige- oder Genehmigungspflicht besteht nicht.
    Zu herausragenden Anlässen gehören: 18. Geburtstage, runde Geburtstage, ab dem 70. Geburtstag jeder Geburtstag, Hochzeiten und Trauungen, Hochzeitsjubiläen (silberne, goldene, Diamant- und Gnadenhochzeit), Taufen, Erstkommunionen und Konfirmationen und vergleichbare Feiern im muslimischen und jüdischen Glauben.
    Feiern aus anderen aus den genannten Anlässen sind nicht erlaubt. Wenn Feiern mit mehr als 25 Personen oder ohne besonderen Anlass stattfinden, erwartet den Verantwortlichen ein Bußgeld von 2500 Euro.
  • Maskenpflicht besteht wie bisher in Bus, Bahn und Taxi. Auch auf Spielplätzen (außer für Kinder bis zum Schuleintrittsalter) gilt sie laut aktueller Verordnung. In privaten Autos gilt keine Tragepflicht eines Mundschutzes. Auch auf öffentlichen Plätzen soll es verstärkt eine Maskenpflicht geben, für die Wochenmärkte in Hamm ist das bereits der Fall. Für andere, stärker frequentierte Orte – etwa die Fußgängerzone – gibt es noch keine entsprechenden Entscheidungen.
  • Der Einzelhandel bleibt geöffnet, dort darf sich nicht mehr als ein Kunde auf zehn Quadratmetern Verkaufsfläche aufhalten. Restaurants, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen müssen bis Ende des Monats schließen. Gastronomen bleibt die Lieferung und Abholung von Speisen erlaubt.
  • Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, werden einen Monat lang untersagt. Profisport-Veranstaltungen wie etwa Spiele des ASV Hamm-Westfalen dürfen nur ohne Zuschauer stattfinden. Nicht erlaubt ist der Freizeit- und Amateursportbetrieb in öffentlichen und privaten Sportanlagen, Fitnessstudios, Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen. Eine Ausnahme bildet der Individualsport allein, zu zweit oder mit dem eigenen Haushalt.
  • Das Museum, das Kino, der Tierpark, Wettannahmestellen, Bordelle, Schwimm- und Spaßbäder, Saunen, Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Der Maxipark bleibt geöffnet. Musikfeste und Festivals sind bis 31. Dezember untersagt.
  • Schließen müssen auch Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe. Medizinisch notwendige Behandlungen wie Physio-, Ergo- und Logotherapien sowie Fußpflege bleiben möglich. Friseursalons können öffnen.

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