Kirsten und Markus Bornefeld erzählen

Ende einer Rundreise: So wurden zwei Hammer im Osten zu Corona-Urlaubsopfern

Radeln wegen Corona jetzt durch Potsdam: Kirsten und Markus Bornefeld aus Hamm.
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Radeln jetzt durch Potsdam: Kirsten und Markus Bornefeld aus Hamm.

„Ja, und dann benötige ich noch Ihre Autokennzeichennummer. Die ist für den Platz in der Tiefgarage...“ Mit dieser Frage war für Kirsten und Markus Bornefeld das Ende ihrer Rundreise durch Mecklenburg-Vorpommern besiegelt.

Binz/Hamm – Das Ehepaar kommt aus Hamm-Berge, und natürlich beginnt ihre Kennzeichennummer mit den drei in diesen Tagen besonders verhängnisvollen Buchstaben „HAM“. Gefragt hatte der Portier ihrer Unterkunft auf der Ostseeinsel Rügen. Zuvor waren die Bornefelds noch drei Tage in Waren an der Müritz. Dort war alles kein Problem gewesen – aber dann waren die Corona-Zahlen in der westfälischen Heimat durch die Decke gegangen.

Und das hatte man auch in Mecklenburg-Vorpommern ziemlich schnell registriert. Urlauber aus Hamm stehen nunmehr in dem Bundesland auf dem Index (siehe auch Bundesländer-Übersicht weiter unten!). Änderungen sind erst dann zu erwarten, wenn der Inzidenzwert (Neuansteckungen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner) in Hamm wieder unter 50 liegt.

„Es tut es mir leid, aber ich darf Sie hier nicht hereinlassen“, lauteten am Mittwoch (23. September) sinngemäß die Worte des Manns am Empfang der Unterkunft im Ostseebad Binz. „Jede weitere Diskussion wäre zwecklos gewesen. Die hätten uns noch nicht einmal auf unser Zimmer gelassen“, sagt Markus Bornefeld (51) im Gespräch mit dem WA. Auch er selbst habe sofort auf der Internetseite des Landes Mecklenburg-Vorpommern nachgeschaut. Die bittere Erkenntnis: „Die dürfen uns hier gar nicht aufnehmen“, so der 51-Jährige, der in Uentrop bei DuPont arbeitet.

Corona und Reisende aus Hamm: „Ein komisches Gefühl“

Das Ehepaar Bornfeld disponierte um. Schleswig-Holstein wäre doch auch schön. Lübeck zum Beispiel. Doch auch dort will man derzeit keine Hammer empfangen. In ganz Schleswig-Holstein gilt Hamm als Risikogebiet. Der Versuch, dort kurzfristig ein Hotelzimmer oder eins in einer Pension zu buchen, wurde sogleich wieder verworfen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, als Bürger erkennen zu müssen, in bestimmten Regionen nicht willkommen zu sein. Wir haben doch schließlich nichts falsch gemacht.“

Auch Bekannte von den Bornefelds wollten zu dieser Zeit Urlaub an der Ostsee machen. Sie haben die Trips wieder abgesagt. Markus Bornefelds Ratschlag an alle Hammer, die in den nächsten Tagen Ähnliches planen: „Überlegt Euch das gut.“

Das Ehepaar aus Berge reiste nach Potsdam. Da ist es auch schön. Am Donnerstag (24. September) wurde mit dem Fahrrad die Region um Schloss Sanssouci erkundet. Nächste Stationen auf der Rundreise könnte der Harz werden. „Und danach kommen vielleicht noch ein paar Tage in einem Wellness-Hotel in NRW“, sagt Markus Bornefeld am 25. September halb im Scherz. „Man muss halt das Beste aus der Situation machen.“

Corona und Reisende aus Hamm: Ansturm auf die Hotline

Urlaubsanfragen beschäftigen auch die Telefonisten an der Corona-Hotline der Stadt in erheblichem Maße. In etwa der Hälfte aller rund 3500 Anrufe sei es am Donnerstag (24. September) ums Thema Verreisen gegangen, sagte Stadtsprecher Tobias Köbberling. „Allerdings können wir hier nicht wirklich weiterhelfen.“

Die Stadt könne immer wieder nur darauf hinweisen, dass sich Urlauber an ihrem Zielort über die Situation informieren. Das gelte sowohl fürs Inland wie für Auslandsreisen oder auch Dienstreisen.

Köbberling: „Wir können einfach nicht anderes sagen. Es ist natürlich eine blöde Situation, und wir hoffen, dass die Zahlen möglich schnell wieder heruntergehen werden.“ Auch bat die Stadtverwaltung darum, von Urlaubsanfragen an der Corona-Hotline abzusehen. „Dadurch werden enorme Ressourcen gebunden.“

Corona und Reisende aus Hamm: Die Regeln der Bundesländer

Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist für Deutschland nicht mehr ausdrücklich „Risikogebiete“ aus, auf die sich die Verordnungen der meisten Bundesländer beziehen. Allgemein werden aber Regionen als „Risikogebiete“ oder „Hotspots“ gewertet, bei denen nach den Veröffentlichungen des RKI die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus je 100.000 Einwohner in den vergangenen 7 Tagen höher als 50 ist. Hier eine Auswertung des Landesverordnungen für diesen Fall mit Stand 24. September. Änderungen sind ständig möglich, darum empfehlen wir, sich vor einer Reise aktuell auf den Internetseiten der Länder zu informieren.

Baden-Württemberg

Beherbergungsbetrieben ist es untersagt, Gäste aus Hamm aufzunehmen. Ausnahmen: Entweder, es wird ein negativer Corona-Test vorgelegt, der nicht älter als zwei Tage ist, oder man kann nachweisen, sich in den vorangegangenen sieben Tagen nicht in einem Hotspot aufgehalten zu haben.

Bayern

Für Gäste aus Hotspots gilt ein Beherbergungsverbot. Ausnahmen: berufliche oder medizinische Gründe sowie ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Berlin

Wer aus einem innerdeutschen Risikogebiet einreist, muss sich unverzüglich in einer „geeigneten Unterkunft“ in 14-tägige Quarantäne begeben. Zudem besteht die Pflicht, unverzüglich das zuständige Gesundheitsamt zu kontaktieren und auf das Vorliegen der sogenannten Inlandsquarantäne hinzuweisen. Es wird individuell festgestellt, ob für die Regionen, die den Grenzwert nominell über- oder unterschreiten, dennoch die Gefahr eines erhöhten Infektionsrisikos vorliegt. Übernachtungen sind mit negativem Corona-Test (nicht älter als 48 Stunden) erlaubt.

Brandenburg

Anbieter touristischer Übernachtungen dürfen keine Gäste aufnehmen. Ausnahme: ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Bremen

Nach Informationen aus der WA-Leserschaft gibt es keine Einschränkungen für Reisende.

Hamburg

Touristische Übernachtungen sind nur zulässig, wenn ein negativer Coronatest (nicht älter als 48 Stunden) vorgelegt werden kann.

Hessen

Übernachtungsbetriebe dürfen keine Personen aufnehmen. Ausnahme: Ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Mecklenburg-Vorpommern

Einreisen – und damit auch Übernachtungen – sind verboten. Wer dennoch einreisen will, muss sich umgehend in Quarantäne begeben und beim örtlichen Gesundheitsamt melden. Ein vorzeitiges Ende der Quarantäne ist nur möglich, wenn zwei negative Tests im Abstand von mindestens 5 bis 7 Tagen vorliegen.

Niedersachsen

Aktuell gibt es keine Verordnungen zu Einreisen/Übernachtungen aus innerdeutschen Risikogebieten.

Rheinland-Pfalz

Für Einreisende gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht. Sie müssen das zuständige Gesundheitsamt über ihre Ankunft informieren. Ausgenommen sind Personen, die einen negativen Corona-Test vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Saarland

Beherbergungsbetriebe dürfen keine Gäste aufnehmen. Ausgenommen sind Gäste, die einen negativen Corona-Test vorlegen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Sachsen

Beherbergungsbetriebe dürfen keine Gäste aufnehmen, außer, sie können einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Sachsen-Anhalt

Übernachtungen für Gäste mit Erstwohnsitz in einem Hotspot, wie zum Beispiel Hamm, sind nicht erlaubt. Ausnahme: ein negativer Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Schleswig-Holstein

Die Einreise ist unter Auflagen erlaubt: Das örtliche Gesundheitsamt ist zu informieren, es gilt eine Quarantäne für 14 Tage, eine Verkürzung ist nur unter Vorlage von zwei negativen Corona-Tests möglich (nicht kostenlos). Es ist möglich, die Quarantäne in einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer zu verbringen. Die Durchreise ist erlaubt.

Thüringen

Keine Beschränkungen, außer bei Einreise aus ausländischen, vom RKI als Risikogebiete eingestufte Regionen.

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